Während der US-Steuerstreit einen langen und bedrohlichen Schatten über die Credit Suisse (CS) wirft, treffen sich deren Eigentümer am heutigen Freitag zur Generalversammlung (GV) in Zürich. Wie in den Vorjahren werden aber auch die Saläre der Chefs zu reden geben.

Der Streit der Bank mit amerikanischen Steuer- und Justizinstanzen um nicht deklarierte Gelder hat in den vergangenen Tagen zu wilden Spekulationen geführt. Milliardenbeträge wurden umher geboten, welche die Bank möglicherweise als Busse zahlen muss.

10'000 Stellen gefährdet

Ein Lizenzentzug der US-Behörden weckte ebenfalls Fantasien: Würden die Behörden der CS quasi den Stecker im US-Geschäft ziehen, wäre die Bank in einer katastrophalen Situation. Allerdings wäre dann auch die Zukunft von 10'000 Stellen der Schweizer Grossbank in den USA sehr ungewiss.

Gerade Kleinaktionäre, die in Scharen zur Generalversammlung anreisen, zeigen sich seit Jahren immer wieder unzufrieden mit der Bankführung. Ob sich die Redner beim Steuerstreit mehr über die CS-Chefs oder die Drohkulisse der Grossmacht USA aufregen, ist wohl vom Naturell und den Sympathien der Einzelnen abhängig.

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Heiss debattierte Löhne

Red und Antwort stehen muss in jedem Fall Verwaltungsratspräsident Urs Rohner, und allenfalls eines jener Konzernleitungsmitglieder, die an der GV anwesend sind. Ein immer aktuelles Thema sind die Löhne der Verwaltungsräte und der Konzernlenker, die im Vergütungsbericht detailliert aufgelistet werden.

Für die Geschäftsleitung wendet die CS insgesamt 64,77 Millionen Franken auf, wie Anfang März mitgeteilt worden war. Konzernchef Brady Dougan bekommt 9,79 Millionen Franken zugeteilt, während Bankpräsident Rohner mit 4,9 Millionen Franken bedacht wird.

Der Vergütungsbericht dürfte angenommen werden, da Grossaktionäre in der Regel mit den ausgeklügelten Salärsystemen einverstanden sind. Umstrittener sind die Anpassungen bei der künftigen Salärpolitik, zu dem das Volks-Ja zur Abzockerinitiative vom 3. März 2013 den Verwaltungsrat zwingt.

Die geänderten Statuten sehen vor, dass der Verwaltungsrat jeweils bestimmen soll, ob die Vergütungsgenehmigung durch die Generalversammlung für das folgende oder für das abgelaufene Geschäftsjahr beantragt wird. Die könnte Kritik hervorrufen, weil es eine klare Festlegung auf eine nachträgliche Abstimmung über Saläre und Boni damit nicht gibt.

Gegen Mitarbeiteraktien

Auch die Schaffung bedingten Kapitals für Aktien, die CS-Mitarbeitern als Vergütungsbestandteil ausbezahlt werden sollen, ist nicht unumstritten. Der einflussreiche US-Stimmrechtsberater ISS etwa ist dagegen.

Auch die bekannt bonikritischen Schweizer Aktionärsvereinigungen Ethos und Actares haben ihren erneuten Widerstand gegen die Vergütungspolitik der CS angekündigt. Dass Aktionäre nicht immer Ja sagen, zeigten vor einer Woche die Anteilseigner des Industriekonzerns ABB: Sie verweigerten einer Kapitalerhöhung für Mitarbeiteraktien die nötige Zweidrittelsmehrheit.

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(sda/vst/sim)