Die USA wollen gegen Grossbanken vorgehen, die mit unlauteren Hypothekengeschäften die Finanz- und Wirtschaftskrise vor drei Jahren angeheizt haben sollen. Man habe gegen 17 Grossbanken Klage auf Schadenersatz in Milliardenhöhe eingereicht, so die US-Aufsichtsbehörde FHFA.

Von der Klage sind auch sieben ausländische Institute betroffen, darunter die Credit Suisse. Die US-Regierung wirft den Banken vor, im Vorfeld der Bankenkrise 2008 sogenannte Giftpapiere finanzschwacher Schuldner gebündelt und als Sicherheit an Investoren vermittelt zu haben.

Die Zahlungsausfälle der Schuldner hätten zum Wertverlust der Papiere beigetragen und unter anderem die grössten US-Baufinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac in Schieflage gebracht, erklärte die Behörde. Beide Banken machten in der Finanzkrise fast 30 Milliarden US-Dollar Verlust und mussten vom Staat gerettet werden.

Deutsche Bank: Wir werden uns zur Wehr setzen

Die Banken argumentieren, die Verluste der Baufinanzierer seien auf die allgemeine Wirtschaftskrise zurückzuführen gewesen. Ausserdem seien die beiden Institute ausreichend erfahren gewesen, um alle Risiken einschätzen zu können.

So wies auch die Bank of America in einer Erklärung jegliche Verantwortung zurück. Die Baufinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac hätten auf wirtschaftliche Faktoren als Ursache für die Verluste verwiesen, so unter anderem die hohe Arbeitslosigkeit, erklärte die Bank.

Auch die Deutsche Bank wehrte sich: Die Forderungen seien haltlos, sagte ein Sprecher. «Wir werden uns energisch dagegen zur Wehr setzen.» Ein Sprecher der Credit Suisse wollte auf Anfrage von AWP zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Stellung zur Klage nehmen.

Im Juli hatte die Aufsichtsbehörde FHFA bereits die Grossbank UBS wegen fragwürdiger Hypothekengeschäfte im Wert von 4,5 Milliarden US-Dollar verklagt.

Aufsichtsberhörde will offenbar Entschädigungen

Konsumentenschutzanwälte fordern seit Jahren, die Banken auf Schadenersatz zu verklagen. Ob es zu einem Prozess kommt, ist noch ungewiss. In den USA sind aussergerichtliche Verhandlungen über eine gütliche Einigung üblich.

Unter anderen sind die Bank of America, JP Morgan Chase, Goldman Sachs, HSBC, Credit Suisse, Deutsche Bank und Société Générale von den bei einem New Yorker Gericht eingereichten Klagen betroffen.

Am Schlimmsten trifft es bei der jetzigen Klagewelle die Bank of America, weil sie zu Zeiten der Finanzkrise die beiden grossen Marktteilnehmer Countrywide und Merrill Lynch geschluckt hatte. Hier lautet die im Raum stehende Gesamtsumme auf 57,5 Milliarden Dollar. Bei JPMorgan Chase geht es um Hypotheken-Deals über 33 Milliarden Dollar.

Anzeige

Laut der Zeitung «New York Times» vom Donnerstag will die FHFA die Grossbanken nicht zu einem Rückkauf der Ausfallpapiere zwingen, sondern Entschädigungszahlungen an Fannie Mae und Freddie Mac durchsetzen.

(tno/vst/awp)