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Kurswechsel
Credit Suisse bläst IPO für die Schweizer Bank ab

Credit Suisse bläst IPO für die Schweizer Bank ab
Tidjane Thiam und Urs Rohner: Das Führungsduo der Credit Suisse. Keystone

Die Credit Suisse wollte das Schweizer Geschäft aufs Börsenparkett bringen. Jetzt macht die Grossbank einen Rückzieher. Die Aktie steigt.

Die Credit Suisse bringt ihr Schweizer Geschäft nicht an die Börse. Die zur Erhöhung des Kapitalpolsters nötigen rund 4 Milliarden Franken will die Grossbank entgegen den bisherigen Plänen mit einer normalen Kapitalerhöhung beschaffen. Die Credit-Suisse-Aktie eröffnet zunächst im Minus, dreht dann ins Plus. Nach 15 Handelsminuten notiert das Papier 1 Prozent höher, seither geht es weiter steil nach oben. In der Spitze gewinnt die Aktie über 3 Prozent. Der Gesamtmarkt tendiert derweil unverändert.

Ursprünglich plante die Grossbank das Schweizer Geschäft im zweiten Halbjahr 2017 teilweise an die Börse zu bringen. Es sollte der grösste IPO seit Jahren sein. Der CS-Verwaltungsrat habe jetzt aber entschieden, zugunsten einer ordentlichen Kapitalerhöhung auf diesen Börsengang zu verzichten, wie das Geldinstitut mitteilte. 

Rohner verspricht Mehrwert

Die Grossbank begründet den Entscheid mit dem Hinweis auf einen zukünftigen Mehrwert für die Aktionäre. «Wir glauben, dass der weiterhin vollständige Besitz der wichtigen Schweizer Bank der richtige Weg ist, der sich für die Aktionäre auszahlen wird», lässt sich CS-Präsident Urs Rohner in der Mitteilung zitieren. Und CS-Chef Tidjane Thiam sagt: «Die Kapitalerhöhung erlaubt uns, weiter in attraktive Wachstumsfelder zu investieren, unsere Bilanz zu stärken und die Restrukturierungspläne umzusetzen.»

An der Telefonkonferenz von Mittwochmorgen präzisierte Finanzchef David Mathers: «Wir sind sehr zufrieden mit dem Schweizer Geschäft und investieren weiter in die Schweiz. Wenn wir jetzt den Börsengang nicht machen, heisst das nicht, dass die Strategie für die Schweiz ansonsten geändert wird.» Die für die Kapitalerhöhung notwendige ausserordentliche Generalversammlung soll am 18. Mai 2017 stattfinden. Die zusätzlichen rund 4 Milliarden Franken sollen das Kapitalpolster von aktuell 12,7 Prozent auf 13,4 Prozent anheben.

Druck eines Aktionärs

Den Plan für einen teilweisen Börsengang des Schweizer Geschäfts gab Thiam zusammen mit dem Umbauprogramm der Bank im Oktober 2015 bekannt.

Zweifel daran, dass die Bank diesen Plan tatsächlich umsetzen würde, gab es bereits im vergangenen Winter. Ein Grossaktionär hat auf den Verzicht gedrängt. So stellte sich Harris Associates gegen den geplanten Börsengang. Die US-Investmentgesellschaft hält gemäss eigenen Angaben rund 7,5 Prozent an der Credit Suisse und ist damit der drittgrösste Aktionär der Grossbank.

Gewinn im ersten Quartal

Geschäftlich lief es der Grossbank zu Jahresbeginn besser als in den Vorquartalen. Mit 596 Millionen Franken schrieb die Bank einen über den Erwartungen liegenden Gewinn. Die ZKB schreibt in einem Kommentar, das Ergebnis habe die Prognose «übererfüllt». Im Vorjahresquartal, das das schlechteste erste Quartal der Bank seit der Finanzkrise war, resultierte noch ein Verlust von 302 Millionen Franken.

Die Grossbank reduzierte die Verluste in jenen Geschäftsfeldern, aus der die Bank aussteigen will. So reduzierte sich das Vorsteuer-Minus der so genannten Strategic Resolution Unit von 1,25 Milliarden Franken im ersten Quartal 2016 auf 539 Millionen Franken. Gleichzeitig verbesserte sich die Credit Suisse im Kerngeschäft. Der Vorsteuergewinn stieg hier von 769 Millionen Franken auf 1,21 Milliarden Franken, wobei sich die Grossbank nur in den zwei Investmentbanking-Segmenten steigern konnte.

Starkes Investmentbanking

Der Handel und die Emission von Wertpapieren (Global Markets) erreichte mit einem Vorsteuergewinn von 317 Millionen Franken das beste Resultat seit sechs Quartalen. Zur Steigerung geführt habe ein starkes Abschneiden mit Kredit- und abgesicherten Produkten. Gleichzeitig senkte diese Geschäftseinheit auch die Kosten deutlich.

Ebenfalls im Aufwind war das Kredit- und Beratungsgeschäft im Investmentbanking. Nach einem Vorsteuerverlust von 62 Millionen Franken im Vorjahresquartal erzielte die Grossbank hier nun einen Gewinn von 149 Millionen Franken.

Höhere Restrukturierungskosten

In der Vermögensverwaltung musste die Credit Suisse jedoch Rückschläge hinnehmen. So sank der Vorsteuergewinn sowohl in der internationalen Vermögensverwaltung wie auch bei der Schweiz- und der Asien-Bank. Bei der Schweiz-Bank und der internationalen Vermögensverwaltung sind Sonderkosten dafür verantwortlich.

Mit 404 Millionen Franken meldet die Schweiz-Bank einen um 6 Prozent tieferen Vorsteuergewinn als im Vorjahresquartal. Ohne Restrukturierungs- und Rechtskosten im Gesamtumfang von 79 Millionen Franken hätte sich das Schweizer Geschäft steigern können, wobei nur das Geschäftskundengeschäft höhere Erträge abwarf.

Einbruch in Asien

Auch in der internationalen Vermögensverwaltung haben Restrukturierungskosten im Umfang von 36 Millionen Franken auf das Ergebnis gedrückt. Der Vorsteuergewinn reduzierte sich um 3 Prozent auf 291 Millionen Franken.

Bei der Asien-Bank dagegen hat vor allem ein markanter Ertragsrückgang des Investmentbankings zu einem Gewinneinbruch geführt. Der Vorsteuergewinn reduzierte sich um 44 Prozent auf 147 Millionen Franken, was die Bank mit einem geringeren Aktienverkauf und tieferen Handelserträgen begründet. Die Credit Suisse kündet in diesem Zusammenhang an, dass sie die Ausgaben in diesem Segment der Asien-Bank bis Ende 2018 auf 1,2 Milliarden Franken senken wolle.

Starker Neugeldzufluss

Beim Neugeld und den Gesamtkosten meldet die Bank Fortschritte. So hat sich der Zufluss an neuen Geldern gegenüber dem Vorjahresquartal um 24 Prozent auf 12 Milliarden Franken erhöht. Mit 4,3 Milliarden Franken ohne Sonderkosten habe die Bank auch die tiefsten Quartalsausgaben erreicht, schreibt die CS.

Beim Ausblick auf das laufende Quartal zeigt sich die Bank vorsichtig. Man habe zwar eine weiterhin positive Entwicklung beim Neugeldzufluss festgestellt. Gleichzeitig hätten die diversen politischen Unsicherheiten die Kundschaft zurückhaltend gemacht, was eine Prognose über den weiteren Verlauf des Quartals schwierig mache.

(sda/ise/chb)

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