Zwei Jahre Wemakeit – wie sind Sie mit dem Erreichten zufrieden?
Johannes Gees: Wir sind sehr zufrieden. Vor zwei Jahren starteten wir mit dem Ziel innert vier Jahren selbsttragend zu sein. Wir haben seither viele Partner gefunden und die Akzeptanz und Bekanntheit von Crowdfunding in der Bevölkerung ist stark gestiegen.

Bis zur Selbstfinanzierung dauert es aber noch eine Weile...
Für den Aufbau des Angebots haben wir Fördergelder erhalten. Zudem bekommen wir für jedes erfolgreiche Projekt eine Kommission von 6 Prozent. So steigen auch unsere Einnahmen mit zunehmender Grösse. Inzwischen können wir uns zu 30 bis 40 Prozent selbst finanzieren.

Dennoch: Bis zur Gewinnzone ist es noch weit. Warum?
Für ein Startup sind wir schon weit gekommen. Dazu muss man beachten, dass wir als kleines Unternehmen in einer relativ unbekannten Branche vor einer zweifachen Herausforderung standen – neue Firma mit neuem Konzept. Das verstehen nicht alle sofort. Insgesamt sind wir auf Kurs, so wie wir es geplant hatten.

Ist die Schweiz als Markt nicht einfach zu klein für eine Crowdfunding-Plattform?
Überhaupt nicht. Die bekannten Riesenprojekte aus den USA vermitteln ein schiefes Bild. Dabei sind die allermeisten Crowdfunding-Projekte klein. 50 bis 100 Leute finanzieren ein Projekt von weniger als 10’000 Dollar. In diesem Bereich ist das Potenzial auch in der Schweiz sehr gross. Im letzten Jahr sind wir zudem nach Deutschland expandiert, wo wir inzwischen etwa 10 Prozent unseres Umsatzes machen.

Sie wollen im dritten Jahr um 100 Prozent wachsen. Ist das überhaupt realistisch?
Crowdfunding-Plattformen sind weltweit auf dem Vormarsch. Wir glauben, dass Crowdfunding die Wirtschaft auf den Kopf stellen wird. Es wird auf die Wirtschaft eine ähnliche Auswirkung haben, wie Social Media auf die Medien und den Journalismus, denn es verkörpert den Wandel zur «sharing economy». Das Ziel ist sicher machbar. Im ersten Jahr haben wir 1 Million Franken generiert und im zweiten Jahr bereits 2,5 Millionen. Wir sehen quasi eine natürliche Beschleunigung des Wachstums, je grösser unsere Community wird. Am Anfang mussten die Projektinitianten ihre Crowd selber mitbringen, doch inzwischen gibt es eine wachsende Anzahl von Leuten in unserer Community, die bereits mehrere Projekte unterstützt haben.

Auf welche Projekte aus den letzten zwei Jahren sind Sie besonders stolz?
Wir hatten viele tolle Projekte. Ein Meilenstein war sicher «The bianca Story» wo wir zum ersten Mal 100’000 Franken für ein einzelnes Projekt zusammengebracht haben. Sehr wichtig ist uns auch die grosse Akzeptanz für Crowdfunding in der Romandie. Dies ist übrigens eines der ersten Interviews mit einer Deutschschweizer Wirtschaftszeitung. In der Romandie werden wir dagegen schon lange stärker wahrgenommen, auch von den Medien.

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