Haben die Zahlen der Credit Suisse Sie enttäuscht?
Rainer Skierka: Insgesamt nicht, denn ich hatte nichts Herausragendes erwartet. Aber zwei Elemente waren doch enttäuschend: Zum einen im Investmentbanking das festverzinsliche Handelsgeschäft, das einen Einbruch von 38 Prozent im vierten Quartal gezeigt hat. Da ist die CS deutlich schlechter als die amerikanischen Konkurrenten, die im Schnitt etwa 15 Prozent verloren haben. Zum anderen hat das Wealth Management enttäuscht: Der Neugeldzufluss ist im Quartal auf magere 2,9 Milliarden gesunken.

Wird der schrumpfende Neugeldzufluss mittelfristig zum Problem für die CS?
Das glaube ich weniger. Denn die Zuflüsse aus den Wachstumsmärkten waren vorhanden. Ihnen gegenüber standen bloss die Abflüsse in Westeuropa. Das hängt auch mit Abgeltungssteuer und Selbstdeklaration von Kunden zusammen, die erste Bussen oder Nachzahlungen leisten müssen. Ich gehe nicht davon aus, dass das ein Einbruch ist, sondern eine vorrübergehende Abschwächung, die nicht CS-spezifisch ist.

Bei der Kernkapitalquote liegt die CS immer noch hinter der UBS. 
Die CS liegt bei der Kernkapitalquote nach Basel III bei 8,1 Prozent, die UBS bei 9,8. Die CS hofft, Mitte 2013 auf 10 Prozent zu kommen. Das wäre ein grosser Sprung nach oben und weit vor dem Zeitplan der Finma. Im Moment ist das allerdings noch schwer zu beurteilen.

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Sehen Sie die CS in Sachen Restrukturierung auf Kurs?
Das kommt darauf an, was im Investmentbanking im Einzelnen läuft. Etwa bezüglich der Marktentwicklung, die ganz gut anfing. Da ist aber nun die Frage, ob das an gewissen Grenzen stösst oder nicht. Die Rahmenbedingungen sind nicht fantastisch auf der makroökonomischen und politischen Seite.

Gibt es etwas, das positiv heraussticht bei den Zahlen?
Die Marge im Privatbanking konnte bei 110 Basispunkten gehalten werden, im Gegensatz zur UBS, die 4 Prozentpunkte auf 85 Basispunkte verloren hat. Ausserdem bleibt die Dividende bei der CS unverändert bei 0,75 Franken pro Aktie. Auch wenn das erwartet wurde, ist es ein gutes Signal, gerade in Hinblick auf die Kapitalausstattung.

Wenn man sich die Grossbanken anschaut, was ist Ihre Empfehlung an die Anleger?
Basierend auf den Abschlüssen und der weiteren Perspektive bevorzuge ich zurzeit aufgrund der Turnaround-Fantasie die UBS und aufgrund der reinen Privatbanking-Ausrichtung Julius Bär. Bei der CS ist mir das Ganze noch zu Investmentbanking-lastig. Ich gehe davon aus, dass die Volatilität und Zyklizität der Erträge und Gewinne weiterhin relativ hoch bleiben wird.

Rainer G. Skierka ist Senior Analyst Buy-side Equity Research bei der der Bank Sarasin. 

Das sagen andere Analysten zu den CS-Zahlen: