Die Credit Suisse hat 2011 schwer mit den Problemen der Finanzmärkte zu kämpfen gehabt. So erlitt die zweitgrösste Schweizer Bank im letzten Quartal einen Reinverlust von überraschend hohen 637 Millionen Franken. Die meisten Analysten hatten einen Gewinn erwartet - manche sogar bis zu 600 Millionen Franken. Im vierten Quartal 2010 hatte die CS noch 841 Millionen Franken verdient.

Für das Gesamtjahr 2011 muss die Bank einen Gewinneinbruch von 62 Prozent auf 1,95 Milliarden Franken verkraften - nach 5,1 Milliarden Gewinn im Vorjahr.

Die Kosten für den Konzernumbau mit der Streichung von rund 3500 Stellen, der Rückzug aus Geschäftsfeldern und der Abbau von Risikopapieren kostete die Bank fast 1 Milliarde Franken, wie am Donnerstag bekannt wurde.

Neugelder flossen zu

Allerdings läuft wie bei vielen Konkurrenten der CS auch das Kerngeschäft schlecht. Das schwankungsanfällige Investmentbanking bescherte der Bank im vierten Quartal einen Verlust vor Steuern von 1,31 Milliarden Franken. Im Vorjahr war die Sparte mit 558 Millionen Franken Gewinn noch profitabel gewesen. Die Vermögensverwaltung für reiche Kunden, das Private Banking, brachte im vierten Quartal 467 Millionen Franken Vorsteuergewinn, etwa die Hälfte des Ergebnisses vom Vorjahr, wobei sich auch die Folgen des starken Frankens zeigten. Der Sparte gelang es aber, über das Jahr hinweg unter dem Strich 44,5 Milliarden Franken Neugelder anzuziehen.

Finanzchef David Mathers bezeichnte das Ergebnis des vierten Quartals während einer Telefonkonferenz als «sehr enttäuschend» und bezeichnete 2011 als «Übergangsjahr». Die Bank habe energisch Kosten und Risiken reduziert, aber auch die Zurückhaltung der Kunden und die Folgen der globalen Schuldenkrise gespürt. 2012 habe dafür relativ gut angefangen, sagte Mathers: Der Tritt auf die Kostenbremse wirke sich aus. Die Lage zeige einen «Trend zur Verbesserung».

Dividende gekürzt

Neben den aktuellen geschäftlichen Problemen steckt die CS auch im Steuerstreit mit Amerika in einer ungewissen Lage. Das Institut gehört zu elf Schweizer Banken, die derzeit im wieder eskalierenden Steuerkonflikt mit den USA im Visier der amerikanischen Behörden stehen. Für eine mögliche Strafzahlung an die US-Behörden hat die CS im dritten Quartal 295 Millionen Franken zurückgelegt. Ob die Bank diese Summe eventuell aufstocken muss, sagte Finanzchef Mathers nicht: «Wir schauen das permanent an», meinte er dazu.

Die Aktionäre erhalten 0,75 Franken Dividende, nach 1,30 Franken im Vorjahr. Zu spüren bekommen das schlechte Ergebnis auch die Mitarbeiter. Wie die CS ebenfalls bekanntgab, wird der Topf für variable Vergütungen um 41 Prozent geringer gefüllt sein als im Vorjahr. Die Konzernleitung erhält 57 Prozent weniger Boni.

(muv/chb/sda)

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