Der beispiellose Preisrückgang bei Rohöl in den vergangenen Monaten hat nicht zuletzt bei Rohstoff-Benchmarks Spuren hinterlassen – wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. In den Monaten August bis September dieses Jahres etwa fiel der S&P GSCI Index auf «Total Return»-Basis um 18,9%, während sich das Benchmark-Barometer des DJ-AIG Index im gleichen Zeitraum um 17,7% verminderte (zum Vergleich: Der Preis für ein Barrel Öl sank in der gleichen Frist um 19,6%). Der Unterschied führt vor Augen, dass die Gewichtung einer Rohstoffanlage zumindest in kurzer Frist die Rendite massgeblich beeinflusst. Der unterschiedlich ausgeprägte Energiefokus ist denn auch die Hauptursache der Renditedifferenz zwischen beiden Indizes, zumal deren Methodik weitgehend dieselbe ist.

Untersuchungen zeigen, dass der Einfluss der Gewichtung in der längeren Frist tendenziell an Einfluss verliert und im Vergleich zur Indexmethodik in den Hintergrund tritt. Als Grund kann einerseits das unterschiedliche Preisverhalten in den verschiedenen Rohstoff-Subkategorien angegeben werden. Neben den vier «klassischen» Rohstoff-Benchmarkindizes (CRB, S&P GSCI, DJ-AIG und RICI) sind seit einiger Zeit Indizes der zweiten Generation verfügbar, welche mit unterschiedlichen Ansätzen eine Verbesserung der Indexmethodik (insbesondere der Rolleigenschaften) anstreben. Besonderes Augenmerk verdient dabei die Frage, auf welche Weise der jeweilige Index in Terminkontrakte investiert: Der grösstmögliche Diversifikationseffekt ergibt sich bei Indizes, die nicht nur in verschiedene Rohstoffe, sondern auch in unterschiedliche Laufzeiten investieren.

Methodik versus Gewichtung

Die wissenschaftliche Untermauerung einer verbesserten Methodik mag jedoch das eine sein, die Wahl der persönlichen Referenz ist das andere. Gerade institutionelle Investoren sind oftmals an eine bestimmte Benchmark, an der sie sich aus verschiedenen Überlegungen orientieren, längerfristig gebunden – sei es aus beabsichtigter Stabilität oder auch wegen unternehmensinterner Prozesse. In diesem Sinne wäre es wünschenswert, wenn die beiden Dimensionen «Indexmethodik» und «Gewichtung» unabhängiger voneinander betrachtet werden könnten.Nun arbeiten verschiedene Anbieter an verbesserten Lösungen bestehender Benchmarkindizes oder haben solche bereits veröffentlicht. Leider zielen die meisten Ansätze sehr auf die Optimierung des Rollprozesses unter den momentanen Gegebenheiten ab. Da Rohstoffmärkte jedoch durch steten Wandel gekennzeichnet sind und auch saisonale Muster – insbesondere im Bereich Agrargüter – nur begrenzt durch technische Kniffe (etwa durch die zeitliche Ausdehnung oder eine andere Terminierung der Rolltage) «ausgetrickst» werden können, darf solchen Ansätzen ein gesundes Mass an Misstrauen entgegengebracht werden.

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Ein Beispiel der konsequenten Trennung von Benchmark und Methodik liefert der SPGSCI CM Index. Dieser Rohstoffindex richtet sich bezüglich seiner Gewichtung strikt nach den Vorgaben des S&P GSCI Index. Aber von der Methodik her übernimmt er das Prinzip der konstanten Fristigkeiten des UBS Bloomberg CMCI Index.

Welche Instrumente sind für eine Anlage in einen solchen Index geeignet? Soll ein Marktrisiko eingegangen werden, empfehlen sich Exchange Traded Commodities (ETC), Total Return Swap oder strukturierte Produkte. Steht lediglich die Überrendite gegenüber der Benchmark im Zentrum, kann diese beispielsweise mit Long/Short-Zertifikaten oder Outperformance-Optionen gespielt werden.