Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat in den ersten neun Monaten 2011 einen Konzerngewinn von 5,8 Milliarden Franken erzielt. Wie die SNB mitteilte, haben der Goldpreis und die aktuelle Zinssituation zu hohen Bewertungsgewinnen auf dem Gold und auf den festverzinslichen Anlagen geführt. Die Aufwertung des Frankens seit Anfang Jahr namentlich gegenüber dem Euro und dem US-Dollar verursachte dagegen wechselkursbedingte Bewertungsverluste. Ob es für 2011 zu Auszahlen an Dividenden oder Ausschüttungen an Bund und Kantone kommen wird, kann die Nationalbank derzeit nicht sagen.

Nach dem Halbjahr hatte die SNB vor allem wegen Bewertungsverlusten durch den sehr starken Franken noch einen Konzernverlust von 10,8 Milliarden Franken verbucht. Nun hat sich die Situation an der Währungsfront gedreht, dies vor allem nach der Ankündigung der SNB Anfang September, dass sie einen Euro/Franken-Kurs von mindestens 1,20 verteidigen will. Insgesamt hat sie im dritten Quartal einen Erfolg aus Fremdwährungspositionen von fast 10,2 Milliarden Franken erzielt. Daneben ergab sich allerdings auch aus den Goldpositionen ein Plus von 6,5 Milliarden Franken.

Bewertungsgewinne auf dem Gold

Für die Neunmonatsperiode verbuchte die SNB einen Erfolg auf den Fremdwährungspositionen von rund 0,3 Milliarden Franken. Die Wechselkursverluste beliefen sich Ende September noch auf 4,7 Milliarden Franken, die anderen Erfolgskomponenten der Fremdwährungspositionen konnten dies aber mit einem Beitrag von 5 Milliarden Franken mehr als wettmachen, wie die SNB mitteilte. Die 5 Milliarden Franken setzen sich aus Kursverlusten auf Beteiligungspapieren und -instrumenten von rund 3,0 Milliarden, Zinserträgen von 4,0 Milliarden, Dividendenerträgen von 0,4 Milliarden und Kurserfolgen auf Zinspapieren und -instrumenten von 3,7 Milliarden Franken zusammen.

Auf dem mengenmässig unveränderten Goldbestand entstand laut SNB im Neunmonatszeitraum ein Bewertungsgewinn von 5 Milliarden Franken. Das Gold wurde per 30. September zu 47'089 Franken pro Kilogramm gehandelt; das waren 4'800 Franken mehr als zu Jahresbeginn.

Die Frankenpositionen haben für die ersten drei Quartale 2011 zu einem Aufwandüberschuss von 148 Millionen Franken geführt. Massgebliches Element hier war der Aufwand von rund 307 Mio für die Repo-Geschäfte und die Schuldverschreibungen (SNB Bills).

Stabilisierungsfonds: Darlehen und Gesamtrisiko reduziert

Das Darlehen an den Stabilisierungsfonds konnte laut Mitteilung im Berichtszeitraum auf 7,9 Milliarden  von 11,8 Milliarden Franken reduziert werden, und das Gesamtrisiko ging auf rund 8,7 Milliarden von knapp 14 Milliarden Franken zurück. Der Stabilisierungsfonds weist für die ersten drei Quartale 2011 einen Gewinn von 1'306 Millionen Dollar aus, der Beitrag zum Konzernergebnis beläuft sich auf 573 Millionen Franken.

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Das Ergebnis der SNB ist bekanntlich überwiegend von der Entwicklung der Gold-, Devisen und Kapitalmärkte abhängig. Starke Schwankungen sind deshalb die Regel, und Rückschlüsse auf das Jahresergebnis können laut SNB nur bedingt gezogen werden. Zum heutigen Zeitpunkt könnten denn auch noch keine Aussagen darüber gemacht werden, ob es für 2011 zu einer Dividendenzahlung an die Aktionäre sowie einer Ausschüttung an den Bund und die Kantone kommen wird, so die SNB.

Die Rückstellungen für Währungsreserven der Nationalbank seien Ende letzten Jahres weniger stark als vorgesehen erhöht worden, und die Gewinnausschüttungsreserve sei deutlich in den negativen Bereich gesunken. Der Aufbau von Rückstellungen sei in dieser Situation daher prioritär, meint die Nationalbank.

Das Eigenkapital des SNB-Stammhauses beträgt derzeit rund 45 Milliarden Franken. In diesem Zusammenhang betont die Nationalbank einmal mehr, dass sie selbst bei vorübergehend negativem Eigenkapital uneingeschränkt handlungsfähig bleibe. Aufgrund der starken Währungsverluste war das Eigenkapital der SNB vorübergehend stark geschrumpft, was zu Diskussionen Anlass gegeben hatte, die SNB könnte ihre Handlungsfähigkeit dadurch verlieren.

(vst/kghawp)