Zugeben will es Brüssel nicht allzu laut, dass ausgerechnet die Schweiz gestärkt aus der Krise herausfinden dürfte. Zum einen muss sich die EU gegenwärtig mit einer existenziellen Krise herumschlagen, die Einheitswährung retten und die horrenden Schuldenberge ihrer Mitgliedstaaten einigermassen in den Griff kriegen. Zum anderen ist die kleine Insel Schweiz, die sich inmitten des europäischen Reichs befindet, Brüssel ein Dorn im Auge. Und eben diese starr- wie eigensinnige Schweiz hat die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise bislang hervorragend gemeistert. Sogar der EU-Botschafter in Bern, Michael Reiterer, gibt gegenüber der «Handelszeitung» kleinlaut zu: «Es ist ein anerkanntes Faktum, dass die Schweiz in der Krise gut über die Runden gekommen ist.»

Dass die Schweiz nicht wirklich eine Krise durchlebte, sondern «nur» in einer Rezession steckte, belegen die Zahlen: Sie schloss das Jahr 2009, das für die westlichen Volkswirtschaften ein «annus horribilis» war, mit einem Haushaltsüberschuss von 2,7 Mrd Fr. ab. Dank des Gewinns aus dem Verkauf der UBS-Beteiligung (7,2 Mrd Fr.) konnte die Schuldenlast der Schweiz um 11 auf 111 Mrd Fr. gesenkt werden. Zurzeit liegt die Schuldenquote der Schweiz gemessen am Bruttoinlandprodukt bei 38,8%, jene der G20-Staaten bei 80 bis 120%.

Damit nicht genug: Finanzminister Hans-Rudolf Merz hat weitere Sparprogramme angekündigt. Sein Ziel: Der Haushalt des Bundes darf in den kommenden Jahren nicht aus dem Lot geraten. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der 2003 eingeführten Schuldenbremse und der eisernen Disziplin, die Vorgaben auch wirklich einzuhalten. Natürlich hat die Schweiz auch ab 2004 von der guten Konjunktur profitiert - doch sie liess sich nicht von den Wachstumsraten blenden und die Staatsausgaben nicht ins Unvermessliche wuchern.

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Diese Tugenden, die die Schweizer Wirtschaft und ihre Unternehmer verinnerlicht haben - Augenmass, Bescheidenheit, kalkulierbare Risikobereitschaft, Qualität und Stabilität-, haben sich insbesondere in den letzten beiden Jahren ausbezahlt und die hiesigen Unternehmen in eine vorteilhafte Ausgangslage gebracht.

Natürlich werden die EU- und die Euro-Krise ihre Spuren auch bei uns hinterlassen. Doch viele Unternehmer haben sich schon früh auf die globalen Herausforderungen eingestellt, ihre Businesspläne diversifiziert und internationalisiert, und die Politiker haben in der Krise nicht überreagiert und überreglementiert. Dies alles sind ideale Voraussetzungen, damit der Wirtschaftsmotor mindestens so weiter brummt wie bis anhin.