Ein Deal der Credit Suisse (CS) mit dem ostafrikanischen Land Mosambik könnte die Bank und institutionelle Investoren teuer zu stehen kommen. Vergangenen Dienstag verpassten die Afrikaner, eine Tranche von 119 Millionen Dollar zurückzuzahlen, berichtete Bloomberg. Gemäss der Nachrichtenagentur liess Mosambik bereits vor einigen Wochen einen Zahlungtermin verstreichen.

Als 2013 kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den Bürgerkriegsgegnern, der regierenden Frelimo-Partei und der Renamo aufflammten, schlossen die Credit Suisse in London und die russische Bank VTB mit der Regierung von Mosambik mehrere Kreditgeschäfte im Umfang von über 2,2 Milliarden Dollar ab. Die CS verlieh den Afrikanern einen Kredit über 850 Millionen US-Dollar und reichte die Beteiligungen an institutionelle Investoren weiter. Damit wollte Mosambik eine Thunfischfangflotte aufbauen. Kurz darauf mussten die Investoren aber erleben, dass die Gelder nicht in die Firma zu flossen, sondern für Kriegsgeräte verschwendet wurden.

Rote Köpfe wegen zweitem Kredit

Doch der Thunfisch-Bond war nicht der einzige Deal: Während des ersten Anleihenverkaufes gewährte die Credit Suisse einer anderen staatlichen Firma, der Proindicus, ein zweites grosses Darlehen im Wert von 622 Millionen Dollar, um Schiffe für die Marine zu kaufen. 2014 erweiterte die CS die Kreditlinie auf 900 Millionen Dollar.

Von der zweiten Finanzspritze wussten die Anleger eigenen Angaben zufolge weitgehend nichts. Ihre Anlagen sind nun massiv weniger wert als erwartet. Investoren wie Marcus Boeckmann der Candriam Investors Group wollen laut dem «Wall Street Journal» von der Schweizer Grossbank wissen, warum man ihnen vom zweiten Deal nichts erzählte oder erst dann, als sie der Restrukturierung bereits zugestimmt hatten.

Staatsgarantie ohne gültigen Beschluss

Die Staatsgarantie Mosambiks für die Kredite waren vom Parlament des Landes zudem nicht abgesegnet. Im Dezember 2016 mussten die Hintermänner des Geschäfts, Ex-Präsident Armando Guebuza und Geheimdienstchef Antonio do Rosaria, gegenüber der parlamentarischen Untersuchungskommission eingestehen, dass die einzige Absicht für die Bonds darin bestand, das Land aufzurüsten.

Als diese Zweckentfremdung bekannt wurde, stellten die Schweiz und über ein Dutzend andere Länder die Budgethilfen ein. Im Oktober 2016 erklärte sich Mosambik schliesslich zahlungsunfähig.

Im Visier von Aufsichtsbehörden

Auch Aufsichtsbehörden interessieren sich für die Hintergründe des Deals: So haben die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma und die britische Aufsicht FCA Untersuchungen eingeleitet. Finma-Mediensprecher Tobias Lux: «Die Finma steht mit der Bank im Rahmen ihrer Aufsicht in dieser Sache in Kontakt.» Auch die US-Börsenaufsicht SEC soll sich inzwischen mit dem Deal beschäftigen.

Die Credit Suisse schweigt seit Bekanntwerden des Falls eisern. Das Finanzministerium des ostafrikanischen Landes erklärte, es stehe mit den Investoren in Verhandlungen.