Eigentlich sind die Firmen durchaus risikobewusst: Bei der Implementierung von Riskmanagement erheben und bewerten sie die Risiken. Dann setzen sie Frühwarn- und Kontrollinstrumente auf, um diese zu beobachten und bei Gefahr rechtzeitig zu reagieren. Schon früh arbeiten auch Bereichsspezialisten mit der Geschäftsleitung zusammen. Im Steuerungsausschuss sind Vertreter der Aufsichtsorgane, die die Einhaltung von Compliance-Anforderungen garantieren. Und spätestens nach der Implementierungsphase wird ein Riskmanager ernannt.

Doch mit zunehmender Firmengrösse nimmt die Aufgabenteilung zu: Es gibt seltener eine Person, die sowohl einen Überblick über die strategische Ausrichtung der Firma hat und zudem alle Geschäftsfelder hinreichend detailliert kennt, um eine fundierte Risikobeurteilung vornehmen zu können. Zudem durchforstet der Bereich Riskmanagement häufig nicht regelmässig das Unternehmen nach neu auftretenden Risiken, sondern wird von den Abteilungen mit Daten bedient. Dadurch kann es sein, dass in Veränderungsprozessen gewandelte Risiken zwar erhoben, diskutiert und beurteilt werden, nicht aber bis zum Riskmanager gelangen.

Lebendiges Riskmanagement

Es fehlt in der Regel die natürliche Verbindung von Innovationen zum Bereich Riskmanagement, die über ein umfassendes IKS leicht hergestellt werden könnte. Dies gilt für Veränderungen in der Produktpalette ebenso wie für Anpassungen in den Prozessen und/oder in der Organisationsstruktur – speziell bei Fusionen oder Restrukturierungen mit Personalabbau. Eine grosse Herausforderung ist zudem, Risiken in ihren Wechselwirkungen zueinander zu beurteilen. In der Praxis zeigt sich, dass auch kleine Risiken im Dominoeffekt unerwartet Grossrisiken auslösen können.Ein vernetztes Riskmanagement ist eine lebendige Angelegenheit. Es liegt in den Händen der Firmenleitung, dieses umfassend und zukunftstauglich auszugestalten. Zumindest sind die konsequente Einbringung von Risiken aus Innovationsprozessen über das Risikomanagement ins IKS und regelmässige Gesamtrisikoneubewertungen unter Einbezug der Geschäftsfeldverantwortlichen nötig.

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