Die Credit Suisse hat aus Sicht ihres neuen Chefs Tidjane Thiam in der Vergangenheit zu wenig investiert. Thiam betont deshalb, dass die neue Strategie nebst hohen Sparzielen auch Investitionen vorsieht, mit denen er die Grossbank auf den Wachstumskurs führen will.

«Die Credit Suisse soll wieder wachsen, das ist mein grosses Ziel», sagte Thiam in einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» vom Samstag. In der neuen Strategie seien nebst Einsparungen von 3,5 Milliarden Franken auch 1,5 Milliarden Franken Investitionen ins Geschäft geplant. «Eine Firmenorganisation, die nicht expandiert, hat keine Zukunft», sagte Thiam weiter. Als Abschreckungsbeispiel erwähnt er die englische Autoindustrie: «Jahrzehntelang haben sich deren Manager auf das Sparen konzentriert – mit der Folge, dass die Anbieter heute nicht mehr existieren.»

Investition in die Schweiz

Zu den Orten, an denen Thiam investieren will und sich Wachstum erhofft, gehört auch die Schweiz, in der allerdings zunächst 1600 Stellen in drei Jahren wegfallen sollen. «Die Credit Suisse hat in den vergangenen Jahren dem Heimmarkt zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt und hier zu wenig investiert», sagte er.

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Wachstumsmöglichkeiten sieht der französisch-ivorische Doppelbürger bei Geschäften mit KMU und bei wohlhabenden Anlegern. In diesem Zusammenhang sei auch der Börsengang der Schweizer Universalbank zu sehen. Dieser soll das Management zu Verbesserungen antreiben: «Eine kotierte Aktie stellt für das Management einen Anreiz dar.»

Sinkender Kurs kein negatives Zeichen

Thiam äusserte sich auch zum gesunkenen Aktienkurs nach der Präsentation der neuen Strategie und der Ankündigung einer Kapitalerhöhung. Das Absacken um 3,8 Prozent könne nicht so interpretiert werden, dass die Investoren die neue Strategie nicht goutierten. Wenn Gesellschaften vergleichbare Kapitalerhöhungen ankündigten, sinke der Kurs in der Regel um 8 bis 10 Prozent.

Thiam übernahm im Juni die CS-Führung von Brady Dougan. Am Mittwoch präsentierte er einen Totalumbau der Grossbank, die künftig dezentraler aufgestellt ist und damit weniger Kosten verursachen soll. Zudem wird das Vermögensverwaltungsgeschäft in den Schwellenländern ausgebaut; jenes in den USA dafür abgebaut. In der Investmentbank werden Stellen vom teuren London abgezogen.

Rohner: Abbau bei der IT

Im technischen und im administrativen Bereich und insbesondere in der IT werde es zwar zu Verlagerungen kommen, sagte auch Verwaltungsratspräsident Urs Rohner in der «Samstagsrundschau» von Radio SRF. Doch auf der anderen Seite werde es auch zu einem Aufbau kommen, insbesondere bei den Kundenberatern, damit die Wachstumsziele im Schweizer Markt erreicht werden.

«Die Stellenbeschriebe werden sich ändern, gute Leute wird es aber immer brauchen», sagte Rohner. Er ist der Ansicht, der Abbau könne über die natürliche Fluktuation erfolgen.

Auf der Suche nach «Gelegenheiten»

Rohner bekräftigte weiter, dass die CS in der Schweiz auch via Übernahmen zulegen will. «Wenn es Gelegenheiten gibt und es passt, werden wir zugreifen», sagte er.

Wenig begeistert ist der Präsident der zweitgrössten Schweizer Bank von den neuen Kapitalvorgaben, die der Bundesrat diese Woche vorgeschlagen hat. «Wir haben dem zugestimmt, aber es ist erheblich», sagte er. Die neuen Vorschriften seien zum Beispiel strenger als jene in Grossbritannien, wo Banken ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. «Grossomodo ist es aber machbar für uns», hielt er gleichzeitig fest.

(sda/ise)