Hedge-Fonds wurden in den ersten Jahren ihrer Entstehungsgeschichte als hochriskant wahrgenommen und von institutionellen Anlegern gemieden. Erst mit der Entwicklung von Fund of Hedge Funds, welche die Risiken über diverse Investmentstrategien und Manager verteilen, stiess diese Anlageklasse auf vermehrtes Interesse von institutionellen Anlegern.

Der heute unterschiedliche Wissensstand der Kunden vervielfältigt deren Ansprüche und Bedürfnisse, weshalb die Palette an Produkten und Lösungen laufend angepasst und gemanagt werden muss. Dementsprechend wird die Skalierbarkeit der Lösungen sinken und der Kostendruck zunehmen. Neulinge werden sich weiterhin an Fund of Hedge Funds halten, während erfahrene Anleger vermehrt Direktinvestments beimischen dürften. Ausserdem macht sich der Trend bemerkbar, ein diversifiziertes Hedge-Fonds-Portfolio mit spezifischen Themen – wie zum Beispiel mit aufkommenden Umwelt-Hedge-Fonds – zu erweitern und eine eigene Asset Allocation zu verfolgen.

Druck auf die Gebühren steigt

Heute wird allgemein anerkannt, dass Hedge-Fonds-Renditen durch eine Kombination von marktbasierten Faktoren (Beta) sowie wissens- bzw. managerbasierten Faktoren (Alpha) erklärt werden können. Die meisten traditionellen sowie einzelnen alternativen Faktoren können vergleichsweise günstig repliziert werden. Anderseits ist Alpha selten in purer Form erhältlich, sondern nur in Kombination mit traditionellem und alternativem Beta, und den einzigen Zugang dazu bieten Hedge-Fonds. Dadurch erhöht sich der Druck auf die Gebühren von Hedge-Fonds sowie Fund of Hedge Funds, die kein Alpha liefern. Das Alpha auf Fonds-und Portfolioebene zu bestimmen und im Reporting durch anerkannte Bewertungsmethoden auszuweisen, wird deshalb ein wichtiger Erfolgsfaktor.
Während einige bestehende Strategien aufgrund regulatorischen Anpassungen, Mangel an Ineffizienzen und unattraktiven Renditepotenzialen verschwinden, erschliesst die Hedge-Fonds-Industrie stetig neue Bereiche. Die Vielfalt an Strategien wird laufend durch Neuentwicklungen bereichert. Verschiedene Anlageklassen, die bisher ein Dornröschendasein gefristet haben, werden durch Hedge-Fonds belebt. Das Interesse der Anleger an Rohstoffen, Energie und Immobilien als Anlageklasse ist markant gestiegen. Weitere Möglichkeiten für Hedge-Fonds entstanden dank neuer Derivate im Kreditmarkt oder Instrumenten für den Emissionshandel.
Die Suche nach neuen Alphaquellen erfordert aber Ressourcen und Zeit. Zudem sind neue Strategien riskanter. Dementsprechend muss das Wissen über diese Strategien, deren spezifische Wechselwirkungen sowie Gefahrenpotenziale in der Organisation auf allen Ebenen, vom Seniormanagement bis zur Administration, berücksichtigt werden. Die neuen Strategien können diversifizierten Portfolios beigemischt werden, um Investitionskapazitäten zu erhöhen. Gleichzeitig erwarten aber die Kunden auch unmittelbaren Zugang via spezifische Fund of Hedge Funds, um höhere Renditen zu erzielen. Derartige Produkte, die aufkommende Märkte und Strategien erschliessen und höheres Alpha aufgrund von grösseren Ineffizienzen erzielen, dürften unter geringerem Gebührendruck leiden.

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Konsolidierung ohne Ende

Die Hedge-Fonds-Industrie befindet sich in einer Konsolidierungsphase und der Trend des Zusammenwachsens mit traditionellen Anlagen verstärkt sich. So wird eine steigende Zahl von Hedge-Fonds-Strategien von traditionellen Vermögensverwaltern eingesetzt und verliert damit an Exklusivität. Innerhalb der Hed-ge-Fonds-Industrie selber haben Multi-Strategie-Fonds begonnen, Fund-of-Fund-Konzepte zu übernehmen. Ausserdem decken Hedge-Fonds mit ausgewählten Strategien das Private-Equity-Segment ab und bewegen sich verstärkt in illiquide Bereiche. Private-Equity-Firmen ihrerseits dringen in die Hedge-Fonds-Gebiete vor, indem sie Investmentbank ähnliche Organisationen ausserhalb regulatorischer Hoheitsgebiete aufbauen. Dies erhöht den Margendruck zusätzlich.
Um den Margendruck bei Fund of Hedge Funds zu lindern, muss die Skalierbarkeit verbessert werden, was kostspielig ist und zu noch mehr Allianzen und Übernahmen führt. Der Fund-of-Fund-Markt wird deshalb zu einem Zweiklassenmarkt. Auf der einen Seite werden die kleineren Boutique-Anbieter weiterhin spezifische Themenprodukte anbieten und in Nischen operieren. Auf der anderen Seite stehen die straff organisierten grossen Anbieter mit einer breiten Produktpalette, die allen Ansprüchen der Kunden nachkommen wollen. Zwischen diesen beiden Modellen wird es nicht einfach sein, zu überleben.
Und auch das regulatorische Umfeld in Europa bleibt komplex. Die nationalen Regulatoren wenden unterschiedliche Ansätze an, obwohl MiFID (Markets in Financial Instruments Directive) per 1. November 2007 einheitliche Rahmenbedingungen für Europas Wertschriftenmarkt vorsieht. Daraus werden sowohl bei Single wie auch bei Fund of Hedge Funds steigende Kosten resultieren. Grössere Produkte werden daraus naturgemäss Vorteile ziehen.
Fund of Hedge Funds werden also weiterhin ihre Berechtigung haben. Vor allem Neuinvestoren werden dieses Modell aufgrund des geringeren Risikos favorisieren. Die Volatilität der Fund of Hedge Funds liegt im längerfristigen Vergleich deutlich tiefer als bei Single Hedge Funds. Erfahrene Anleger werden jedoch die erhöhten Risiken von Single Hedge Funds zu nutzen wissen und diese gezielt zur Portfolioergänzung einsetzen.

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Fred Siegrist, CEO RMF, Pfäffikon.