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Daimler: Schwäbischer Kniefall im Iran

Mercedes-Sterne werden nicht in den Iran geliefert. (Bild: Keystone)

Wegen verschärften US-Gesetzen im Handel mit dem Iran hat Daimler zum Jahresende 2011 sämtliche Geschäftsbeziehungen mit dem Land beendet. Und der deutsche Autobauer ist kein Einzelfall, der vor den D

Veröffentlicht am 01.01.2012

Das Kapitel Iran ist für Daimler seit dem 31. Dezember 2011 geschlossen: Auf diesen Termin hat hin hat der deutsche Autobauer die 33-prozentige Beteiligung am Lastwagen-Produzenten «Iranian Diesel Engine Manufacturing» verkauft. Bereits im März 2011 war die Teheran-Niederlassung der Daimler AG geschlossen worden - seit April 2010 stoppten die Stuttgarter bereits die Lieferungen sämtlicher Fahrzeuge. «Der Schritt richtet sich nicht gegen die iranische Bevölkerung», wurde Firmenchef Dieter Zetsche damals zitiert, «die Politik der derzeitigen politischen Führung gebietet es aber, unsere Geschäftsbeziehungen in diesem Land zu unterbrechen.»

Ganz freiwillig erfolgte der Rückzug keineswegs: Die USA verbieten mittels Gesetzen fast jedes grössere Geschäft mit dem Iran. Gesetze, mit den das Weisse Haus eigentlich nur US-Unternehmen im Visier hat - de facto zeigt es sich jedoch, dass das amerikanische Verbot weit grössere Kreise zieht. «Wer im Iran Geschäft macht, die Washington zuwider sind, bekommt in den Vereinigten Staaten keine öffentlichen Aufträge, muss hohe Strafen zahlen oder verliert gar den Zugang zum amerikanischen Markt», zeigt eine aktuelle Bestandesaufnahme von «Welt Online».

US-Sanktionen - und ihre Folgen

International tätige Grosskonzern können dieses Risiko nicht eingehen - auch im Fall Daimler. Die Stuttgarter erwirtschaften rund ein fünf Fünftel des Gesamtumsatzes in den USA: Im 3. Quartal 2011 entsprach dies in Zahlen ausgedrückt über 5,2 Milliarden Euro - mehr als die Schwaben im Heimmarkt Deutschland generieren konnten.

Die Anfang 2010 von Präsident Barack Obama verschärften Iran-Sanktionen zogen weitere Kreise: Siemens, Thyssen-Krupp, Linde, Bosch oder die Allianz haben gemäss «Welt Online» ihre Iran-Geschäft grösstenteils oder ganz beendet. Anders bei Bayer: Der Pharmakonzern mache gemäss Angaben eines Firmensprechers dort noch rund 100 Millionen Euro Umsatz. «Freilich sind die von den Leverkusenern im Iran verkauften Produkte - Aspirin oder Schaumstoff - nicht militärisch umzuwidmen und ziehen nicht den Zorn Washingstons auf sich», heisst es.

Interessante Randnotiz bleibt die Tatsache, dass KMU-Firmen in die Lücke springen, die durch den Rückzug der Grosskonzern entsteht. Sie haben den Zorn Washingtons nicht zu fürchten.

(vst)

«Deutschland und Iran bleiben im Geschäft» (Welt Online)

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