Der Blutkreislauf mit dem Herz als antreibender zentralen Pumpe sorgt dafür, dass alle Organsysteme und Zellen mit Energie und Nährstoffen versorgt werden, ohne welche ein Leben nicht möglich wäre. Während das arterielle System seit Jahrzehnten im Fokus der Wissenschaft steht und zahlreiche lebensbedrohende Erkrankungen wie Herzinfarkt, Hirnschlag und Raucherbein gut erklärt sind, weiss man über das Venensystem noch verhältnismässig wenig. Das mag daran liegen, dass abgesehen von einer ausgedehnten Thrombose mit daraus resultierender möglicher Lungenembolie das Venensystem für unser Leben nicht die gleiche Bedrohung darstellt. Dennoch sind sehr viele Menschen durch Veränderungen am Venensystem beeinträchtigt.

Nicht nur kosmetische Gründe

Wahrscheinlich sind in unserer westlichen Zivilisation und Kultur etwa ein Drittel aller Erwachsenen während ihres Lebens mit einer behandlungsbedürftigen Venenerkankung konfrontiert; Tendenz steigend. Dabei spielen kosmetische Argumente eine untergeordnete Rolle. Hauptsächlich geht es bei der Behandlung kranker Venen um die Vermeidung von Komplikationen, welche sich durch kranke Venen entwickeln können.

Die Bestrebungen der letzten Jahrzehnte, Operationen mit möglichst wenigen und kleinen Schnitten durchzuführen, hat auch vor der Venenchirurgie nicht haltgemacht. Seit gut zehn Jahren haben sich zur Entfernung von Krampfadern deshalb auch konkurrenzierende Verfahren zur klassischen Venenchirurgie etabliert. Allen diesen Verfahren ist gemeinsam, dass die für das Krankheitsbild verantwortlichen Venen mit Wärme gewissermassen verschweisst werden. Die Industrie stellt verschiedene Möglichkeiten solcher thermischer Verfahren zur Verfügung (Laserenergie, Radiowellenenergie, Wasserdampf), von denen jedes seine spezifischen Vor- und Nachteile hat. Diese Behandlungsformen haben eine zunehmende Bedeutung erlangt, obschon noch viele Fragen offen sind und die Versicherungen bei der Rückerstattung der Behandlungskosten zurückhaltend sind.

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Der Stellenwert der Verödung von Krampfadern hat, insbesondere als zusätzliche oder begleitende Therapieform, ebenfalls an Bedeutung gewonnen. Dabei wird das schon seit vielen Jahren verwendete Verödungsmittel mit Luft aufgeschäumt, was die Kontaktzeit für die Vene und damit dessen Wirkung verstärkt.

Neue Verfahren, neue Anbieter

Die wenig invasiven Verfahren haben dazu geführt, dass Behandlungen von Venenerkrankungen nicht mehr in jedem Fall im Spital durchgeführt werden müssen. Dennoch handelt es sich auch bei diesen Behandlungskonzepten um operative Eingriffe, die - wie alle Eingriffe - mit spezifischen Risiken und Komplikationsmöglichkeiten verbunden sind. Gerade weil in Bezug auf die Bereitstellung von Infrastruktur die Anforderungen bei den Wärmeverfahren geringer sind, hat sich die Zahl der Anbieter von Krampfaderbehandlungen vermehrt.

Weil die Unterschiede zwischen den neueren Verfahren und der klassischen Chirurgie in Bezug auf Komfort, Schmerzen, Nachbehandlung und Kosten nicht so gross sind, lohnt es sich immer, sich über alle Verfahren, inklusive der klassischen Chirurgie, zu informieren und allenfalls der Erstberatung eine Zweitmeinung anschliessen zu lassen. Dabei ist es wichtig, dass die Beratung von Fachleuten vorgenommen wird.

Wandel bei der Behandlung

Seit vielen Jahren ist bekannt, dass im frühen Stadium einer tiefen Venenthrombose auch eine operative Behandlung in Frage kommt. Gegenüber der Behandlung einer Thrombose mit Blutverdünnung und Kompression von aussen hat sich diese Therapie nie richtig durchsetzen können. Es darf davon ausgegangen werden, dass das Venensystem durch die chirurgische Entfernung des Blutgerinnsels weitgehend wiederhergestellt werden kann. In dieser Frage scheint sich jüngst ein Wandel einzustellen und die operative Behandlung der gefährlichen Thrombosen in den tiefen Venen erlangt zunehmende Bedeutung.

Durch die funktionelle Wiederherstellung des Venensystems können im langfristigen Verlauf gefürchtete und langwierige Komplikationen wie das offene Bein deutlich reduziert werden.