Der Fisch stinkt vom Kopf, lautet ein Aphorismus, der in Management-Kursen und bei Kaffeeküche-Lästereien über den Chef inflationär verwendet wird. Auch im Zusammenhang mit der Credit Suisse wurde der Spruch wiederholt bemüht. Tidjane Thiam tat nach seinem Antritt denn auch genau das, was man von ihm erwartet hatte. Er schlug den Kopf ab und strukturierte die Führung der Grossbank radikal um.

Irgendwie scheint er damit aber keinen Erfolg zu haben. Der Grund: Der Spruch, der auf den ersten Blick passend erscheint, trifft bei der CS nicht zu. Die Bank ist – wie viele Konzerne – ein Fisch mit zwei Köpfen. Und einer von denen ist immer noch da und stinkt weiter: der Verwaltungsrat.

Rohner unter Druck

Ein Beispiel: Der Mann, der für einen der grössten Fehlentscheide der Bank mitverantwortlich ist, leitet ausgerechnet das Risiko-Komitee. Richard Thornburgh hatte im Jahr 2000 den Kauf der Investmentbank DLJ als Investition in die Zukunft angepriesen – und hätte falscher nicht liegen können. Wie Thornburgh gelten auch Vizepräsidentin Noreen Doyle und Audit-Committee-Vorsteher John Tiner als Vertraute von Ex-Chef Brady Dougan.

Gute Voraussetzungen für einen Neustart der Bank sehen anders aus. Präsident Rohner steht unter Druck. Als langjähriges Mitglied von Geschäftsleitung und VR verantwortet er die Krise mit. Er muss schaffen, was Thiam mit der Geschäftsleitung gelang, und ein Umdenken im Verwaltungsrat anstossen. Versagt Rohner, verfault der Kopf – und mit ihm der ganze Fisch Credit Suisse.

 

 

Anzeige