Die Credit Suisse hat im dritten Quartal einen Reingewinn von 254 Millionen Franken erzielt. Das ist deutlich weniger als im Vorquartal, als die zweitgrösste Schweizer Bank unter dem Strich 788 Millionen Franken verdient hatte. 

Damit liegt das Ergebnis der Bank über den Analystenprognosen, die im Schnitt laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur AWP von einem Gewinn von 230 Millionen Franken ausgegangen waren.

Auch im Vorjahr hatte das Ergebnis mit 683 Millionen Franken deutlich höher gelegen, wie die publizierten Zahlen deutlich machen. Der Rückgang ist einmal mehr auf die Bilanzierungsregel zurückzuführen, wonach sich eine verbesserte Kreditwürdigkeit des Unternehmens in einem Verlust in der Rechnung niederschlägt. Diese Neubewertung der eigenen Verbindlichkeiten drückt das Ergebnis der Bank um über eine Milliarde. Im Kerngeschäft lief das dritte Quartal für die Bank besser, als die Zahlen auf den ersten Blick glauben machen.

Das Investmentbanking konnte im Handel mit Anleihen und anderen Wertpapieren zulegen und verbesserte auch ihr Resultat mit der Beratung der Kunden. Gleichzeitig warf die CS wie schon in den Vorquartalen weitere Risikopapiere aus den Büchern, um den Konzern für schärfere Kapitalisierungsregeln fit zu machen. 

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Aktienkurs steigt

Konzernchef Brady Dougan sieht sich denn auch in Sachen Strategie auf Kurs: «Wir setzen die strategischen Massnahmen, die wir letztes Jahr eingeleitet haben, erfolgreich um und verfügen über ein solides Kundengeschäft. Unser Geschäft haben wir neu ausgerichtet, um den neuen regulatorischen Anforderungen und dem veränderten Marktumfeld besser gerecht zu werden.» 

Darüber hinaus seien die Risiken laut Dougan deutlich reduziert worden, gleichzeitig habe man die Kosten gesenkt und die Effizienz verbessert. Ausserdem sei die Kapitalbasis weiter gestärkt und die Bilanzstruktur verbessert worden.

Die Aktie der Credit Suisse gewann im frühen Handel an Wert. Nach einem kurzen Taucher beim Handelsstart stieg der Kurs kurz daraufhin. Um kurz nach 10 Uhr lag der Titel 1,88 Prozent im Plus bei 21.73 Franken.

Ohne den Bilanzierungseffekt sei das Resultat ordentlich, schrieb ein Analyst. Den Experten gefällt vor allem die Entwicklung des Wertpapierhandels im Investmentbanking. 

Die Investmentsparte verdiente vor Steuern 508 Millionen Franken und verbesserte sich gegenüber dem Vorquartal deutlich. Im dritten Quartal 2011 hatte das schwankungsanfällige Geschäft an den Finanzmärkten der CS einen Verlust von 720 Millionen Franken eingebrock.

Keine Zahlen zum Stellenabbau

Die Vermögensverwaltung für reiche Kunden weltweit verbuchte vor Steuern einen Gewinn von 689 Millionen Franken. Das ist weniger als im zweiten Quartal mit 775 Millionen Franken, liegt aber deutlich über dem Ergebnis des Vorjahresquartals mit 207 Millionen Franken. Der Gesamtkonzern nahm insgesamt 5,3 Milliarden Franken an Neugeldern entgegen. Analysten bemängelten dies als zu wenig.

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Um Kosten zu sparen wird die Credit Suisse derweil weiter Stellen abbauen. Die Bank sagt aber nicht, in welchem Umfang: «Ich gebe keine absoluten Mitarbeiterzahlen bekannt», sagte Finanzchef David Mathers während einer Telefonkonferenz. 

Die Bank will im nächsten Jahr das Sparziel von 3 Milliarden Franken übertreffen und schnürt für 2014 und 2015 ein neues Kostensenkungspaket von einer halben Milliarde Franken. Als Teil des Kostensenkungsprogramms würden Stellen verloren gehen, sagte der Finanzchef.

CS prüft Verkauf des ETF-Geschäfts

Ende 2010 hatte die CS noch über 50'000 Mitarbeiter gezählt. Im vergangenen Jahr kündigte die Bank zum ersten Mal seit der Finanzkrise 2007/08 den Abbau von mehreren tausend Stellen an. Im dritten Quartal 2012 hatte die Bank nach eigenen Angaben noch 48'400 Mitarbeiter.

Um an Geld zu kommen, will die Bank aber auch Teile ihres Geschäfts verkaufen. Die CS-Sparte für börsennotierte Fonds (Exchange Traded Funds, ETF) könnte bald einen neuen Besitzer finden. Die CS bestätigte im Rahmen ihrer Zahlenpräsentation für das dritte Quartal, dass sie einen Verkauf des Bereichs «prüfe». 

Schon vor der Präsentation hatte es Medienspekulationen gegeben, die CS verkaufe das ETF-Geschäft. Dieses dürfte der Bank Milliarden einbringen, sollte sich denn ein Käufer finden.

(muv/tke/tno/sda/awp)