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Aktionärstreffen
CS-Präsident Rohner setzt auf Vertrauen der Aktionäre

CS-Präsident Urs Rohner: «Das habe ich bis jetzt noch nicht gehört. Noch nie.» Keystone

Vor der Generalversammlung erwartet Credit-Suisse-Präsident Urs Rohner nicht, dass ihn die Welle der Kritik aus dem Amt schwemmen wird. Doch der Widerstand gegen die Politik der Bank ist gross.

Von Mathias Ohanian
am 27.04.2017

Vor der viel beachteten Generalversammlung der Credit Suisse setzt Bank-Präsident Urs Rohner auf das Vertrauen der Investoren. Dass ihn die Welle der Kritik aus dem Amt schwemmen wird, glaubt er offenbar nicht: «Ich gehe aufgrund von verschiedenen Gesprächen mit vielen Aktionären davon aus, dass ich von der Mehrheit getragen werde», sagte er im Gespräch mit dem Wirtschaftsmagazin «Bilanz».

Gefragt, wie tief der Prozentsatz der Zustimmung sinken dürfe, bis er sein Amt zur Verfügung stellen würde, sagte er, es gebe kein «abstraktes Signal». «Für mich wäre es ein Signal, wenn ich von wirklich massgebenden Aktionären hören würde, dass sie mit meiner strategischen Ausrichtung nicht zufrieden sind. Das habe ich bis jetzt noch nicht gehört. Noch nie.» Die Diskussion um einen möglichen Rückritt sei etwas hypothetisch: «Ich betrachte meine Aufgabe weiter, die CS als Präsident in die Zukunft zu führen.»

Kritik an der Credit Suisse immer lauter

Die Kritik an der Führung der Schweizer Grossbank wurde in den vergangenen Monaten immer lauter: Erst diese Woche sagte die Credit Suisse endgültig den Teilbörsengang des Schweizer Geschäfts ab, nachdem zuletzt die Spekulationen stetig gewachsen war, die Bank könnte stattdessen auf eine Kapitalerhöhung setzen. So soll es nun auch kommen. Kritiker monierten eine schwache Kommunikationspolitik (hier finden Sie die Chronik bis zur Absage des IPO).

Ein weiterer Zankapfel sind die hohen Boni für das Management angesichts des Milliardenverlusts im vergangenen Jahr. Erst als die Bank zurückkrebste und den Verzicht auf 40 Prozent der Gelder erklärte, zeigte sich so mancher Grossinvestor etwas versöhnt: Norwegens Staatsfonds als grosser Einzelinvestor gab erst kurz darauf bekannt, die Politik des Managements stützen zu wollen.

Präsident Rohner dürfte wiedergewählt werden

Andere Stimmrechtsvertreter wie ISS und Glass Lewis stellen sich die nach wie vor gegen die Salärpolitik. Das Zugeständnis von CEO Tidjane Thiam von 11,9 auf 10,24 Millionen Franken ist ihnen zu wenig. Auch die Schweizer Ethos kritisiert die hohe Entlohnung: «Für das letzte Jahr würden wir die variable Vergütung ganz streichen. Und auch die Zuteilung von Aktien ist im Vergleich mit anderen europäischen Banken viel zu gross», sagt Direktor Vincent Kaufmann im Interview. Wegen des Salärstreits drohte CEO Thiam intern offenbar bereits mit seinem Rücktritt, die Bank dementierte dies.

Dass Präsident Rohner am morgigen Freitag tatsächlich ernsthaft in Bredouille gerät, scheint unwahrscheinlich. Selbst Ethos-Direktor Kaufmann gibt zu, dass man mit dem Widerstand gegen die Entlastung des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung und gegen die Wiederwahl von Urs Rohner «mehr oder weniger alleine» dastehe.

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