Die Komplexität bei der Vermögensanlage hat in den letzten Jahren massiv zugenommen. Die Zeiten, in denen sich das Anlagespektrum weitgehend auf Aktien und Obligationen beschränkte, sind längst vorbei. Dank derivativen Instrumenten kann heute jedes beliebige Finanzinstrument, jede denkbare Anlagestruktur und jede Investitionsstrategie synthetisch hergestellt und in ein Produkt gegossen werden.

Falsche Anreize

Parallel dazu wurde in den letzten Jahren die Anlagepalette bei den Anlagefonds und Beteiligungsinstrumenten massiv ausgebaut. So gehören Aktiv- und Passivstrategien zum Standardsortiment; länderspezifische Produkte stehen gleichberechtigt neben Sektor- und Themenfonds. Deutlich erweitert wurden die Angebote im Bereich der alternativen Anlagen: Hedgefonds, Private Equity, Immobilien und Rohstoffe sind hier die Stichworte. Die Zahl der Anbieter und der vertriebenen Produkte nimmt im Gegensatz zu allen Voraussagen permanent zu.

Im Dschungel der Vermögensanlagen kommt der umfassenden Beratung eine immer wichtigere Rolle zu. Die Beratung bei den Banken ist heute kostenlos. Deshalb hat der Kunde das Gefühl, von einer «Gratis-Dienstleistung» zu profitieren. Er kümmert sich nicht darum, dass er die Rechnung auf anderen Wegen bezahlt.

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Werden nämlich Beratungsdienstleistungen indirekt in Form von Courtagen, Depotgebühren, Produkteverwaltungs- und -erstellungskosten oder Vertriebskommissionen (sogenannten Retrozessionen) abgegolten, stehen nicht mehr allein die Interessen der Kunden im Zentrum. Stattdessen erfolgen Strategieberatung, Anlageempfehlungen und Portfo- liobewegungen häufig ertragsorientiert im Interesse der Bank. Die Kunden können nicht mehr sicher sein, ob die Beratung auf unabhängigen Analysen basiert oder ob Empfehlungen die Folge falscher Anreize sind. Die jüngste Finanzkrise hat dem Bankensektor nicht geholfen, die notwendige Vertrauensposition gegenüber den Kunden zu stärken. Es fand im Gegenteil eine Entfremdung zwischen Banken und Kunden statt, welche nur durch Transparenz, Leistung und Qualitätsdenken wieder wettgemacht werden kann.

Lösungsorientierte Partnerschaft

Die Branche der unabhängigen Vermögensverwalter ist mit über 2600 Akteuren, gegen 10 000 Beschäftigten und betreuten Vermögenswerten von rund 500 Milliarden Franken ein wesentlicher Faktor im Private-Banking-Geschäft der Schweiz.

Die Branche der unabhängigen Vermögensverwalter ist jedoch genauso heterogen aufgestellt wie jene der Banken. Die Unabhängigkeit wird dabei häufig als Ausdruck der Bankunabhängigkeit verstanden. Moderne Beratungskonzepte basieren jedoch auf einer lösungsorientierten Partnerschaft zwischen Kunde und Berater, die in letzter Konsequenz viel weiter geht. Unabhängigkeit wird so zum Kernstück der modernen Vermögensberatung.

Die Voraussetzung dazu ist der konsequente Verzicht auf Retrozessionsvereinbarungen, Umsatzbeteiligungen und Finders Fees. Zukunftsgerichtete Vermögensverwalter arbeiten stattdessen mit transparenten Entschädigungsmodellen. Dabei erfolgt die Vergütung ausschliesslich und direkt von den Kunden - dies in Form von Pauschalvergütungen oder zeitbasierter Honorarberatung. Der so aufgestellte unabhängige Vermögensverwalter ist nur seinen Kunden gegenüber verpflichtet. Die Kunden profitieren dabei von Nettopreisen bei den Banken und Produkteanbietern.

Die so definierte Unabhängigkeit erfordert den höchsten Anspruch an die Beratungsqualität. Dies ermöglicht eine individuell massgeschneiderte Anlagekonzeption auf der Basis des «Best-in-Class»-Ansatzes - das heisst, nur die aus Kundensicht optimalen Finanzprodukte werden ausgewählt, mit entsprechend positiver Auswirkung auf die Ertragsseite. Auf der Kostenseite bieten unabhängige Vermögensberater dank der flexiblen Auswahl der eingesetzten Produkte und der Bankdienstleister kostengünstige Lösungen an. Die Kombination des «Best-in-Class»-Ansatzes mit kostenoptimierter Umsetzung führt konsequenterweise zu einer Verbesserung der Anlageresultate.

Transparenz in Leistung und Preis

Die Erfolgsfaktoren in der unabhängigen Vermögensberatung sind die genauen Kenntnisse der Kundenbedürfnisse, die Expertise in der Beratung und die Transparenz der Leistungen. Dem Kunden kommt es mehr denn je darauf an, sachlich fundiert und in seinem Interesse in sämtlichen Vermögensangelegenheiten beraten und betreut zu werden - transparent in der Leistung und im Preis.

Diese Transparenz ermöglicht zugleich einen Know-how-Transfer hin zum Kunden, denn ein unabhängiger Berater ist daran interessiert, dass der Kunde trotz der zunehmenden Vielfalt an Finanzprodukten versteht, welche Investmententscheidungen warum die richtigen sind.

Kernstück einer modernen Beratung

Die unabhängige Vermögensberatung im beschriebenen Sinne garantiert eine uneingeschränkt auf die Kunden fokussierte Beratung. Die Unabhängigkeit ermöglicht einen optimalen Marktzugang zum gesamten Anlageuniversum, die uneingeschränkte Auswahl von Produkten und Dienstleistungen sowie die Diversifikation von Finanzdienstleistern. Dabei berät der unabhängige Vermögensberater auch in allen Fragen der Abwicklung. Dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass die Kostensensibilität der Kunden zunimmt und diese nach günstigen Abwicklungsmöglichkeiten suchen.

Unabhängigkeit ist das Kernstück einer modernen Vermögensberatung. Denn die Kunden von heute sind mehr denn je für die Interessenkonflikte sensibilisiert, wie sie immer noch an der Tagesordnung sind. So wird sich die unabhängige Vermögensberatung zu einem wichtigen Standard für private und institutionelle Kunden entwickeln.