Die aktiv gemanagten Fonds sollten besser abschneiden als die Indexfonds. In der Realität vermag aber nur eine Minderheit diese Benchmark an den Börsen zu schlagen. Was läuft da falsch?

Alfred Strebel: Das aktive Management ist eine Kunst. Es braucht besondere Fähigkeiten, um den angestrebten Mehrwert, das sogenannte Alpha, auch wirklich zu realisieren. Zudem gibt es nicht für jedes Universum, in das ein Anleger investieren möchte, auch eine Indexlösung. Die Investoren müssen jene Fondsgesellschaften ausfindig machen, die über eine bestimmte Zeitperiode hinweg eine solche Outperformance erzielen.

Verschwinden Fonds, die durchwegs eine miserable Performance erzielen?

Strebel: Ja, der Markt und die Konkurrenz sollten in diesem Fall spielen.

Zu Beginn dieses Jahres gab es eine markante Korrektur an den Aktienmärkten. Bei sinkenden Kursen dürfte es für die Fondsbranche schwierig sein, eine positive Performance auszuweisen?

Strebel: Das aktuelle Umfeld ist für jeden Fondsmanager eine enorme Herausforderung. Wir haben beobachtet, dass beträchtliche Mittel in Geldmarktfonds geflossen sind. Der Anlagehorizont ist bei einem Fonds aber nicht auf drei Monate, sondern auf drei Jahre und mehr ausgerichtet.

Ist die Flucht in Geldmarktfonds nur eine kurzzeitige Reaktion?

Strebel: Dieses Verhaltensmuster erstaunt nach einem fast fünfjährigen Boom an den Aktienmärkten nicht. Clevere Investoren haben in dieser Zeit sehr viel Geld verdient. Allerdings ist es bei Seitwärtsbewegungen an den Börsen nicht einfach, den richtigen Einstiegszeitpunkt zu finden.

Wie reagieren Sie als Fondsanbieter auf die unsichere Situation an den Finanzmärkten?

Strebel: Es gibt einen Hang zu Garantieprodukten. Man will dem Investor ein limitiertes Verlustrisiko offerieren. Das ist aber nicht gratis. Eine Studie von Prof. Uwe Wystrup von der Frankfurt School of Finance & Management kommt zum Schluss, dass Garantien im Fondsbereich über eine Dauer von 25 Jahren, mehr als die Hälfte der Rendite kosten, die mit vergleichbaren Aktienfonds erzielt worden wäre.

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Welche Rolle spielt bei Ihnen der Kapitalschutz?

Strebel: Wir bauen den Kapitalschutz ein, wenn er nicht zu teuer wird. Gleichzeitig muss der Investor die Möglichkeit haben, von einer Aufwärtsbewegung an den Börsen zu profitieren.

Das Stock Picking ist für die Fondsmanager aber schwieriger geworden.

Strebel: Ja, das ist in der gegenwärtigen Marktkonstellation keine einfache Aufgabe. Die Fondsmanager müssen von der nachhaltigen Ertragskraft der ausgewählten Unternehmen überzeugt sein, auch wenn sich zwischenzeitlich beträchtliche Kursverluste für diese Titel ergeben können. Zahlreiche Manager haben mir in den letzten Wochen erklärt, dass sie bei mehr verfügbarem Geld gute Anlagemöglichkeiten gehabt hätten. Bei teils massiv zurückgestuften Aktien haben sich auf eine längere Frist ausgezeichnete Einstiegschancen ergeben.

Bei den volatilen Notierungen am Aktienmarkt könnten Hedge-Fonds für Abhilfe sorgen?

Strebel: Unsere Portfolio-Manager können die Volatilität in einem Titel ebenfalls ausnutzen. Das ist nicht ein Privileg der Hedge-Fonds-Leute. Wir haben einige Produkte, die ebenfalls Leerverkäufe tätigen können. Dabei ist es allerdings wichtig, mit den richtigen Aktien «short» zu gehen.

Verfügt Fidelity über die neue Kategorie der 130/30-Fonds?

Strebel: Wir haben Produkte mit einem ähnlichen Charakter. Man muss bei diesen Long/Short-Vehikeln aber einen disziplinierten Modellansatz verfolgen. Bei den bestehenden und geplanten Finanzinstrumenten gibt es einen Mix zwischen unserem fundamentalen Aktienresearch und quantitativen Opportunitäts-Modellen.

Wie soll sich der Anleger in diesen unsicheren Zeiten verhalten?

Strebel: Das hängt von seinem persönlichen Risikoprofil ab. Je nach Risikoneigung, ob eher konservativ oder aggressiv, wird er seine Anlagen tätigen. Auch im jetzigen Umfeld ist es sinnvoll, über Positionen im Aktienmarkt zu verfügen.

Für den Investor ist es aber bei der Flut an Anlagefonds nicht einfach, den Überblick zu behalten.

Strebel: Die Distributoren unserer Produkte verfügen über das nötige Wissen, um ihre Kunden richtig zu beraten. Generell sollte ein Anleger auf eine starke Gegenpartei setzen.

Welche Grundsätze gilt es bei der Fondswahl zu beachten?

Strebel: Zunächst sollte sich ein potenzieller Anleger darüber informieren, wie lange und wie erfolgreich eine Fondsgesellschaft bereits am Markt ist. Zudem muss man die Risikofaktoren innerhalb eines Anlagefonds kennen. Eine wichtige Rolle spielt auch die Liquidität: Kann der Fondsanteil jederzeit verkauft werden oder gibt es Lock-up-Perioden von drei oder sechs Monaten?

Und wie sieht es mit der Diversifikation aus?

Strebel: Die Portfoliotheorie lehrt uns, dass dies ein entscheidendes Kriterium ist. Der Investmentfonds kommt dieser Anforderung nach, weil er im Gegensatz zur Einzelanlage breit diversifiziert ist.

Spricht das für ein Engagement in einem global investierenden Fonds?

Strebel: Das hängt davon ab, wie stark sich ein Investor spezialisieren möchte. Für den Anleger ist jedes Klumpenrisiko gefährlich. Deshalb macht eine weltweite Diversifikation durchaus Sinn.

Gewinnt die Value-Strategie, das gezielte Herauspicken von unterbewerteten Aktien, nach der massiven Kurskorrektur wieder an Bedeutung?

Strebel: Auch bei den sogenannten Value-Aktien muss der Fondsmanager die richtigen wählen. Nur wer abschätzen kann, wo sich das Wachstum abspielt, kann auch eine erfolgreiche Value-Strategie fahren.

Viele Fondsmanager setzen derzeit auf die grosskapitalisierten Aktien. Gilt das auch für Fidelity?

Strebel: Ja, wir haben bereits im letzten Jahr auf die Large Caps gesetzt. Diese Gesellschaften sind bezüglich der Bewertung attraktiver geworden. Dazu kommt, dass der Anleger in unsicheren Zeiten mit einem grosskapitaliserten Titel besser bedient ist, weil die Liquidität immer gegeben ist.

Mit den Target Funds oder Lifecycle Funds hat Fidelity in Europa Neuland beschritten. Wie hat sich die Nachfrage entwickelt?

Strebel: Diese Anlagen wurden bisher zu wenig nachgefragt. Das mag mit der Vermarktung zusammenhängen, steht aber auch in Verbindung mit dem Langfristigkeitscharakter des Produktes. In der Schweiz muss noch mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden, um diese Vorsorgeinstrumente verständlicher zu machen.

Diese Produkte, bei denen in der ersten Lebensphase in Aktien und im höheren Lebensalter in festverzinsliche Papiere investiert wird, müssten vor allem bei der älteren Generation Anklang finden?

Strebel: Ja, das ist eine Zielgruppe. Diese Produkte sind aber speziell auch auf die jüngere Generation zugeschnitten. Damit kann eine drohende Vorsorgelücke aufgrund der demografischen Veränderungen verhindert werden.

Sind neue Vorsorgeinstrumente für das Segment der wohlhabenden Frühpensionäre in Vorbereitung?

Strebel: Wir entwickeln derzeit ein Produkt, das mit einer Höchststandgarantie ausgestattet ist. Es startet in den EU-Ländern Deutschland und Österreich und sollte im nächsten Jahr auch für die Schweiz bereit sein.

In Deutschland und England bietet Fidelity die Fonds direkt dem Endkunden an. Weshalb geschieht das in der Schweiz nicht?

Strebel: Das hängt mit dem vergleichsweise kleinen Markt zusammen. In Frankreich haben wir diesen Schritt hin zum Direktgeschäft nun auch gemacht. Demgegenüber würden wir in der Schweiz unsere Vertriebspartner, wie Banken, Asset- Manager und Versicherungen, unmittelbar konkurrenzieren. Der Endkunde ist bei uns noch sehr stark mit seiner Bank oder dem Vermögensverwalter verbunden.

Könnte der Direktvertrieb künftig ein Thema sein?

Strebel: Ja, das wird laufend geprüft. Es gehört zu den Idealvorstellungen des Vertriebs, die Kunden direkt zu kennen.

Im Ausland gibt es die Fonds-Supermärkte, die über das Internet verkaufen. Kommt das auch in der Schweiz?

Strebel: Diese Geschäftsform hat sich in England und Deutschland bereits etabliert. Ich kann mir vorstellen, dass sich dieser Verkauf per Internet früher oder später auch in der Schweiz durchsetzt.

Die Versicherungen müssen bei den fondsbasierten Produkten aktiv sein. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Fondsanbietern?

Strebel: Aus meiner Sicht müsste sich die Kooperation zwischen Versicherern und Fondsgesellschaften wesentlich enger gestalten. Von der Assekuranz kommt die Kernkompetenz der Garantie, während die Fondsproduzenten ihre Stärken auf der Investmentseite haben. Eine nähere Verbindung zu den Versicherungen würde ich schätzen, und sie würde auch sehr viel Sinn machen.