Die Credit Suisse hat Ende März bekannt gegeben, dass man mit der Federal Housing Finance Agency (FHFA) einen Vergleich geschlossen habe. Für viele Beobachter kam dieser Schritt überraschend, hat die Bank doch bislang immer behauptet, bei Deals mit Ramschhypotheken weigehend fehlerlos agiert zu haben.

Kurz vorher berichtete die «New York Times» von neuen Beweismitteln in einem anderen Gerichtsstreit zum selben Thema zwischen der «Cambridge Place Investment Management» und der Schweizer Grossbank, in der es um 1,8 Milliarden Dollar geht.

Die neuen Dokumente enthalten E-Mails, in denen sich CS-Mitarbeiter über krasse Mängel im Prüfverfahren der Hypotheken äussern. Einer etwa meinte, die Due Diligence sei ein aboluter Witz gewesen. Auch wurden in den E-Mails Klagen laut, man werde von den Chefs zum Durchwinken fauler Hypotheken geradezu genötigt (siehe Downloads).

Die Schreiner blasen zum Angriff

Diese Akten hat nun auch die Krankenkasse von New Jerseys Schreinern, der «New Jersey Carpenters Health Fund» für sich entdeckt. Sie will sie gegen die Credit Suisse ins Feld führen – man liegt sich seit über fünf Jahren in den Haaren. Auch hier geht es um Investments in Ramschhypotheken vor der Finanzkrise.

Anzeige

Die Anwälte der Kasse werfen der CS und anderen Instituten vor, sie um über 2,3 Milliarden Dollar gebracht zu haben.

Interne Revisionsberichte offengelegt

Die Anwälte der Krankenkasse legten neben den E-Mails auch CS-interne Revisionsberichte von 2004 vor. Und die haben es in sich: Dort werden Mängel nicht nur im Hypotheken-Prüfungsprozess aufgezeigt, sondern etwa auch in der IT-Sicherheit (siehe Prüfberichte 2004 unter Downloads).

Traurige Informatik

So waren etwa wichtige Computerstationen ohne Antivrenschutzprogramm ausgerüstet. Mitarbeiter an der Verkäuferfront hatten auf Dateien Schreibrechte, obwohl es ihnen nicht zustand - mit anderen Worten: Sie hätten in dieser Zeit die Möglichkeit gehabt, Finanzdaten für die Hypothekenvergabe eigenwillig zu verändern, ohne dass dies hätte bemerkt werden können. Die Prüfer stellten zudem fest, dass bei diversen Systemen keine Anti-Hacker-Tests durchgeführt wurden (Information Security Assessment). Zudem entsprach die Passwortvergabe nicht den eignenen Richtlinien, ebenso war die Datensicherung aus Sicht der Prüfer mangelhaft.

Diese Audits bekamen sowohl der heutige CS-CEO Brady Dougan (damals Chef Investment Banking USA und damit auch Chef jener Hypotheken-Abteilung), wie auch der heutige VR-Präsident Urs Rohner (damals CS-Chefjurist) in einer Zusammenfassung zu Gesicht.

Die Anwälte der Krankenkasse monieren nun darüber hinaus, die Bank habe nicht wie gefordert alle Dokumente geliefert – eben jene nicht, die im anderen Fall zutage traten und die E-Mails erst publik machten.

CS-Anwälte halten dagegen

Die Anwälte der Credit Suisse wehren sich in einem am Donnerstag beim Gericht eingereichten Brief gegen weitere Beweisaufnahmen und monieren, die zwei Klagen seien grundsätzlich verschieden. Das Gericht hat bisher über das Begehren der Kläger noch nicht entschieden.

Die Credit Suisse will den Fall nicht kommentieren.