Von wegen Kreditklemme: Die Autohandelskette Amag erhält von der Grossbank Credit Suisse und weiteren Instituten einen Konsortialkredit über rund 2 Mrd Fr. gesprochen. Das haben Recherchen der «Handelszeitung» ergeben. Das Volumen des gewährten Kredits ist, das wird in Bankkreisen bestätigt, aus Schweizer Sicht und im Sinne des klassischen Banking einzigartig. Es handle sich um einen der grössten Kredite, die je einer rein schweizerischen Firma zugesprochen worden seien.

Während die CS den Kredit mit Verweis auf das Bankkundengeheimnis nicht kommentiert, heisst es bei der Amag: «Es ist richtig, dass die Amag auf dem Markt nach Kapital Ausschau hält.»

«Eigenmittel nicht unnötig binden

Dass die Autohandelskette, die im vergangenen Jahr gemäss eigenen Angaben 4,2 Mrd Fr. Umsatz erzielte, einen Kredit in dieser Höhe bezieht, wirft Fragen auf. Will die Inhaberfamilie um Walter Haefner keine Mittel zur Verfügung stellen? Geht es gar um einen Teilausstieg der Amag-Besitzer? Oder macht etwa der Volkswagen-Konzern, für den Amag als Schweizer Generalimporteurin fungiert, Druck, um Amag zu Investitionen in bestehende Autohäuser zu bewegen? Gerade die VW-Premiummarke Audi legt grossen Wert auf hochmoderne Schauräume, in denen die Händler die Fahrzeuge den Kunden präsentieren.

Amag-Sprecher Dino Graf schreibt dazu: «Amag hält auf dem Markt nach Kapital Ausschau, um im sehr gut gehenden Leasinggeschäft nicht unnötig Eigenmittel zu binden.» Alle bisherigen, laufenden und anstehenden Investitionen in die Liegenschaften würden wie bisher aus Eigenmitteln finanziert. «Das ist ein normaler Prozess», so Graf. Dass VW Druck auf seine Schweizer Generalimporteurin ausübt, damit diese in die Schauräume investiert, dementiert Graf. «Im Gegenteil: Bei vielen Gelegenheiten durften wir feststellen, dass das Verhältnis mit den VW-Verantwortlichen sehr gut ist», betont der Amag-Sprecher. VW-Sprecher Peik von Bestenbostel nimmt keine Stellung.

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CS: Leicht höhere Kreditvolumen

Profitieren Unternehmen wie Amag bei ihren Kreditgebern vom Bonus, dass eine vermögende Familie hinter dem Unternehmen steht? Oder anders gefragt: Leiden Firmen ohne starke Besitzer unter erschwerten Kreditvergaben?

Zumindest scheint das bei der Credit Suisse nicht der Fall zu sein. Barend Fruithof, Leiter des Firmenkundengeschäfts der Credit Suisse in der Schweiz, betont, dass «in der Summe die Kreditvolumen bei der Credit Suisse im 1. Halbjahr 2009 leicht gestiegen sind». Dass die Nachfrage nicht explodiert sei, hänge auch damit zusammen, dass viele Unternehmen mit ihren Investitionen zuwarten würden. Zudem stünden Firmen auch andere Wege für die Finanzierung offen. «Vor allem börsenkotierte Unternehmen - aber auch Firmen, die die Gunst der Stunde nutzen - nehmen derzeit Geld über den Anleihenmarkt auf», so Fruithof. Die Marktbedingungen seien in den vergangenen Monaten günstig gewesen. Von einer Kreditklemme könne daher keine Rede sein: «Im Kreditmarkt gibt es genügend starke Anbieter.»

In welchen Schweizer Wirtschafszweigen die Kreditnachfrage besonders hoch war, kann Fruithof nicht abschliessend sagen. «Während in exportorientierten Branchen wie der Textil- und der Autozuliefererindustrie mehr Überbrückungskredite nachgefragt werden, prüfen binnenorientierte Branchen vermehrt Arrondierungszukäufe oder sonstige Investitionen», sagt Fruithof. Die Credit Suisse sei vor allem bei Überbrückungskrediten vorsichtig, prüfe den Businessplan sowie die Finanzlage genau. In der Summe sei die Situation in der Schweiz zwar etwas angespannter, aber nach wie vor gesund. «Die Kreditrückstellungen waren bisher immer noch auf tiefem Niveau.» Das zeige, dass alle aus der Krise der 90er-Jahre gelernt hätten.