Die Grossbank Credit Suisse dürfte nach Ansicht von Verwaltungsratspräsident Urs Rohner noch «bis mindestens 2015» Nettoabflüsse von Vermögen aus Westeuropa erleben. Die Bank mache aber «gute Fortschritte» in der Regularisierung von unversteuerten Vermögen, wird Rohner in einem am Donnerstag publizierten Artikel der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (FAZ) zitiert.

Rohner zeigt sich gleichzeitig überzeugt, dass die Schweiz auch zukünftig einer der wichtigen Standorte für die internationale Vermögensverwaltung bleiben wird. «In zehn bis 15 Jahren wird sich die internationale Vermögensverwaltung auf einige grosse Standorte konzentrieren. Dazu gehören aller Voraussicht nach neben der Schweiz auch Singapur, Hongkong, New York oder Miami und London.»

Moderne Geldverwaltung angekündigt

Bezüglich der für systemrelevante Banken geforderten Aufspaltungspläne habe es die CS wegen der schon bestehenden Holdingstruktur leichter als andere Banken, sagte Rohner weiter. Die CS-Pläne beinhalten die Schaffung einer eigenen Schweizer Tochtergesellschaft im kommenden Jahr. «Die neue Einheit wird ein sehr eigenständiges, starkes Profil besitzen», versicherte Rohner. Wer die Einheit leiten könnte, wollte er nicht sagen.

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Im Hinblick auf den Vormarsch des Internets will sich die CS laut Rohner an der «Spitze moderner Geldverwaltung» etablieren, etwa auch über die Einrichtung zielgruppenorientierter «Social Communities», wie Rohner sagte. Weitere Chancen ortete er zudem in Fernost. «Gerade in Asien, wo wir kein eigenes Retail-Geschäft betreiben, bietet die digitale Welt viele neue Möglichkeiten.»

Neue Beratungsmodelle

Angesichts der vielen im Internet verfügbaren Informationen gewinne zudem die Beratung an Bedeutung: Kunden seien auch «bereit, für ausgezeichnete Beratungsdienstleistungen auch in Zukunft einen guten Preis zu zahlen», gab sich der CS-Präsident überzeugt.

Die Credit Suisse wird 2015 in der Schweiz ihr neues Beratungsmodell «Credit Suisse Invest» einführen, das sich nach Umfang und Intensität der vom Kunden gewünschten Beratung richten soll. Im Gegenzug zur Verrechnung der Beratung sollen Depot- und Transaktionsgebühren sinken. Laut CS kann dies für die Kunden preislich attraktiver werden.

Generell bestätigte der CS-Präsident, dass Änderungen in der Vermögensverwaltung klassischer Art zu erwarten seien. Beträgt die Mindestanforderung an die Kunden heute rund 500'000 Franken Finanzvermögen, so könne für ein ausgefeiltes Wealth Management «künftig bei gewissen Kunden eine Grössenordnung von zwei bis drei Millionen Franken sinnvoll sein, um eine individuelle Anlagestrategie mit entsprechender Umsetzung sicherzustellen», sagte Rohner.

(awp/lur)