«Stress» ist heute ein Modewort. Wer keinen Stress hat, gibt preis, dass er mit seiner Arbeit nicht voll ausgelastet ist. Doch aufgepasst: Hinter der oft gehörten Floskel «Ich habe keine Zeit, ich bin im Stress» können sich Abgründe verbergen. Zu viel permanenter Stress und keine Zeit für körperliche und mentale Regeneration können die Gesundheit massiv beeinträchtigen und gefährden. Das belegen eine Vielzahl von volkswirtschaftlichen und arbeitspsychologischen Studien.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) hat zu Beginn dieses Jahres errechnet, dass krankmachender Stress die Schweizer Wirtschaft jährlich 4,2 Mrd Fr. kostet. Die spezialisierten Privatspitäler stellen fest, dass die Zahl der Burnout-Patienten in den letzten Jahren und nicht erst seit Ausbruch der Krise sprunghaft zugenommen hat.

Das Ausgebranntsein gilt als psychische Reaktion auf chronische Überbelastung und als typische Krankheit von Führungskräften. Mangelnde Wertschätzung, zu wenig Gestaltungsmöglichkeiten, enormer Zeitdruck und eine Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit über Blackberrys und iPhones können aber auch bei normalen Angestellten zu einem Burnout führen. Sie verlassen ihren Arbeitsplatz nach Feierabend frustriert, leer und müde.

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In dieser Erschöpfungsphase können physische Leiden einsetzen: Kopf- und Rückenschmerzen. Zudem schlafen die übermässig Gestressten schlecht, leiden unter Depressionen und existenziellen Ängsten. Burnout, das berichten Betroffene übereinstimmend, führt in eine Sinn- und Lebenskrise, in einen Teufelskreis, der sich negativ auf den Job und das Privatleben auswirkt.

Doch die gute Nachricht lautet: Burnouts lassen sich behandeln. Wer aus der Spur gekommen ist, findet wieder zurück. Es gibt eine Reihe von Behandlungen aus der Schul- und der Alternativmedizin, die in Kliniken angeboten werden. Michael Soyka, Chefarzt der Privatklinik Meiringen, erklärt, dass sich während eines stationären Aufenthaltes Möglichkeiten ergeben, den Arbeitsplatz und die beruflichen Anforderungen anders zu struktieren. Obwohl viele Betroffene später wieder leistungsfähig seien, sei eine Rückkehr an den alten Arbeitsplatz nicht immer wünschenswert. Wichtig ist laut Soyka eine gute Nachsorge nach dem Zusammenbruch.

Ebenso zentral ist während und nach der Behandlung, die persönlichen, zum Teil unrealistischen Erwartungen an sich selber und an die Arbeit aufzugeben und die Freiräume im «neuen» Leben auszufüllen: Mit einem ausgeglichenen Beziehungsleben und interessanten Freizeitaktivitäten.