Die Credit Suisse hat heute damit überrascht, dass sie härtere Umbaumassnahmen publik machte. Der Geschäftsbericht ist erst für morgen angesetzt. Doch hat dieser Schritt Sinn: Bankenchef Tidjane Thiam zeigt, dass er notwendige Massnahmen aktiv angehen will. Druck übte das schwierige Marktumfeld aus, die Credit-Suisse-Aktie hat seit Anfang Jahr ein Drittel verloren.

Bei der Vorstellung der Quartalszahlen im Februar sei deutlich geworden, dass die Pläne angepasst werden müssten, sagte Thiam laut Mitteilung der Credit Suisse. «Heute präsentieren wir die Ergebnisse dieser Analysen.»

Umbau stark beschleunigt

Die Beschleunigung des Umbaus ist markant: Statt wie bisher geplant 3,5 Milliarden sollen 4,3 Milliarden Franken bis 2018 eingespart werden. Die Zahl der Jobs, die gestrichen werden, steigt um 50 Prozent: 6000 statt 4000 Arbeitsplätze sollen wegfallen. In der Schweiz sollen 1600 Jobs gekürzt werden, hiess es im Herbst. Eine neue Zahl gibt es von Seiten der CS nicht. Zur Verteilung des Abbaus sagt sie auf Nachfrage nur, dass vor allem die Standorte London und New York betroffen sein werden.

Bei den Anlegern kommen diese Massnahmen gut an: Der Credit-Suisse-Titel legt zum Start um 4 Prozent zu, bis zum Nachmittag liegt die Aktie noch gut 2 Prozent höher bei knapp 14.70 Franken.

Näher an der Marktrealität

Die positive Reaktion liegt daran, dass die Credit Suisse Versäumnisse aufgeholt hat. «Die angekündigten Massnahmen beinhalten vieles von dem, was bereits im Herbst erwartet worden wäre», schreibt die Zürcher Kantonalbank in einer Einschätzung. Die Grossbank sei nun näher an die raue Marktrealität herangerückt und könne vermutlich etwas Boden bei den Investoren gutmachen.

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Auch für Andreas Venditti von der Bank Vontobel kommt der Befreiungsschlag laut Nachrichtenagentur AWP zur richtigen Zeit. Mit der Redimensionierung der kapitalintensiven Investmentbank trage das Unternehmen der Kritik aus dem eigenen Aktionariat Rechnung, wird er zitiert.

UBS und CS kommen sich näher

Dieser Schritt wirft allerdings auch Fragen auf, denn damit rückt die Credit Suisse näher an die UBS: Die Credit Suisse setzt noch stärker als bisher auf die Vermögensverwaltung. Ein lukratives Geschäft, indem die UBS allerdings bisher doppelt so gross ist wie ihre Konkurrentin.

«Die Idee, das Investment Banking näher ans Wealth Management zu rücken, klingt in diesem Marktumfeld vernünftig», schreibt die ZKB. «Sie wirft aber die Frage auf, wie man sich künftig vom grossen Rivalen UBS differenzieren will.»  Letztendlich bleibe bei dieser Strategie der Eindruck einer Dauerbaustelle. Das Kursplus sei wahrscheinlich nicht nachhaltig. Es zeigt sich: Die Credit Suisse  hat bei den Investoren weiter offene Fragen zu beantworten.