Syngenta hat einen neuen Chef – Erik Fyrwald. Die Ernennung des US-Amerikaners kommt zu einem überraschenden Zeitpunkt, mitten in der Übernahme durch den chinesischen Staatskonzern ChemChina. Bisher warb Interims-CEO John Ramsay bei den Anlegern für die Akzeptanz des Verkaufs.

Die Frage ist: Wie bedeutend ist der Chefwechsel an der Syngenta-Spitze? Schliesslich sitzen – spitz formuliert –  in Zukunft andere am Drücker. Man darf davon ausgehen, dass Ren Jianxin, der Vorsitzende von ChemChina, seine Zustimmung zur Positionierung Fyrwald gegeben hat. Auch wenn der Entscheid formell derjenige des aktuellen Verwaltungsrats unter Präsident Michel Demaré war.

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Zudem ist zu vermuten, dass sich auch Erik Fyrwald bei den möglichen künftigen Besitzern des Unternehmens abgesichert hat, ob sie im Falle eines erfolgreichen Abschlusses der Übernahme mit ihm zusammenarbeiten wolle.

Druck von Seiten der Investoren zu gross

Nicht zum Zug kommt damit Ad-interim CEO Jon Ramsay. Der Finanzchef hatte nach dem Abgang von Mike Mack im Vergangenen Herbst übernommen. Damals wäre er für eine definitive Nachfolge an der Konzernspitze kaum in Frage gekommen. Zu gross war der Druck der Investoren für eine Veränderung. Das hat sich mit dem Angebot von ChemChina geändert. Trotzdem ist es nun zu einer externen Lösung gekommen.

Ein Pluspunkt von Fyrwald ist dessen langjährige Erfahrung bei US-Chemiekonzern DuPont und als Chef von Univar. Ein CEO aus Nordamerika und speziell eines nordamerikanischen, auf den Chemiegrosshandel fokussierten Unternehmens könne Syngenta bei den Gesprächen mit den US-Behörden bezüglich des Verkaufs  an ChemChina hilfreich sein, merkt dazu Markus Mayer von Baader Helvea an.

Zustimmung der USA ist grösste Unbekannte

Die Zustimmung aus den USA ist die grösste Unbekannte bei der geplanten Syngenta-Übernahme. Offen ist, ob CFIUS, das Committee on Foreign Investment in den USA, zustimmt. Die Regierungseinheit überprüft den Deal darauf, ob er gegen sicherheitspolitische Interessen der USA verstösst.

Auf Investorenseite wird vermutet, dass der Syngenta-Kauf inzwischen auf höchster Regierungsebene zwischen Washington und Peking verhandelt wird. Das mögliche Tauschgeschäft: Die amerikanische Regierung gibt den chinesisch-schweizerischen Deal frei. Dafür öffnet Peking den chinesischen Agrarmarkt für die amerikanischen Saatgutkonzerne.

Abschluss des Deals nicht vor Jahresende

Mit einem Entscheid der CFIUS wird noch vor den Sommerferien gerechnet. Wettbwerbsrechtlich dürfte die Übernahme kaum Probleme aufgeben und selbst wenn: Die Chinesen haben signalisiert, dass sie bereit sind, ihre im Pestizidgeschäft tätige israelische Tochter Adema zu verkaufen, sollte es wettbwerbsrechtliche Probleme geben.

Auch bei einer Zustimmung des CFIUS dürfte es noch eine Weile dauern, bis der Deal abgeschlossen ist. Mit einem Closing ist nicht vor Ende Jahr zu rechnen. Die Skepsis ist nach wie vor gross bei den Investoren, der Aktienkurs liegt noch immer deutlich unter dem chinesischen Angebot. Die Nachricht des Wechsels an der Spitze hat den Kurs heute kaum bewegt.

Geglückte Personalie

Die Personalie zumindest gilt als geglückt:  Fyrwald sei «eine wirklich gute Wahl», sagte Mark Garrett, CEO von Borealis gegenüber Bloomberg. Er hat bei DuPont unter Fyrwald gearbeitet. Garrett meint: Fyrwald «ist schon eine ganze Weile dabei und kennt auch die Sparte Agrikultur gut».

Erhalten bleibt Syngenta auch Interimschef John Ramsey. Der langjährige Finanzchef wird auf seinen alten Posten als CFO zurückkehren.