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E-Commerce
Das Damokles-Schwert über Zur Rose ist gefallen

Walter Oberhänsli: Der Jurist und Chef von Zur Rose muss erneut vor Gericht für sein Geschäftsmodell kämpfen.Quelle: Keystone

Die Grosse Koalition in Deutschland will den Versand mit rezeptpflichtigen Arzneien verbieten. Das bringt die Schweizer Zur Rose in arge Bedrängnis.

Marcel Speiser
Kommentar  
Von Marcel Speiser
am 08.02.2018

Autsch! 150 Millionen Franken haben sich in Luft aufgelöst. Um diese Summe ist der Börsenwert der Frauenfelder Versandapotheke Zur Rose in den letzten zwei Tagen gesunken – und sinkt weiter. Der Grund: Die neue deutsche Regierung hat sich auf die Fahnen geschrieben, den Versand von rezeptpflichtigen Medikamenten zu verbieten. «Um die Apotheken vor Ort zu stärken, setzen wir uns für ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ein», schreiben SPD, CDU und CSU im Entwurf ihres Koalitionsvertrags.

Für Walter Oberhänsli, Gründer von Europas grösster Versandapotheke Zur Rose und Pionier des E-Commerce mit Arzneien, entwickelt sich die Neuauflage der Grossen Koalition zu einer grossen Katastrophe. Kaum hat er die deutsche Apotheker-Lobby nach jahrelangem juristischem Streit vor dem Europäischen Gerichtshof niedergerungen und die Preisbindung für rezeptpflichtige Präparate gekippt – das war im Herbst 2016 –, beginnt der Kampf gegen die stärkste Berufslobby Europas von neuem. Jurist Oberhänsli hat bereits angekündigt, mit allen juristischen Mitteln gegen das sogenannte «Rx-Versandverbot» in Deutschland vorzugehen. Wider Willen entwickelt sich Oberhänsli mehr und mehr zum Don Quijote des Pillenversandes.

Es geht um mehr als Zur Rose

Sein kontinuierliches Engagement für mehr Effizienz in der Medikamenten-Distribution ist Oberhänsli hoch anzurechnen. Denn es geht beim Kampf gegen die deutsche Apotheker-Industriepolitik um mehr als um Zur Rose. Es geht um eine ganze Branche, deren Existenz durch ein Rx-Versandverbot massiv gefährdet wird. Es geht um das Wohl chronisch kranker Patienten, die günstig und bequem mit den immergleichen Medikamenten per Post beliefert werden könnten. Es geht um den volkswirtschaftlichen Nutzen einer kostengünstigen Arzneimittel-Versorgung. Und es geht auch ein bisschen darum, mit Zur Rose einen europäischen Champion zu haben, der den Apotheken-Ambitionen des US-Giganten Amazon etwas entgegen zu setzen hätte. 

Fakt ist: Der Strukturwandel, den die Digitalisierung in allen Branchen ausgelöst hat, lässt sich mit politisch erzwungenen Verboten nicht aufhalten. Das werden auch die um ihre Pfründe kämpfenden Apotheker und die von ihnen eingespannten Politiker einsehen müssen. Oberhänsli wird es ihnen zeigen – sofern ihn seine Aktionäre nicht ihm Stich lassen.

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