Die Credit Suisse ist zum Jahresbeginn in den roten Zahlen stecken geblieben. Im ersten Quartal erlitt die zweitgrösste Schweizer Bank einen Reinverlust von 302 Millionen Franken. Im Vorjahr hatte die CS noch einen Reingewinn von 1,054 Milliarden Franken erzielt. Die Grossbank verbucht damit - wie bereits die UBS - den schlechtesten Jahresstart seit der Finanzkrise. Die staatlich gerettete UBS hatte im Vergleich jedoch einen Gewinn von 707 Millionen Franken eingefahren - über eine Milliarde mehr als ihr Konkurrent.

Der Verlust fiel bei der CS jedoch geringer aus als erwartet: Analysten hatten gemäss der Nachrichtenagentur AWP im Durchschnitt mit einem Reinverlust von 474 Millionen Franken gerechnet. Die Aktie stieg zu Beginn des Handels um 5,7 Prozent (Stand 9:40 Uhr). Die Titel lagen damit klar an der Spitze des Grosskonzernindex SMI. «Zwar waren im März und April erste Anzeichen einer vorläufigen Erholung der Aktivität zu erkennen, ungünstige Marktbedingungen und niedrige Kundenaktivität dürften jedoch auch im zweiten Quartal 2016 und möglicherweise darüber hinaus fortbestehen», warnte Konzernchef Tidjane Thiam in einer Miteilung.

«Situation an Märkten so schwierig wie selten zuvor»

Die CS hat damit nun zwei Quartale hintereinander Defizite eingefahren. Im Schlussquartal 2015 hatten Abschreiber, Restrukturierungskosten und Rechtsstreitigkeiten dem Geldhaus einen happigen Verlust von 5,8 Milliarden Franken eingebrockt.

Wie auch die UBS und die meisten anderen Konkurrenten litt die Credit Suisse Anfang Jahr unter einem schwierigen Umfeld. Die heftigen Schwankungen an den Börsen und der Rohstoffpreise haben vielen Anlegern die Lust auf Transaktionen verdorben. Dazu kommen die rekordtiefen Zinsen, die die Gewinne der Institute weiter drücken. «Im ersten Quartal 2016, insbesondere im Januar und Februar, war die Situation an den Märkten so schwierig wie selten zuvor», erklärte die Credit Suisse. «Volumen und Kundenaktivität verzeichneten einen drastischen Einbruch.»

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Abschreibungen belasteten

Bei der Credit Suisse kommen hausgemachte Ursachen hinzu: Der seit Mitte des vergangenen Jahres amtierende Thiam ist dabei, den Konzern stärker auf die Vermögensverwaltung für reiche Privatkunden auszurichten und das Investmentbanking zu stutzen. Abschreibungen auf notleidende Kredite und andere Bereiche des Anleihengeschäfts, aus denen das Institut ausstieg, sorgten für Zusatzbelastungen. Mit einem verschärften Sparprogramm will Thiam die Auswirkungen der Ertragsflaute abfedern.

Dass die CS im ersten Quartal also einen erneuten Verlust hinnehmen muss, ist keine Überraschung. Ende März hatte Konzernchef Thiam die Öffentlichkeit bereits vor «leicht» roten Zahlen gewarnt und gleichzeitig den Sparkurs verschärft. Bis Ende 2016 will die Bank weitere 2000 Stellen streichen, womit sich die Gesamtzahl der geplanten Stellenkürzungen von 4000 auf 6000 erhöht.

3500 Stellen bereits abgebaut

Davon seien bis 10. Mai bereits 3500 Stellen abgebaut worden, teilte die Credit Suisse in einem Communiqué mit. Das entspreche 58 Prozent der Zielsetzung. Ein guter Teil der Arbeitsplätze wird in der Investmentbanksparte Global Markets gestrichen. Hier wurden bis zum 10. Mai bereits über 1000 Stellen abgebaut.

Von den Sparten her konnte die Credit Suisse den Vorsteuergewinn nur in der internationalen Vermögensverwaltung steigern, während die Schweizer Universalbank stagnierte. Die Sparte Global Markets erlitt dagegen einen Vorsteuerverlust von 635 Millionen Franken nach einem Gewinn von 842 Millionen Franken vor einem Jahr.

Investmentbank in Verlustzone

Auch die Sparte Investment Banking and Capital Markets baute den Verlust von 47 Millionen im Vorjahr auf 103 Millionen Franken aus. Und die strategische Abwicklungseinheit vergrösserte ihr Defizit von 383 Millionen auf 724 Millionen Franken.

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Bei der Kapitaldecke hinkt Credit Suisse vielen Konkurrenten hinterher. Trotz einer milliardenschweren Kapitalerhöhung im vergangenen Herbst kommt die Bank immer noch nur auf eine Kernkapitalquote von 11,4 Prozent. Der Schweizer Erzrivale UBS kommt hier auf 14 Prozent. Mit einem für das kommende Jahr geplanten Teil-Börsengang des Schweiz-Geschäfts will Thiam die Bilanz weiter aufpolstern.

 

CS-Chef Thiam zu den Quartalszahlen:

 

Kernkapitalquote als Kursstütze

Analysten sahen jedoch die trotz des Verlustes bei 11,4 Prozent stabil gehaltene Kernkapitalquote als Highlight und damit auch hauptsächliche Kursstütze. Hier wirke sich der fortgesetzte Abbau der risikogewichteten Aktivitäten positiv aus, urteilte die Bank Vontobel.

Auf der anderen Seite mache der signifikante Ertragseinbruch um 30 Prozent Sorgen. Und der zurückhaltende Ausblick auf das laufende Quartal lasse weiteren Gegenwind erwarten, schrieb die UBS. Umso mehr sei es für die CS wichtig, die Kosten im Auge zu behalten, ist man sich am Markt einig.

Insgesamt zeige sich das CS-Management mit Blick nach vorne ungewohnt vorsichtig, schrieb die Bank Vontobel. CS-Chef Thiam habe bereits bei früherer Gelegenheit darauf hingewiesen, dass 2016 kein gutes Jahr werde. Nach dem schlechten Start werde 2016 nun tatsächlich ein sehr schlechtes Jahr, äusserte sich Vontobel.

(sda/awp/reuters/mbü/cfr/chb)