Um die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer auf das Referat von Rolf Wunderer sowie die anschliessende Diskussion einzustimmen, erzählte Irene Briner, Präsidentin der Schweizerischen Märchengesellschaft, auf unterhaltsame Art das Märchen «Der gestiefelte Kater». Dieses gab dem neuen Buch von Wunderer den Titel. Er schrieb das Buch, weil sich die Managementlehre bisher noch kaum mit Märchen beschäftigt hat.

In der anschliessenden Diskussion wollte der Gesprächsleiter Markus Sulzberger, Präsident der SGO-Stiftung, wissen, was Unternehmer aus Märchen lernen können. «Den Visionen Glauben schenken», antwortete Florian Schweitzer, Mitgründer und Partner von BrainsToVenture. Auch wenn man sich schwer vorstellen könne, dass aus dem Frosch einmal ein König werde, sage man sich da: «Dann küss ich halt den Frosch.»

Der emeritierte Professor und Buchautor Rolf Wunderer fand in der «goldenen Regel» den wichtigsten Führungsgrundsatz. Dieser heisst «Wie du mir, so ich dir» und stammt aus dem Märchen «Der Grossvater und der Enkel». Der Junge sagt zu den Eltern, dass sie den Grossvater so behandeln sollen, wie sie selber im Alter behandelt werden möchten.

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Laut Märchenerzählerin Irene Briner sind Märchenhelden sozialkompetent, gehen Vereinbarungen ein und lassen sich helfen. «Sich helfen lassen könnte ein Mangel sein im Management», meint Briner und fügt hinzu: «Hilfe annehmen zeichnet Helden aus.» Ausserdem würden die Märchen Gemeinschaft schaffen, was auch für Firmen interessant sein könnte.

Stephan Wittmann, Leiter Human Resources beim Konzern Georg Fischer, sieht denn auch das Team als Basis für wirtschaftlichen Erfolg. Daher sieht er es als Schwäche an, dass man in Europa stärker auf den Einzelnen fokussiert ist als in Asien, wo das Team im Vordergrund steht: «Berühmte CEO arbeiten bei nicht-erfolgreichen Unternehmen.»