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Strategie
Credit-Suisse-Spitze will sich mit Bohli treffen

Credit Suisse in Oerlikon: Die Bank ist ein grosser Arbeitgeber in Zürich. Keystone

Anleger und Branchenbeobachter feiern das Quartalsergebnis der Credit Suisse. Die Spitzenbanker der CS bereiten sich derweil auf ein Treffen mit Spaltpilz Rudolf Bohli vor.

Veröffentlicht am 02.11.2017

Die Credit Suisse steigert die Profitabilität. Bankanalysten loben den jüngsten Zahlenkranz, die Fortschritte beim Sparprogramm und den optimistischen Ausblick. Die ZKB spricht von einem «guten Management», das Ergebnis der CS sei insgesamt sogar besser als dasjenige der UBS.

Auch Anleger feiern das Ergebnis. Die Aktie der Bank klettert in den ersten zwei Handelsstunden um bis zu 4 Prozent nach oben. Das ist Tagesbestwert im Swiss Market Index, dem Leitindex der Schweizer Börse. Die CS trumpft auch im Vergleich mit der UBS, deren Titel nur um 0,7 Prozent anzogen. Seit Januar 2016 stand die Credit Suisse noch nie besser da.

Bohli stört Börsenparty

Grund zum Feiern bei CEO Tidjane Thiam und Präsident Urs Rohner. Eigentlich. Irgendwie aber auch nicht. Rudolf Bohli vermiest die Party. Mit seinem Hedgefonds RBR hat er in den letzten Wochen massiv Druck aufgebaut auf die CS-Spitze. Die Medien waren seine Lautsprecher. Bohlis Botschaft: Er will die Aufspaltung der zweitgrössten Schweizer Bank in drei Teile.

Bohli hält lediglich ein Aktienpaket von rund 0,2 Prozent an der CS. Er will seinen Einsatz aber kräftig erhöhen. Dafür weibelt er allenorts um Geld, gemäss eigenen Aussagen ist er in Kontakt mit 150 Investoren, darunter Staatsfonds und reichen Privatpersonen. Sein Ziel: Aktien im Gegenwert von mindestens 1 Milliarde Franken aufkaufen.

CS-Spitze will Bohli treffen

Ein Zwischenziel hat er bereits erreicht. Die Spitze der Credit Suisse will sich mit dem aufmüpfigen Investoren treffen, wie CEO Tidjane Thiam heute bekannt gab. Das Treffen soll bereits nächste Woche stattfinden. Noch vor dem Investorentag, der für den 30. November geplant ist.

Bohli will keine personellen Änderungen. Die Credit-Suisse-Spitze habe bisher gute Arbeit geleistet und die Hausaufgaben gemacht, hat er wiederholt betont. Seine Forderungen sind aber radikal und widersprechen teilweise grundlegend der Strategie unter dem Duo Thiam-Rohner. Die grösste Priorität hat laut Bohli ein Börsengang der Investmentbank in New York. Man erinnere sich: Ein Börsengang der Schweiz-Tochter hat Thiam in letzter Minute abgeblasen.

Streitpunkt IPO

Und es besteht wenig Aussichten, dass Thiam sich einem Börsengang der Investmentbank öffnet. Die Credit Suisse biete den Kunden einen «integrierten Ansatz», der nur mit einer Investmentbank funktioniere, sagte er bei der Präsenation der Zahlen. «Sonst ist man lediglich ein Briefkasten.»

Der CS-Chef sagte, die Bank prüfe zwar alle Optionen und diskutiere gerne Vorschläge. Gleichzeitig bekräftigte Thiam: «Die Strategie funktioniert.»

Fokus auf den Heimmarkt

In einem Punkt sind Thiam und Bohli allerdings einige. Bohli fordert , dass sich die Credit Suisse sich auf den Heimatmarkt sowie auf reiche Privatkunden im Ausland konzentrieren soll. Dieses Konstrukt hat Bohli «SKA 2.0» getauft – in Anspielung auf den früheren Namen der Credit Suisse.

Diesen Ansatz verfolgt auch Thiam. Und der jüngste Zahlenkranz gibt beiden recht. Bei reichen Privatkunden sammelte das Institut im abgelaufenen Quartal insgesamt 10,4 Milliarden Franken ein und die verwalteten Vermögen erreichten mit 751 Milliarden Franken einen Rekordwert. Im Heimmarkt stieg der Vorsteuergewinn von 431 auf 448 Millionen Franken.

(ise/me)

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