Der Würgegriff einheimischer Banken, in dem sich der saudi-arabische Markt für Börsengänge befindet, könnte sich bald lockern. Ab Juni sollen auch Ausländer «von Fall zu Fall» die Erlaubnis erhalten, bei IPOs in dem Königreich zu investieren, teilte Mohammed Al Jadaan, Leiter der saudischen Kapitalmarktbehörde, mit.

Die Lockerung ist Teil der Planungen, den Aktienmarkt des Landes mit einem Volumen von 560 Milliarden Dollar für ausländische Investments zu öffnen. Global aufgestellte Banken sehen die neuen Vorschriften als Chance, mehr IPO-Mandate zu gewinnen, indem sie saudischen Unternehmen Zugang zu einer breiteren Investorenbasis bieten.

«Chancen werden zunehmen»

In der Vergangenheit richteten sich die Unternehmen hauptsächlich an einheimische Privatanleger, die Orders wurden online oder über Bankfilialen abgewickelt. Dadurch waren lokale Institute mit grossem Retailnetz wie Banque Saudi Fransi oder Samba Capital im Vorteil.

«IPOs sind im Moment zum grossen Teil ein lokales Produkt, und viele internationale Banken hatten es schwer, hier bedeutende Erfolge zu erzielen», sagte Rayan Fayez von JP Morgan Chase & Co. in einem Interview in Riad. «Aber die Chancen für internationale Banken, auf der Origination-Seite eine viel grössere Rolle zu spielen, werden zunehmen.»

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Kultur niedriger Gebühren

Saudi-Arabien hat den grössten Aktienmarkt und die aktivste IPO-Branche im Nahen Osten. Diese hat seit 2010 fast zehn Milliarden Dollar eingesammelt, verglichen mit nur 5,5 Milliarden Dollar in den Vereinigten Arabischen Emiraten, wie von Bloomberg zusammengestellte Daten zeigen. Die National Commercial Bank begab 2014 Aktien für 6 Milliarden Dollar - es war das weltweit zweitgrösste IPO im letzten Jahr nach Alibaba Group Holding Ltd.

Die neue Entwicklung bietet zwar Chancen, aber das grössere Hindernis ist die Kultur niedriger Gebühren.

Nur rund 0,1 Prozent 

Banken und Berater, die am Börsengang der National Commercial Bank mitgewirkt hatten, verdienten damit rund 6,7 Millionen Dollar - nur rund 0,1 Prozent vom Emissionsvolumen. Credit Suisse Group AG und Morgan Stanley dagegen nahmen beim Alibaba-IPO rund 1,2 Prozent ein.

«Global aufgestellte Banken in Saudi-Arabien bemühen sich schon seit Langem um IPOs, aber nicht immer mit Erfolg», sagte Jamal Al Kishi, CEO von Deutsche Securities Saudi Arabia in Riad. «Das liegt zum Teil auch daran, dass die Honorare nicht immer attraktiv sind.»

Vermögen für die Bevölkerung

Saudische Aktien werden normalerweise zu einem Nominalpreis angeboten und nicht nach Nachfrage bepreist. Die Regierung gibt auf diese Weise Vermögen an die Bevölkerung weiter. So wurden die Aktien der National Commercial Bank zu 45 Riyal begeben und stiegen am Tag der Erstnotiz am 11. November innerhalb von vier Stunden um 45 Prozent.

HSBC Holdings Plc hat einige Vorstösse auf den saudischen IPO-Markt unternommen. Die Bank ist seit 2010 der zweitgrösste Arrangeur von Börsengängen im Land und das einzige internationale Institut im Königreich, das in dieser Zeit überhaupt auf der Liste der zehn grössten Arrangeure stand. Dazu trägt bei, dass HSBC ein Joint Venture mit der Saudi British Bank betreibt.

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Credit Suisse will profitieren

Morgan Stanley und Bank of America Corp. stehen vor dem ersten Zuschlag für einen Börsengang in Saudi-Arabien seit 2008, der von einer US-Bank begleitet wird. Beide Banken würden wohl bald mit der Begleitung des Börsengangs der Einkaufszentrensparte von Fawaz Alhokair betraut, sagte Muhanad Awad, CEO von FAS Capital, der Finanztochter des Unternehmens, im Februar zu Bloomberg.

«In den letzten Jahren haben internationale Banken angefangen, aggressiver zu pitchen», sagte Abdulaziz Bin Hassan, CEO von Credit Suisse Saudi Arabia, in einem Interview in Riad. «Wenn Ausländern erlaubt wird, sich als Ankerinvestoren zu beteiligen, dann kommt das den Stärken der internationalen Banken entgegen, und wir hoffen, dann auch davon zu profitieren.»

(bloomberg/tno)