Die Credit Suisse hat einen Reingewinn von 768 Millionen Franken für das zweite Quartal 2011 bekannt gegeben. In zweiten Quartal 2010 hatte die Credit Suisse 1,6  Milliarden Franken Gewinn erzielt, obwohl schon damals ein eher flaues Geschäft in der Investmentbank das Geschehen prägte. Im Vorquartal betrug der Gewinn der Bank 1,14 Milliarden Franken.

Mit dem Zweitquartalsergebnis liegt die CS deutlich unter den Prognosen vieler Analysten. In einer Umfrage der Finanznachrichtenagentur AWP hatten die Experten zwischen gut 700 Millionen Franken und knapp 1,3  Milliarden Franken Gewinn vorausgesagt.

Schon die Konkurrentin UBS und auch US-Grossbanken hatten von einem schwierigen zweiten Quartal berichtet. Für das Investmentbanking ist die anhaltende Unsicherheit der Märkte, getrieben durch die hohe Verschuldung einiger europäischer Länder sowie der USA, keine gute Voraussetzung für florierende Geschäfte.

Dazu setzte der CS der starke Franken zu. Auch in der Vermögensverwaltung, wo die Gelder der wohlhabenden Kunden rund um die Welt in lokalen Währungen gebucht sind, die Kosten aber vor allem in Franken anfallen, erwies er sich die starke Währung als Nachteil.

Weiter hoch im Kurs ist die CS aber in punkto Kundenvertrauen: Im zweiten Quartal gelang es ihr, netto 14,3 Milliarden Franken an neuen Kundenvermögen anzuziehen, deutlich mehr als die UBS, die einen Nettoneugeldzufluss von lediglich 8,7 Milliarden Franken vermeldet hatte.

Verschiedene Kostensenkunsmassnahmen geplant

Die CS hat im Zusammenhang mit der Berichterstattung zum zweiten Quartal verschiedene Massnahmen bekanntgegeben, mit denen sie «im anhaltenden schwierigen Marktumfeld weiterhin gute Ergebnisse erzielen» will. Diese Massnahmen zielen auf eine Senkung der Kosten um eine Milliarde Franken ab dem Jahr 2012.

Das Massnahmenpaket umfasst den Angaben zufolge einen «gezielten Stellenabbau» in der gesamten Credit Suisse Group um rund vier Prozent des Personalbestands. Die mit der Umsetzung dieser Massnahmen verbundenen Kosten von 400 bis 450 Millionen Franken fallen im Jahr 2011 an. 142 Millionen seien bereits im zweiten Quartal 2011 verbucht worden, der Rest folge im zweiten Halbjahr 2011.

Das Massnahmenpaket wird laut CS 2011 nur beschränkte Netto-Einsparungen ermöglichen, die anvisierten Kosteneinsparungen dürften 2012 realisiert werden.

In der Schweiz fallen 500 Stellen weg

Von den weltweit rund 2000 Stellen, welche die Credit Suisse im Rahmen von Sparmassnahmen abbauen wird, befinden sich rund 500 in der Schweiz. CS-Sprecher Marc Dosch betonte am Morgen, dass es in der Schweiz aber zu keinen Entlassungen kommen werde.

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Vom Stellenabbau betroffene Mitarbeitende, die nicht innerhalb der CS aufgrund der üblichen Fluktuation eine neue geeignete Stelle finden, könnten über mehrere Monate hinweg im Rahmen eines internen Programms auf Stellensuche gehen und sich weiterbilden, sagte Dosch.

Von solchen Programmen können allerdings nur überzählige Mitarbeitende in der Schweiz profitieren. Welche Geschäftsbereiche der Credit Suisse wie stark vom Stellenabbau betroffen sind, sagte Dosch auch auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda nicht. Er wies einzig darauf hin, dass die Schweiz proportional weniger vom Abbau betroffen sei als andere Länder.

Dies lässt den Schluss zu, dass es in der Investmentbank zu grösseren Kosteneinsparungen und einem bedeutenderen Stellenabbau kommen dürfte als in der Vermögensverwaltungssparte (Private Banking). Eine solche Verteilung der Einsparungen wäre auch angesichts der gegenwärtigen Situation auf den Finanzmärkten naheliegend.

Konzernchef Brady Dougan wird dazu mit folgenden Worten zitiert: «Wir haben uns früh auf das neue regulatorische Umfeld eingestellt und ergreifen Massnahmen zur Senkung unserer Kostenbasis.» Daher sei man in einer sehr guten Ausgangslage, um von Wirtschafts- und Markterholungen zu profitieren.

(rcv/tno/sda/awp)