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Wechselkurs
Darum verlagert Sonova Schweizer Jobs ins Ausland

Der Hörgeräte-Hersteller verschiebt 100 Schweizer Jobs nach England und China. Grund sei der starke Franken. Doch der Währungsschock spielte Sanova in einer besonderen Hinsicht auch in die Karten.

Veröffentlicht am 02.03.2015

Der Hörsystem-Hersteller Sonova reagiert auf den starken Franken und senkt seine Kosten in der Schweiz. Dies soll vor allem durch Produktionsverlagerungen ins Ausland geschehen. Gleichzeitig baut Sonova sein Geschäft in Deutschland mit einer Akquisition aus. Mit diesen als strategisch bezeichneten Schritten soll die Führungsposition Sonovas gestärkt werden.

Ein Teil der Fertigung werde von Stäfa in andere, bestehende Zentren in Grossbritannien und China verlagert, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. «Die Produktion strategisch wichtiger Kernkomponenten wie Elektronik oder Spritzgussteile bleibt in der Schweiz», sagte Geschäftsleiter Lukas Braunschweiler. Die Verlagerung soll schrittweise im Laufe des kommenden Geschäftsjahres erfolgen.

SNB-Entscheid zwingt Sonova zum Handeln

Von den Produktionsverlagerungen seien rund 100 Stellen in der Schweiz betroffen. Dabei sei trotz Abfederungsmassnahmen wie Frühpensionierungen und natürlicher Fluktuation mit Entlassungen zu rechnen, sagte Braunschweiler weiter. Insgesamt beschäftigt Sonova in der Schweiz 11 Prozent seiner weltweit rund 10'000 Mitarbeiter.

Die betroffenen Stellen sollen zu je rund der Hälfte ins englische Manchester und in die ostchinesische Stadt Suzhou verlagert werden. Sonova verfolgt seit 2011 eine weltweite Kosten-Strategie. Seither hielt der Konzern seine Mitarbeiterzahl in der Schweiz bei rund 1100 Stellen mehr oder weniger stabil. Mit dem Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB) Mitte Januar, den Euro-Mindestkurs aufzuheben, sei jedoch Sonova gezwungen worden, die Kosten am Schweizer Standort zu senken.

Nicht mehr Lohn für Konzernführung

Zu den Massnahmen gehört auch der Entscheid, die Gesamtlohnsumme im Jahr 2015 für das Management und die Mitarbeiter in der Schweiz nicht zu erhöhen sowie weitere Anstrengungen zur Senkung der Beschaffungskosten. Weiter werde ein Abgang in der Geschäftsleitung nicht ersetzt. Der bisherige Verantwortliche für das Marketing, Maarten Barmentlo, habe sich entschieden, das Unternehmen zu verlassen. Sonova nehme die Gelegenheit wahr und straffe die Managementstruktur.

«Wir haben insgesamt einen Anteil der Kosten in Schweizer Franken von etwa 20 Prozent», sagte der CEO weiter. Mit den Massnahmen soll der Anteil der Kosten in der Schweiz um 5 Prozent gesenkt werden. Insgesamt beliefen sich die Kosten in Schweizer Franken auf rund 300 Millionen jährlich, damit sollen also etwa 15 Millionen eingespart werden. Die daraus entstehenden Aufwendungen bezifferte Braunschweiler auf «einen mittleren einstelligen Millionenbetrag».

Ausbau in Deutschland

Zugleich gibt Sonova den Kauf der Hansaton Akustik in Hamburg bekannt. «Mit Hansaton erwerben wir den dritten Hörgeräte-Brand» (neben Phonak und Unitron), sagte der CEO weiter. Die Firma sei ein sehr etabliertes Unternehmen mit einem Umsatz von 42 Millionen Euro und rund 200 Mitarbeitern.

Hansaton habe ein komplettes Angebot von Hörgeräten, das zu der eigenen Produktplatte komplementär sei, und soll als unabhängiges Grosshandelsunternehmen weitergeführt werden. Über den Kaufpreis des familiengeführten Unternehmens sei Stillschweigen vereinbart worden. «Es war eine für uns sehr attraktive Gelegenheit», so Braunschweiler. Mit anderen Worten: Beim Zukauf spielte der günstige Eurokurs Sonova in die Karten.

Eurokurs macht Zukauf günstiger

Konzern-Chef Braunschweiler betonte zwar, dass der Franken-Euro-Kurs für das Unternehmen eine grosse Belastung sei. Dennoch liess er durchblicken, dass man im Falle der Übernahme von Hansaton sicherlich «gewisse Vorteile» gehabt habe.

Darüber hinaus sei Sonova zum Schluss gekommen, dass eine direkte Marktpräsenz im Detailhandelsgeschäft «ein grundlegender Bestandteil der Strategie in Deutschland» werden soll. Der Besitz der zwei Retailketten Vitakustik und Fiebing Hörtechnik biete eine solide Basis hierfür. Gleichzeitig sollen aber die unabhängigen Audiologen weiter unterstützt werden.

Hintergrund des Ausbaus des Retailgeschäfts in Deutschland ist gemäss Braunschweiler unter anderem das starke Wachstum des Hörgeräte-Marktes nach dem Wechsel der Vergütungspolitik der Krankenkassen im Jahr 2013 und die damit verbundene Nachfrage nach einfacheren Hörgeräten.

Aktie notiert fester

Zudem seien die Preise im Grosshandelsgeschäft innerhalb der vergangenen sieben Jahre auf nun etwa 220 Euro pro Gerät gesunken, während die Retailpreise unabhängiger Audiologen stabil geblieben seien. Letztere machten zusammen mit Einkaufsgemeinschaften und Grosskunden etwa 70 Prozent des Marktes aus, 30 Prozent würden auf globale Grosskunden entfallen.

An der Börse begrüssen die Anleger die News, die von Analysten mehrheitlich als leicht positiv beurteilt werden. Die Sonova-Aktie notiert gegen Mittag in einem kaum veränderten Gesamtmarkt um rund 1 Prozent höher auf 133.40 Franken. Im bisherigen Jahresverlauf hatte der Titel bis am Freitagabend allerdings um 10 Prozent verloren, vergangenes Jahr indessen um gut 22 Prozent zugelegt.

(dbe/mit Material der awp)

 

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