«Ein Jahr zum Vergessen», titelte Finanzanalyst Patrik Schwendimann seinen Kommentar zum abgelaufenen Geschäftsjahr 2007 von Emmi. Damit es heuer nicht wieder zu solchen Bemerkungen kommt, will der grösste Schweizer Milchverarbeiter seine Reingewinnmarge über 2% hieven. Alles, was dieses Ziel in Frage stellen könnte, sorgt am Hauptsitz in Luzern für Unruhe. So auch die vor kurzem angekündigte Erhöhung des Milchpreises um 6 Rp. pro kg für das 2. Halbjahr.

Zwar kann die Preissteigerung im Inland dem Detailhandel und damit den Konsumenten überwälzt werden – was rund 60% der Industriemilch entspricht. Die restlichen 40% werden jedoch in Form von verarbeiteten Produkten ins Ausland abgesetzt oder an industrielle Abnehmer weiterverkauft (3%). Hier muss Emmi die Preise separat durchsetzen.

Emmi ist gefordert

«Die Marge international trotz des höheren Milchpreises zu halten, wird uns fordern», sagt Emmi-Sprecherin Ruth Stadelmann. Die entsprechenden Vorbereitungen für die Realisierung seien angelaufen und würden einige Zeit beanspruchen. «Solche Schritte lassen sich nicht von heute auf morgen umsetzen.» Dennoch ist Stadelmann optimistisch: «Wir erwarten in Europa für das 2. Halbjahr einen steigenden Milchpreis.» Dies würde Emmis Wettbewerbsfähigkeit wieder verbessern. Inwieweit Preiserhöhungen aber durchgesetzt werden können, ist von Land zu Land unterschiedlich.

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Ins gleiche Horn stösst Christoph Grosjean von den Schweizer Milchproduzenten SMP: «Wir gehen für die nächsten Monate von einem höheren Milchpreis aus.» Damit würde sich das Jahr 2007 wiederholen, wenn auch in abgeschwächter Form: Damals liess das knappe Rohstoffangebot in Europa die Preise in die Höhe schnellen. Produkte wie Magermilchpulver wurden teuer wie nie zuvor und veranlassten Milchproduzenten, ihr begehrtes Gut statt an Käsereien an die Industrie zu verkaufen.

Ganz so dramatisch wie vor einem Jahr wird 2008 kaum – auch wenn sich Emmi das wohl wünschen würde. Das Gegenteil, nämlich sinkende Milchpreise in Europa, könnten die angestrebten Margenziele verunmöglichen.