Die Credit Suisse soll nach dem Willen von Konzernchef Brady Dougan noch schlanker und noch effizienter werden und gleichzeitig mit geringeren Risiken stabile Erträge liefern. Bis 2015 will die Bank ihre Kosten um 4 Milliarden Franken senken.

Inwieweit dies Stellen kostet, sagte Dougan am Donnerstag nicht. Dass die Sparpläne ohne Jobabbau nicht realisierbar sind, dementiert die Bank nicht. Seitdem die CS im Sommer 2011 auf die Bremse getreten ist, hat sie die Sparziele mehrfach erhöht. Damit einhergehend sank der Stellenbestand von 50'700 auf aktuell 48'400 Mitarbeiter.

Dougan machte aber deutlich, dass beispielsweise Dienstleistungen in billigere Länder verlagert werden könnten. Sparen will die CS auch, indem sie die teure Informatik umbaut oder indem sie mehr Lehrlinge und Studenten anstellt, die mit ihren Anfangsgehältern weniger kosten.

Im nächsten Jahr sollen die Kosten laut der neusten Ankündigung nun um 3 Milliarden Franken unter den vergleichbaren Kosten vom ersten Halbjahr 2011 liegen. 2014 und 2015 will die CS dann nochmals je eine halbe Milliarde einsparen.

Florierender Anleihenhandel

Die Sparwut hat einen Grund: Die Profite der Bank im Investmentbanking und in der Vermögensverwaltung für wohlhabende Privatkunden sinken. Wegen der Schuldenkrise holte die Investmentbank an den Finanzmärkten weniger Geld ein, während Privatkunden Angst vor Anlageverlusten haben.

Zumindest im dritten Quartal 2012 hat die Investmentbank aber wieder an Fahrt gewonnen. Die Sparte verdiente vor Steuern 508 Millionen Franken und übertraf das Ergebnis vom Vorquartal, das 383 Millionen Franken betragen hatte. Im Vorjahr hatte die Sparte einen Verlust von 720 Millionen Franken hinnehmen müssen.

Der Anleihenhandel florierte in den Monaten Juli bis September. Auch im Beratungsgeschäft verdienten die Investmentbanker mehr. Zudem hat die Bank erneut kräftig Risikopapiere aus den Büchern geworfen, mit dem Ziel, das schwankungsanfällige Geschäft stabiler zu machen. Dennoch dürfte der Spardruck die Investmentbank stark treffen, wie Dougan durchblicken liess.

Privatkunden wollen nicht investieren

Analysten zeigten sich erfreut über das Abschneiden der Investmentsparte, übten aber einige Kritik an der zweiten grossen CS-Division: Das Privatkundengeschäft kam nicht aus seinem Tief. Die Margen sind weiterhin unter Druck. Vor Steuern erreichte die Sparte einen Gewinn von 689 Millionen Franken.

Das ist schwächer als im Vorquartal, als die CS mit Privatkunden 775 Millionen Franken verdient hatte, aber immerhin mehr als im Vorjahr, als sie 207 Millionen Franken ausgewiesen hatte. Enttäuschend für die Analysten war jedoch vor allem der Netto-Neugeldzufluss der Privatkundensparte von 5,2 Milliarden Franken. Dies sei schlicht zu wenig, urteilten die Experten.

Zudem holt die CS Neugeld vor allem in den aufstrebenden Gesellschaftsschichten der Schwellenländer in Übersee herein. In Europa und Nordamerika spürt die Bank zusehends die Folgen der Konflikte um das Schweizer Bankgeheimnis.

Bilanzregel senkt Gewinn

Der Reingewinn des gesamten CS-Konzerns betrug im dritten Quartal nur 254 Millionen Franken, deutlich weniger als im Vorquartal, als die Bank 788 Millionen Franken verdient hatte und weniger auch als im Vorjahr, als das Resultat 683 Millionen Franken betragen hatte.

Einmal mehr verstellt aber eine Bilanzierungsregel den Blick: Weil sich die Kreditwürdigkeit der CS verbessert hat, fällt die Neubewertung der Schuldtitel negativ ins Gewicht. Dieser Effekt belastete die Bank im vergangenen Quartal mit über 1 Milliarde Franken. Um Sondereffekte bereinigt weist die CS 891 Millionen Franken Gewinn aus.

Die Börsianer bezeichneten die Ergebnisse der Bank daher als ordentlich. Die Aktie konnte das Plus vom Nachmittag, als das Papier vorübergehend bei über 2,8 Prozent lag, nicht verteidigen. Nach Börsenschluss lag die CS-Aktie nur noch 0,09 Prozent im Plus. Der Gesamtmarkt SMI schloss 0,31 Prozent im Minus.

(aho/jev/sda)

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