Im Zusammenhang mit der von der deutschen Regierung gekauften Kundendaten-CD tauchen immer wieder Gerüchte rund um die Zürcher Vontobel-Gruppe auf. Die Datenträger sollen auch Informationen über ihre Kunden enthalten.

Was halten Sie davon, dass CD mit Bankkundendaten von Regierungen gekauft werden?

Peter Fanconi: Ich finde es äusserst befremdlich und ernüchternd, wie hier versucht wird, den Schweizer Finanzplatz zu destabilisieren.

Im Zusammenhang mit der gekauften CD wird auch immer wieder darüber spekuliert, dass es sich dabei um Vontobel-Daten handelt. Können Sie dies bestätigen?

Fanconi: Unser Name ist meines Wissens bis dato nicht genannt worden. Unabhängig davon verfügen wir im Moment über keinerlei Anzeichen oder Indizien darüber, dass Daten aus unserem Haus entwendet worden sind.

Wird das Thema rund um die Kundendaten viel zu stark hochgekocht?

Fanconi: Unbestritten ist sicher, dass die Diskussion derzeit stark angeheizt wird. So ist heute niemand mehr vor Gerüchten gefeit, was zu einer erhöhten Nervosität führt. Diese Nervosität kommt der deutschen Regierung gelegen. Die Folge sind weitere Selbstanzeigen.

Sind Ihre Kunden nervös?

Fanconi: Die Verunsicherung hat zugenommen. Die Kommunikation spielt in einem solchen Umfeld deshalb eine besonders wichtige Rolle. Dieser Prozess kann aber nicht kurzfristig eingeleitet werden, sondern hat einer konsequenten, langfristigen Beratungslogik zu folgen. Vertrauen ist hier ein Schlüsselbegriff.

Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Angestellten keine internen Daten mitgehen lassen?

Fanconi: Vontobel hat grosse Investitionen in den Ausbau der technischen Datensicherung getätigt. Letztlich geht es aber um die Integrität der Mitarbeitenden. Eine absolute Sicherheit wird es darum nie geben.

Ein weiteres Land, das gegen den Schweizer Finanzplatz schiesst, sind die USA, vor allem im Zusammenhang mit der Grossbank UBS. Ist das Bankkundengeheimnis nun definitiv tot?

Fanconi: Nein, bestimmt nicht. Im Vordergrund steht nach wie vor der Schutz der Privatsphäre. Deshalb ist der automatische Informationsaustausch auf jeden Fall abzulehnen. Ich denke aber, dass die offizielle Schweiz ihren Standpunkt hier noch klarer machen muss.

Ist der hiesige Bankenplatz überspitzt gesagt überhaupt profitabel ohne Schwarzgeld?

Fanconi: Selbstverständlich. Neben dem klassischen «Onshore»-Geschäft - das Banking vor Ort -, das weiterhin an Bedeutung gewinnt, wird es immer Regionen und Länder geben, in denen Steuerfragen eine untergeordnete Rolle spielen. Im Vordergrund steht hier vielmehr der legitime Schutz der Privatsphäre.

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Auch in den USA?

Fanconi: Die USA sind nach wie vor ein sehr interessanter Markt. Hier prüfen wir derzeit, wie wir US-Kunden künftig mit einer langfristigen Lösung betreuen und begleiten können. Ich bin überzeugt, dass das «Onshore»-Geschäft im Rahmen der gesetzlichen Richtlinien nach wie vor grosse Opportunitäten bietet.

Die Fokussierung auf die Bankgeschäfte vor Ort dürfte die Finanzinstitute in den einzelnen Märkten in Bedrängnis bringen. Wie gross ist derzeit die Konsolidierungswelle?

Fanconi: Die Branchenkonsolidierung ist nicht neu. Sie hat sich bestenfalls akzentuiert. Eine Folge davon ist beispielsweise die Übernahme der Commerzbank Schweiz durch unser Haus. Generell werden Finanzunternehmen aufgrund der zunehmenden Regulatorien künftig vermehrt mit steigenden Kosten bei gleichzeitig sinkender Rentabilität zu kämpfen haben.

Für 2009 erzielte die Privatbank Julius Bär einen Gewinn von über 470 Mio Fr. Womit wird die Vontobel-Gruppe die Investoren überraschen?

Fanconi: Dazu möchte ich mich zu diesem Zeitpunkt noch nicht äussern.