Die UBS und der Millionenverzicht von Marcel Ospel und weiteren Bankspitzen beherrschen derzeit zwar die Schlagzeilen. Um Konkurrentin Credit Suisse (CS) ist es aber auch nicht mehr so ruhig wie noch vor wenigen Wochen. Ihr Aktienkurs ist – trotz kurzfristiger Erholung – auf einem Tiefstand. Mehr und mehr fragen sich Experten und Marktbeobachter, wie gut die Bank in Tat und Wahrheit dasteht und ob sie die Krise ohne Beteiligung der Eidgenossenschaft meistern kann.

Schwieriges laufendes Quartal

«Das 4. Quartal ist für die Credit Suisse in verschiedenen Geschäftsbereichen sehr herausfordernd», sagt etwa ZKB-Analyst Andreas Venditti. Im Gegensatz zur UBS hat die CS ihre Problempapiere nicht aus der Bilanz ausgelagert. Besonders bei den Geschäftsimmobilien sind die relevanten Indizes für die entsprechenden Anleihen (Commercial Mortage-backed Securities, kurz CMBS) noch einmal stark gefallen, was auf weiteren Abschreibungsbedarf hindeutet. Hinzu kommen laut Venditti Probleme beim Eigenhandel, etwa bei den Wandelanleihen (Convertible Arbitrage). Für das 3. Quartal 2008 hatte die CS in diesem Bereich einen Verlust von 706 Mio Fr. ausweisen müssen. Sollte die Bank ihr Engagement nicht abgebaut haben, könnten im 4. Quartal weitere Verluste folgen.

Allerdings sprechen einige Punkte auch für die CS. So gehören die Anleihen im Umfang von 6,8 Mrd Dollar auf Wohnimmobilien, welche die CS am Ende des 3. Quartals noch in den Büchern hatte, nur zu weniger als einem Drittel dem giftigen Subprime-Segment an. Und zwar ist es richtig, dass die CS stark im Geschäftsimmobilienmarkt engagiert ist. Investiert ist die CS zu drei Vierteln in Büroliegenschaften, Detailhandelsflächen und Hotels, davon jeweils knapp 30% in den USA und in Deutschland. Doch sind diese Schuldner verlässlicher als jene im Markt für Wohnimmobilien. Die CS selber hat darauf hingewiesen, dass es bei Geschäftsliegenschaften viel einfacher ist, den Überblick zu behalten, denn es geht nicht um Tausende von Wohnliegenschaften in gesichtslosen Peripherien, die zu undurchsichtigen Konditionen finanziert wurden, sondern um grosse Liegenschaften von zumeist guten Schuldnern.

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Welche Folgen hat die Rezession?

Die gute Nachricht lautet darum, dass die CS auf den Geschäftsliegenschafts-Positionen bisher relativ kleine Abschreiber vornehmen musste. Die schlechte Nachricht allerdings ist, dass dies für die Zukunft noch einigen Raum nach unten offen lässt. Denn inzwischen stellt sich nicht nur die Frage, wann der Markt für Anleihen wieder in Gang kommt, damit die CS ihre Papiere loswerden kann. Offen ist auch, wie negativ sich die Rezession auf den Wert der den Anleihen zugrundeliegenden Liegenschaften auswirkt.

Mit Fragezeichen versehen die Analysten eine weitere Strategie der CS: Den Umbau von Teilen des Investment Banking angesichts der Krise. «Das Marktumfeld für das Investment Banking ist schwierig, besonders der Oktober war geprägt von hohen Handelsverlusten. Und unser Ausblick ist weiterhin verhalten», sagt UBS-Analyst Sacha Holderegger. Ein unterbeschäftigtes Investment Banking drückt aber schmerzlich auf die Marge, weil die Kosten sehr hoch sind.

CS-Sprecher Marc Dosch verteidigt auf Anfrage die Strategie im Investment Banking: «Wir investieren in Bereiche, in denen wir Wachstum erwarten.» Und er weist auf die erzielten Kostensenkungen hin: Seit Herbst 2007 seien im Investment Banking 10% der Stellen gestrichen worden.

Geiger: «Unabhängig bleiben»

Wie es auch immer kommt: Kurzfristig wird der Bank ihre hohe Eigenkapitalquote helfen. Mitte Oktober hatte sie bekannt gegeben, sie wolle die entsprechenden Anforderungen der EBK sofort erfüllen, und nicht erst 2013.

Wie es aber längerfristig weitergehen könnte, wenn die aufgenommenen 10 Mrd Fr. nicht genügen, wagt angesichts der turbulenten Zeiten niemand mehr vorauszusagen. Reicht das Geld nicht, wäre eine weitere Kapitalerhöhung nötig. Nach Ansicht des Bankenexperten und Ex-CS-Managers Hans Geiger sollte die Bank auch für eine allfällige zweite Tranche nicht die Hilfe des Staates in Anspruch nehmen. «Die Credit Suisse bleibt freier, wenn der Staat nicht beteiligt ist», betont Geiger. Doch nicht nur das: Würde der Bund nach der UBS auch die CS stützen, wären die Konditionen nach Meinung Geigers klarer – und wohl auch härter. Kein Politiker will sich heute dem Vorwurf aussetzen, er werfe den Bankern Geld nach, ohne klare Bedingungen etwa bei den Boni gestellt zu haben.

Die Frage ist, wo die CS in einem Notfall private Gelder auftreiben könnte. Beruhigend ist wenigstens, dass der Bund immer klar gemacht hat, dass er auch die zweite Schweizer Grossbank unter seinen schützenden Mantel nehmen würde.