Marianne Bürgi, seit vier Monaten CEO von NeMo Devices, ist derzeit nicht oft in ihrem Büro im Technopark Zürich. Nach dem Gewinn des ZKB Pionierpreises 2008 und dem zweiten Rang beim Venture 2008 stehen die Geldgeber beim Jungunternehmen Schlange – oder? «Die Auszeichnungen waren eine gute Plattform und haben uns wirklich geholfen, den Bekanntheitsgrad zu steigern», erklärt Bürgi, «seither sind wir mit mehreren potenziellen Investorengruppen im Gespräch.»

Die Geschäftsführerin macht jedoch gleich klar, dass man nicht einfach nur grosszügige Gönner suche, sondern klare Vorstellungen von den künftigen Partnern habe: «Die Venture Capitalists müssen Erfahrungen mit Start-ups in der Medizinaltechnologie haben und wissen, wie man eine Firma verkaufen oder ausbauen kann. Zudem ist die Chemie zu den Investoren wichtig, weil sie im Verwaltungsrat Einsitz nehmen werden.» Eine Voraussetzung dafür erfülle man: Die GmbH werde in eine AG umgewandelt.

Zur Marktreife nur in drei Jahren

Für Kapitalgeber besonders verlockend sei die schnelle Marktreife, die NeMo Devices bis Mitte 2010 erreichen wolle, sprich nach nur drei Jahren. «Im Medtech-Bereich geht das viel schneller als etwa im Biotech-Bereich», sagt Bürgi. NeMo Devices wurde Anfang 2007 als Spin-off der Universität Zürich und der ETH Zürich gegründet. Die Initiantin war Emanuela Keller, Leitende Ärztin der Neuro-Intensivstation am Universitätsspital Zürich. Die Firma sei eine Weiterentwicklung ihrer 15-jährigen Forschungsarbeit. Bürgi ergänzt: «Unsere Gründerin hat den Sprung von der Wissenschaft ins Geschäftsleben gemacht.»

Anzeige

Zurück zur Finanzierung: Dank den beiden Innovationspreisen sei man nicht unter Zugzwang, so Bürgi. «Wir sind bis Ende Jahr finanziert, so lange haben wir Zeit, die passenden Investoren zu finden.» Dies sei ein intensiver Prozess. Bis zur Erreichung des Breakeven sucht man laut Bürgi rund 5 Mio Fr. Die vielversprechendsten Kontakte habe man an den Venture Events gehabt.

Das rege Interesse der Investoren führt sie auch auf die medizinische Notwendigkeit sowie den medizinischen Nutzen der Erfindung von NeMo Devices zurück: «Einfach gesagt, haben wir eine Methode ent-wickelt, bei der man mit Hilfe von Licht messen kann, wie viel Blut in Volumen pro Zeit durch das Hirn fliesst.» Dass man den Blutfluss in absoluten Werten mit kritischen Grenzwerten – Letztere seien entscheidend für das frühzeitige Erkennen und Behandeln von Durchblutungsstörungen – ermitteln könne, sei die Neuheit. Die Innovation kann gemäss Bürgi vor allem die Überlebensqualität von Schlaganfallpatienten entscheidend beeinflussen. Alleine in den anvisierten Zielmärkten Europa, USA und Japan seien im Jahr 2,5 Mio Patienten betroffen.

Erste Prototypen bis November

Das System von NeMo Devices besteht aus zwei Elementen: Zum einen ist es ein Gerät, englisch «device», dass Licht senden und empfangen kann. «Dieses Spektrometer plus unsere Software ist die Basisanschaffung», sagt Bürgi. Zum anderen ist es das Zubehör, das auch den Firmennamen erklärt: Es geht um die optische Überwachung der Hirndurchblutung und Sauerstoffversorgung, englisch «neuro monitoring», kurz «nemo». Beim Verbrauchsmaterial gibt es zwei Formen: Pflaster, die auf die Kopfhaut geklebt werden, oder millimeterdünne Sonden, die ins Hirngewebe eingelegt werden. «Diese Einmalgebrauchsgegenstände werden unsere Umsatzträger.»

Bürgi weiter: «Bis in zwei Jahren wollen wir in der Schweiz in Serienproduktion gehen und die Marktfreigabe in Europa erlangen. Die Basisforschung ist bereits abgeschlossen und der Tatbeweis ist erbracht, dass unser Prinzip funktioniert.» Für die Forschung zur Weiterentwicklung der Produkte finanziere die Förderagentur für Innovation des Bundes (KTI) ab Juli 2,5 Vollzeitstellen über die Universität Zürich und die ETH Zürich. Das Personal werde nun gesucht. «Parallel dazu arbeiten wir an den ersten Prototypen, die ab November in klinische Studien gehen.»