Das Lädelisterben bei den selbstständigen Lebensmitteldetaillisten geht weiter - doch nun setzen ausgerechnet die Giganten Coop und Migros wieder auf Mini-Super-märkte in Stadt und Dorf. 2000 hatte es noch 3878 selbstständige Lebensmitteldetaillisten gegeben. Nun existieren laut dem Marktforschungsinstitut GfK Switzerland nur noch 2458 Verkaufsstellen; mehr als ein Drittel der Tante-Emma-Läden sind in diesem Jahrzehnt verschwunden.

Insbesondere Coop hat diese Lücke nun entdeckt. «Wir haben uns entschieden, auch in Zukunft in unsere kleinen und mittleren Standorte zu investieren und diese noch attraktiver zu gestalten», sagt Coop-Chef Hansueli Loosli. Zudem will er die Anzahl Verkaufsstellen weiter ausbauen. Läden bis 500 m² spielen dabei eine wichtige Rolle. «Coop möchte Kundinnen und Kunden ohne Auto ansprechen, also 20 bis 25% der Städter. Zudem wollen wir der demografischen Entwicklung mit höherer Lebenserwartung und mehr Einzelhaushalten gerecht werden», ergänzt Coop-Sprecher Nicolas Schmied. Der zweitgrösste Detailhändler der Schweiz besitzt bereits das dichteste Netz an Verkaufsstellen (siehe Tabelle). Nachdem Coop in den letzten Jahren durch den Zukauf von Carrefour die Megastores mit einer Fläche von über 3550 m² stark ausgebaut und damit Migros in diesem Bereich stärker konkurrenziert hat, setzt der Basler Detailhändler nun wieder vermehrt auf die kleinen und mittleren Standorte; dies als Ergänzung zu den noch kleineren Pronto-Shops.

Mehr Umsatz in kleinen Läden

Grund für die Strategieanpassung: Coop hat gemerkt, dass mit dem Trend zum Wohnen in der Stadt auch das Bedürfnis wieder stärker zunimmt, seine Einkäufe gleich um die Ecke zu erledigen. Erreichbarkeit ist neben der Frische ein zentrales Einkaufskriterium in der Schweiz. Zudem generieren die kleineren Läden mehr Umsatz pro Quadratmeter. Ein Megastore von Coop bringt durchschnittlich 7463 Fr. pro m², ein Supermarkt 12665 Fr./m² - ein Coop Pronto jedoch 25106 Fr./m² im Jahr. Für die nächsten zwei Jahre plant Coop je fünf Neueröffnun-gen und Modernisierungen von kleinen und mittleren Filialen. Coops Strategie zielt wohl auch auf Denner. Der Schweizer Discounter mit seinem grossen Netz von 788 Filialen, seinen Markenartikeln und dem Angebot an Frischfood führt zwar ein kleineres Angebot als Coop, ist aber ein starker Konkurrent. Mit seinen Läden inklusiv seinen Satelliten in der Grösse von durchschnittlich 379 m² ist der Discounter auch in den Quartieren oder im Dorf verankert. Auch Migros hat den Trend zum Mini-Supermarkt erkannt - zumindest Migros Aare, die umsatzstärkste Migros-Genossenschaft. Sie baut das Kleinladenformat Voi aus. «Rund 20 Quartier- und Dorfläden sind in den Kantonen Bern, Aargau und Solothurn für die nächsten Jahre geplant», erklärt Reto Leutwiler, Leiter Projekt Voi der Genossenschaft Migros Aare in Bern. Zurzeit werden acht Voi-Läden betrieben. Im Unterschied zu den traditionellen Dorfläden sind die Voi grösser. Der kleinste misst 260 m², der grösste 450 m². Zu klein dürfen die Mini-Supermärkte nicht sein: Der Kunde ist heute anspruchsvoll und lässt sich nicht mit einem kleinen Angebot abspeisen. Er will eine genügend grosse Auswahl an Produkten im Laden, deshalb sollen laut Leutwiler Läden lanciert werden, die nicht unter 350 m² gross sind.Betrieben werden die Voi durch Franchisenehmer. Migros stellt ihnen die Lokalität und das Sortiment zur Verfügung. Das Konzept von Voi bleibt vorläufig auf Migros Aare beschränkt. Schweizweit plant Migros für 2010 sechs neue kleine und mittelgrosse Supermärkte. Migros hat im Vergleich zu Coop ein löchriges Fillialnetz (siehe Tabelle).Hinter der Rückbesinnung von Coop und Migros auf «small is beautiful» steckt nicht Nostalgie, sondern der Erfolg der Convenience-Shops. Nach dem Boom von Coop Pronto oder Migrolino mit ihren attraktiven Öffnungszeiten am Wochenende und in den Randstunden sollen auch die neuen Mini-Supermärkte das Bedürfnis der Konsumenten nach dem bequemen Einkauf gleich um die Ecke abdecken.

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Volg nimmt Konkurrenz gelassen

Volg, der erfolgreich das Dorfladenkonzept umsetzt, nimmt die neue Konkurrenz der beiden Detailhandelsgiganten Migros und Coop zwar ernst, hat aber keine Angst: Bei Volg betrage die Durchschnittsgrösse eines Ladens 170 m². «Das ist viel kleiner als die Mini-Supermärkte der Grossverteiler», so Volg-Sprecher Reinhard Wolfensberger.