Stimmt es, dass die Investorengruppe Laxey, Cheyne und die von Tito Tettamanti kontrollierte Investmentgesellschaft Sterling mit der Entwicklung von Charles Vögele unzufrieden ist und sie zum Rücktritt gedrängt hat?

Daniel Reinhard: Nein, das stimmt nicht. Meine Entscheidung hat einen längeren Reifungsprozess hinter sich. Die Investorengruppe ist mir im Gegenteil fast noch quer gekommen zu meinem Entschluss. Wir haben die Expansion erfolgreich betrieben. Wir sind in vier neuen Märkten und weisen dort im ersten Geschäftsjahr bereits positive Zahlen aus. Unsere Bilanz ist absolut sauber.

Was meinen Sie mit quer gelegen?

Reinhard: Ich habe meinen Entscheid nach der Intervention der Investoren nochmals überdacht, denn ich fühle mich durch solche Situationen speziell herausgefordert. Aber ich habe gesehen, dass das Unternehmen fit ist, und deshalb kann ich als verantwortlicher Unternehmensleiter zurücktreten. Ich habe 16 Jahre lang börsenkotierte Unternehmen geleitet. Jetzt wollte ich einen Schritt abschliessen.

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Weshalb treten Sie denn zurück?Reinhard: Ich wollte das Unternehmen sanieren und dann expandieren. Diesen Prozess habe ich nun abgeschlossen. Dieser Prozess hat mich interessiert.

Wie es mit dem Unternehmen weitergeht, interessiert Sie nicht mehr?

Reinhard: Das ist nicht mehr so spannend. Jetzt kommt das Multiplizieren von dem, was wir eingeleitet haben.

Sie treten doch nicht freiwillig zurück. Wenn Sie Ihren Rücktritt langfristig geplant hätten, würden Sie einen Nachfolger präsentieren.

Reinhard: Ich bleibe im Unternehmen, bis ein Nachfolger bestimmt ist. Ich habe auf März 2009 gekündigt. Der Verwaltungsrat kann nun einen Nachfolger suchen.

Wann haben Sie Ihren Entscheid dem Verwaltungsrat mitgeteilt?

Reinhard: Am letzten Montag. Ich habe aber schon früher meinen Rückgang angetönt und am Montag haben wir das so entschieden.

Sind Sie das Bauernopfer, damit VR-Präsident Bernd H.J. Bothe der kritischen Investorengruppe zeigen kann, dass er etwas unternimmt und an der Generalversammlung wiedergewählt wird?

Reinhard: Ich eigne mich nicht als Bauernopfer. Es gab keinerlei Druck, der zu meinem Rücktritt geführt hat.Sie begrüssen Migros als Investor, weil er vom Textilgeschäft mehr versteht als Finanzinvestoren.Reinhard: Ich begrüsse Migros, weil wir damit einen Investor mit Fachkompetenz besitzen. Ich begrüsse aber auch Roger Bühler von Laxey, weil er sehr professionell ist und gute Fragen stellt.

Wie beurteilen Sie denn die Kompetenz der Finanzinvestoren im Textilgeschäft?

Reinhard: Im Textilgeschäft haben sie sicher wenig Erfahrung, aber sie sind sehr strukturiert. Wir haben vor allem mit Herrn Bühler intensiven Kontakt gepflegt. Er hat bereits beim ersten Gespräch gute Fragen gestellt.

Welche Fragen?

Reinhard: Er hat zentrale Fragen, aber keine Forderungen gestellt.

Finanzinvestoren sind in der Regel am kurzfristen Erfolg interessiert. Gibt es einen möglichen Käufer für Charles Vögele?

Reinhard: Ich habe keinen im Blickfeld, der uns kaufen will.

Wo liegen eigentlich die Divergenzen zwischen Ihnen und den Finanzinvestoren bezüglich der Strategie, die Sie verfolgen?

Reinhard: Über strategische Themen haben wir mit Laxey gar nie diskutiert.

Finanzinvestoren fordern die Zuwahl von neuen Verwaltungsräten und die Verkürzung der VR-Amtsdauer. Wie interpretieren Sie dies?

Reinhard: Sie wollen Einfluss nehmen, aber in welche Richtung und zu welchen Themen ist noch nicht artikuliert worden.

Begrüssen Sie den Einfluss der Finanzinvestoren?

Reinhard: So wie es bis jetzt abgelaufen ist, war es professionel. Das begrüsse ich.

Was unternehmen Sie nach Charles Vögele?

Reinhard: Dann schau ich mal.