Bis 2012 will Georg Fischer eine Ebit-Marge von 8% erreichen. Wie wollen Sie das schaffen?

Yves Serra: Die Voraussetzungen dafür haben wir dank einer deutlich tieferen Kostenbasis bereits geschaffen. Hinzu kommen weitere Veränderungen, die wir realisiert haben: So ist der Umsatzanteil unseres sehr rentablen Rohrleitungsgeschäfts deutlich höher als in den Vorjahren, was auch auf Konzernstufe zu einer höheren Profitabilität führt. Zudem haben wir unsere Präsenz in Asien verstärkt und profitieren von langfristigen Trends wie Mobilität und sauberem Wasser.

Was heisst das in Zahlen?

Serra: Für eine Betriebsgewinnmarge von 8% benötigen wir einen Konzernumsatz von rund 4 Mrd Fr. In der Vergangenheit haben wir jedoch bereits einen Umsatz von 4,5 Mrd Fr. erreicht - das Ziel ist also realistisch.

Noch sind Sie weit davon entfernt: 2009 erzielte GF einen Konzernumsatz von 2,9 Mrd Fr. und einen Ebit von minus 201 Mio Fr.

Serra: Ja, doch das Blatt wird sich wenden. Wir haben die Kosten dem heutigen Umsatz bereits angepasst und im 2. Halbjahr 2009 den Breakeven erreicht. Das Leverage ist deshalb heute hoch.

Mit Verlaub: Eine Ebit-Marge von 8% hat GF bisher erst einmal in 200 Jahren erreicht. Wo liegen die Risiken, die Ihr Ziel torpedieren?

Serra: Wir gehen davon aus, dass sich die Wirtschaftslage ab 2011 erholt. Es bleiben Unsicherheiten im Währungsbereich und beim Rohmaterial.

2009 hat GF rote Zahlen geschrieben. Wie wird das laufende Jahr?

Serra: Sollten die aktuellen positiven Signale für eine wirtschaftliche Belebung nachhaltig sein, ist ein ausgeglichenes Ergebnis auf Stufe Konzern möglich.

Werden alle drei Divisionen - die Rohrleitungssparte, das Autozulieferergeschäft und die Maschinenbausparte - 2010 schwarze Zahlen schreiben?

Serra: Wir arbeiten daran, das wird sich zeigen.

Wird es auch die arg gebeutelte Maschinenbaudivision GF Agie Charmilles 2010 in die Gewinnzone schaffen?

Serra: Sollte sich die Wirtschaft wie erwartet positiv entwickeln, dann stehen die Chancen gut. Denn die Kosten wurden massiv gesenkt, Doppelspurigkeiten beseitigt und die Präsenz in Asien verstärkt. GF Agie Charmilles ist heute besser denn je für den Aufschwung gerüstet.

Wie sehen die Auftragsbücher von GF Agie Charmilles aus?

Serra: Sie sind besser gefüllt als im Vorjahr. Vor allem dank Asien. In Europa und Amerika spüren wir zwar bei den Ersatzteilen eine Erholung, aber noch nicht bei den Maschinen. Immerhin verschlechtert sich die Lage nicht weiter.

Welches Margenziel streben Sie für GF Agie Charmilles an?

Serra: Dasselbe wie für den Konzern, also 8%.

Die Rohrleitungssparte GF Piping Systems hat deutlich höhere Margen als die beiden anderen Sparten: 2009 lag die Ebit-Marge bei 7,5%. Soll ihr Gewicht innerhalb des Konzerns wachsen?

Serra: Ja. 2009 lag der Umsatzanteil von GF Piping Systems schon bei 37%, er soll mittelfristig bis auf mindestens 40% wachsen - aber nicht zulasten der übrigen beiden Divisionen. Um weiter zulegen zu können, werden wir unsere Präsenz in Asien weiter verstärken. In diesem Jahr eröffnen wir eine weitere Produktionsstätte, nämlich in Peking. In Indien werden wir unsere Kapazitäten erweitern. Zudem ziehen wir für diese Sparte mittelfristig auch Akquisitionen in Betracht.

GF Piping Systems hat in der jüngeren Vergangenheit auch schon eine Ebit-Marge von 11,5% erzielt. Bis wann können Sie wieder an Werte in dieser Grössenordnung anknüpfen?

Serra: GF Piping Systems litt im vergangenen Jahr unter einem massiven Währungseffekt. Währungsbereinigt lag die Ebit-Marge bei 9,4%, also beinahe auf Vorjahresniveau - trotz tieferen Umsätzen. Das heisst, dass sich die Unternehmensgruppe trotz Krise gut geschlagen hat. Wir sind überzeugt, dass die Sparte bei einer wirtschaftlichen Erholung rasch auf ein Niveau von 10 bis 12% zurückkehren wird.

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