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Credit Suisse setzt auf neuen Fintech-Guru

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Jacob Sisk: Das neue Fintech-Gesicht der Credit Suisse. ZVG

Seit dem Weggang von Koryphäe Sebastian Thrun ringt die Grossbank um den entscheidenden Schub für ihre Silicon-Valley-Pläne. Nun setzt die Bank auf einen Fintech-Guru der allerersten Stunde.

Von Sven Millischer
2017-08-16

Als «Nerd Extraordinaire» bezeichnete sich Jacob Sisk einst in einem Sachbuch über Technologie-Geeks, welche die Finanzmärkte an der Wall Street mit ihren Datenanalysen aufmischen. Das war 2009, kurz nach dem Börsentaumel. Inzwischen ist Sisk in den Teppichetagen der Finanzwelt angelangt.

Zuletzt arbeitete der studierte Mathematiker als Vizepräsident beim US-Kreditriesen Capital One. Dort kümmerte sich Daten-Chef Sisk um die Sicherheit von Kreditkarten und um reibungslose Zahlungsabläufe mit dem Plastikgeld. Davor war der zweifache Vater unter anderem für grosse Medien- und Internetkonzerne wie Yahoo, Walt Disney oder Thompson Reuters tätig. 

Tech-Koryphäe soll Silicon-Valley-Ambitionen retten

Seit kurzem ist Sisk der Chef des «Credit Suisse Labs» im Silicon Valley. Das bankeigene Fintech-Lab wurde bereits im letzten Jahr ins Leben gerufen, als Sebastian Thrun nach zwei Jahren den Verwaltungsrat der Schweizer Grossbank verliess. Thruns Abgang war ein herber Rückschlag für die Fintech-Ambitionen der Credit Suisse. Schliesslich galt der deutsche Robotik-Forscher als Innovations-Guru, hatte er doch beim Suchmaschinen-Riesen Google lange Jahre das X-Projekt geleitet.

Dort nahm Thrun mit seinen Mitstreitern die richtig grossen Menschheitsträume in Angriff. Der Doktor der Philosophie werkelte an einer Fabrik für Mondflüge, versuchte das menschliche Gehirn nachzubilden oder experimentierte mit der berühmt-berüchtigten Google-Brille. Um solch eine Tech-Koryphäe wie Thrun nicht gänzlich für die Grossbank zu verlieren, engagierte die CS ihn nach dessen VR-Exit unter anderem als «Senior Advisor» für die noch zugründenden Credit Suisse Labs im Silicon Valley.

Suche nach neuen Geschäftsmodellen

Dort gehe es darum, den Innovationsgedanken zu stärken und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, liess Thurn in einem bankeigenen Interview im 2016 verlauten: «Die Credit Suisse war schon immer eine progressive Bank. Sie möchte mit den Labs sicherstellen, dass sie bei der technologischen Entwicklung führend bleibt.» Dabei will Tech-Pionier Thrun im Lab vor allem die gewichtige Themen anpacken wie Cyber-Sicherheit, mobiles Banking, neue Kreditmodelle und neue Datenbanken für Finanztransaktionen wie Blockchain, wie er seinerzeit im «Bulletin» der CS ausführte.

Doch seit Thruns hehren Visionen im letzten Jahr war aus den kalifornischen Labs der ehemaligen Kreditanstalt nicht mehr viel zu hören. Im April trat Sisk seinen Job als CEO von Credit Suisse Labs an, lieferte bisher aber noch keine konkreten Ergebnisse. Sisk selber wollte sich gegenüber der «Handelszeitung» zu seiner neuen Rolle nicht äussern.

«Wir stehen noch am Anfang mit dem Lab»

Die Pressestelle der Credit Suisse lässt ausrichten: «Wir stehen noch am Anfang mit dem Lab und hoffen, zu einem späteren Zeitpunkt weitere Informationen liefern zu können.» Nur so viel: Jacob Sisk sei verantwortlich dafür, «skalierbare Lösungen für aktuelle und zukünftige technologische Herausforderungen der Bank» zu erarbeiten. Dabei kombiniere das Lab die «Silicon-Valley-Innovationskultur mit der globalen Finanzexpertise der Credit Suisse».

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