Der Urner Industriekonzern Dätwyler kauft den britischen Elektronikgrosshändler Premier Farnell. Dätwyler zahlt für das britische Unternehmen 848 Millionen Franken, wie aus einer Mitteilung vom Dienstag hervorgeht.

Dätwyler habe zugesagt, jedem Premier-Farnell-Aktionär 165 Pence pro Aktie zu zahlen, heisst es in der Mitteilung. Dies entspreche einer Prämie von rund 51 Prozent gegenüber dem Schlusskurs der Aktie vom Montagabend.

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Börse reagiert negativ

Nach der Bekanntgabe büssten die Aktien von Dätwyler in einem anhaltend schwachen Gesamtmarkt überdurchschnittlich an Terrain ein. In Marktkreisen wird die Übernahme als sinnvoll bezeichnet, teilweise aber auch als teuer.

Bis um 09.35 Uhr fallen Dätwyler um 5,4 Prozent auf 132,50 Franken zurück, gehandelt ist bereits rund die Hälfte eines üblichen Tagesumsatzes. Der Gesamtmarkt SPI steht 0,92 Prozent tiefer.

Dätwyler will das gesamte Aktienkapital von Premier Farnell übernehmen. Die Transaktion soll noch im vierten Quartal dieses Jahres abgeschlossen werden.

Verdoppelter Umsatz

Dätwyler wird mit dem Kauf des britischen Elektronikgrosshändlers Premier Farnell den Umsatz mehr als verdoppeln. Die neue Gruppe dürfte rund 2,5 Milliarden Franken Umsatz schreiben, so die Mitteilung vom Dienstag.

Diese Zahl wurde aus den letztjährigen Umsätzen beider Unternehmen berechnet. Dieser betrug bei Dätwyler 1,2 Milliarden Franken, bei Premier Farnell umgerechnet 1,3 Milliarden Franken.

Sparte wächst kräftig

Premier Farnell ist ein Distributor von elektronischen Bauteilen, entsprechend wird er mit der Division Technical Components von Dätwyler zusammengelegt. Diese vertreibt Komponenten und Zubehör für Elektronik, ICT und Automation.

Mit dem zugekauften Umsatz von 1,3 Milliarden Franken wird sich der Umsatz der Sparte Technical Components von knapp 0,5 Milliarden Franken im vergangenen Geschäftsjahr auf rund 1,8 Milliarden Franken knapp vervierfachen.

Harziges Geschäft

Zusammen mit den rund 0,7 Milliarden Franken von Dätwylers auf Dichtungen spezialisierter Sparte Sealing Solutions kommt die neue Gruppe auf einen Umsatz von rund 2,5 Milliarden Franken, was mehr als dem doppelten der für 2015 ausgewiesenen 1,2 Milliarden Franken entspricht.

Bei Dätwyler lief des Geschäft mit dem Vertrieb elektronischer Bauteile zuletzt harzig. Der Umsatz war im vergangenen Jahr geschrumpft, unter anderem aufgrund von Lieferproblemen bei der Tochter Distrelec und dem starken Franken.

Angekündigte Strategie

Bei der Präsentation der Jahresergebnisse im März hatte Dätwyler bereits angekündigt, mit Zukäufen wachsen zu wollen. Im Markt der Elektronikdistribution gebe es genügend geeignete Übernahmeziele, hatte das Unternehmen mitgeteilt.

Übernahmen plant Dätwyler den Angaben vom März zufolge aber auch im zweiten Geschäftsbereich, bei den Dichtungen für Maschinen und Anlagen.

Viel Gemeinsames

Dätwyler erhofft sich von diesem Zukauf signifikante Synergien. Unter anderem sollen in den ersten drei Jahren nach der Transaktion 25 bis 35 Millionen Franken an Kosten eingespart werden. Zudem erhofft sich Dätwyler aufgrund der neuen Grösse Skaleneffekte.

Die Kombination mit Premier Farnell sei strategisch passend, heisst es in der Mitteilung. Beide Unternehmen teilten sehr ähnliche Strategien und Geschäftsmodelle. Die Produktepaletten, Vertriebskanäle und geografische Präsenz ergänzten sich.

(sda/jfr/ama)