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Bilanz
Credit Suisse droht der höchste Verlust seit der Lehman-Pleite

Credit-Suisse-Sitz in Zürich: Der Grossbank weht ein eisiger Wind entgegen. Keystone

Die Schweizer Grossbank dürfte im zweiten Quartal einen Millionen-Verlust bekannt geben. Schuld ist die Mega-Busse im US-Steuerstreit. Doch das ist nicht die einzige Baustelle der Credit Suisse.

Von Dominic Benz
am 21.07.2014

Anleger und Analysten warten gespannt auf Dienstagmorgen. Dann präsentiert die Credit Suisse ihre Zahlen für das zweite Quartal. Schon jetzt ist sicher: Die Schweizer Grossbank wird ein happiges Minus bekannt geben müssen. Es dürfte sogar der höchste Quartalsverlust seit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 anstehen. 

Schuld ist die Mega-Busse von 2,5 Milliarden Franken, welche die US-Behörden im Mai der Credit Suisse wegen Beihilfe zu Steuerhinterziehung aufgebrummt haben. Analysten erwarten einen Quartalsverlust von rund 700 Millionen Franken. Da die zweitgrösste Schweizer Bank im US-Steuerstreit bereits Rückstellungen von knapp 900 Millionen Franken getätigt hat, wird die Busse das Ergebnis im zweiten Quartal noch mit gut 1,6 Milliarden Franken belasten. 

Druck auf Eigenkapital

Der Verlust schmerzt umso mehr, wenn man die vergangenen Zahlen des Geldhauses betrachtet. Noch im ersten Quartal des laufenden Jahres hat die Credit Suisse einen Gewinn von rund 860 Millionen Franken ausgewiesen. Für das erste Halbjahr rechnen die Analysten mit einem Gewinn von rund 200 Millionen Franken. In der Vorjahresperiode konnte die Bank noch ein Plus von 2,3 Milliarden Franken erwirtschaften. Zum Vergleich: Konkurrentin UBS dürfte laut Einschätzungen in der nächsten Woche einen Quartalsgewinn von über 800 Millionen Franken ausweisen.

Die Milliardenbusse im US-Steuerstreit wird nicht nur das Ergebnis der Credit Suisse verhageln. Auch die Eigenkapitaldecke dürfte deutlich belastet werden. Im ersten Quartal lag die Quote gemäss den Eigenmittelvorschriften «Basel III» noch bei 10 Prozent. Die Busse dürfte die Zahl um 0,7 auf 9,3 Prozent drücken. 

Aktionäre brauchen Geduld

Damit erhält die Credit Suisse auch Druck von Seiten der Aktionäre. Sie verlieren langsam die Geduld. Die Bank hatte angekündigt, beim Erreichen der Kernkapitalquote von zehn Prozent die Hälfte der Gewinne auszuschütten. Damit wird vorerst nichts. Um die Aktionäre nicht zu vergraulen, dürfte die Credit Suisse nun die Stärkung ihrer Kapitaldecke mit Vollgas vorantreiben.

Anzeichen solcher Bemühungen gab es schon in den vergangenen Wochen. So versucht die Bank ihre Bilanz zu straffen, indem sie wenig profitable Geschäfte abstösst. Anfang Juli gab die Credit Suisse etwa bekannt, dass sie in Italien das Vermögensverwaltungsgeschäft für wohlhabende Kunden verkauft.

Schwächelndes Investmentbanking

Trotz Vergangenheitsbewältigung wird dem Geldhaus weiterhin ein eisiger Wind entgegenwehen. Wie auch andere Banken, sieht sich die Credit Suisse mit einem widrigen Marktumfeld konfrontiert. Das Investmentbanking schwächelt und belastet die Ergebnisse.

Zum einen schmälern die verschärften Regularien nach dem Untergang von Lehman Brothers die Renditen. Zum anderen lahmen die Geschäfte im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren und Aktien. Schuld sind das stabil tiefe Zinsniveau und die geringen Kursschwankungen. So rechnen Analysten für  das zweite Quartal sowohl bei der Credit Suisse als auch bei der UBS mit erneut rückläufigen Erträgen. 

Unsicherheit bremst Neugeld-Zuflüsse

Um das schwächelnden Investmentbanking aufzufangen, baut die Credit Suisse ihre Vermögensverwaltung als zweites Standbein weiter aus. Analysten erwarten für das zweite Quartal im Vermögensverwaltungsgeschäft ein Anstieg der Neugelder und eine Ausweitung der verwalteten Vermögen. Dennoch: Die Unsicherheit über den Ausgang des US-Steuerstreits und das Schuldanerkenntnis der Bank dürften die Zuflüsse von Geldern gebremst haben. Zudem rechnen die Experten mit einer rückläufigeren Profitabilität.

Noch 2013 hat die Vermögensverwaltung ein Drittel zu den Erträgen der Credit Suisse von rund 26 Milliarden Franken beigetragen. Im zweiten Quartal dürften sich die Kapitalzuflüsse noch auf 6,3 Milliarden Franken belaufen, wie eine Bloomberg-Umfrage bei Analysten ergab.

Bitterer Nachgeschmack

Ein bitterer Nachgeschmack wird an der Vermögensverwaltung der Credit Suisse ohnehin haften bleiben: Die Milliardenbusse im US-Steuerstreit wird dieser Sparte belastet. So dürfte laut Schätzungen hier ein Vorsteuerverlust von rund 650 Millionen Franken anfallen.

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