Für das Allzeithoch der Cytos-Aktie stehen noch immer 152 Franken – datierend aus dem April 2007. Heute, genau sieben Jahre später, ist der Titel noch 14 Rappen wert. Der frühere Börsenstart steht vor dem Aus.

1995 entstand die in Schlieren angesiedelte Firma als Spin-Off der ETH Zürich. Treibende Kraft: Wolfgang Renner. Der umtriebige Basler polarisierte: Renner konnte einerseits Investoren begeistern, sorgte aber in der Finanzszene durch seinen exklusiven Lebensstil immer wieder für wilde Gerüchte. Analysten bezeichnen ihn als «Ankündigungsminister», die BILANZ sah hinter Cytos bereits 2009 das «Prinzip Hoffnung».

Nikotin-Impfstoff als Hoffnungsträger

Seit Oktober 2002 ist die Cytos-Aktie an der Schweizer Börse kotiert. Sie durchlebte Höhen und Tiefen – und wurde durch den enormen Cashburn immer wieder klinisch totgesagt. Einer der grössten Hoffnungsträger war ein Nikotin-Impfstoff, für den Renner mit dem Basler Pharmamulti immerhin einen prominenten Partner für klinische Studien an Bord holen konnte. Doch 2009 wird klar: NIC002, so der Name des Wirkstoffs, wirkt nicht.

2011 der drastische Schnitt: Ein Medikament zur Behandlung von allergischem Asthma und der allergischen Rhinitis schlug fehl – die bereits in den Vorjahren reduzierte Belegschaft wurde von 82 auf 10 Mitarbeitende reduziert und CEO Renner ging von Bord. 2012 gelingt eine Umschuldung, einziger Produktekandidat bleibt das Asthmamedikament CYT003.

Längerfristige Finanzierung kaum möglich

Heute nun der wohl finale K.O.-Schlag: Der letzte Hoffnungsträger der Schweizer Biotechnologiefirma blieb den Wirkungsnachweis schuldig. «Der Verwaltungsrat hat deshalb die Geschäftsleitung beauftragt, die Möglichkeit der Stilllegung der operationellen Tätigkeit und die darauffolgende Liquidation oder den Weg des Konkurses zu prüfen», teilte Cytos mit. Der Aktienkurs brach um 95 Prozent ein.

An den Wirkungsnachweis von CYT003 war die Umwandlung eines Wandeldarlehens geknüpft. Das Management hält es für wenig wahrscheinlich, dass die längerfristige Finanzierung gesichert werden kann. Cytos verfügte Ende März noch über 31 Millionen Franken flüssige Mittel. Die Firma geht davon aus, dass sie ihre nachrangigen Wandelobligationen nicht zurückzahlen kann. Die Aktionäre könnten auch nicht mit einer Liquidationsdividende rechnen. Die 36 Beschäftigten sollen entlassen werden.

(mit Material der Agentur Reuters)

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