Hifi-Anlagen zählten früher zu den Einrichtungsgegenständen, die von Frauen am liebsten aus dem Wohnzimmer verbannt, von Männern hingegen zusammen mit dem Fernseher ins Zentrum der Stube ge- rückt wurden. Wenn solche Diskussionen heute nicht mehr geführt werden, liegt das einerseits an neuen Medienformaten wie digitalisierter Musik und digitalisierten Filmen - andererseits haben sich auch die Abspielgeräte gewandelt. Ein Teil von ihnen wurde durch das Aufkommen der MP-3-Player so handlich, dass die Grösse keine Rolle mehr spielt.

Bei den in Wohnräumen fest installierten Anlagen hat die Digitalisierung ebenfalls Einzug gehalten. Allerdings ist ein normaler PC keine ideale Lösung, weil die Designfrage im Wohnzimmer ungelöst bleibt. Zudem liefern die unabdingbaren Peripheriegeräte wie Tastatur und Monitor Zündstoff für Auseinandersetzungen. Vom unvermeidlichen Kabelsalat ganz zu schweigen.

Das Design ist entscheidend

Hier setzen die Media Center ein. Im Kern sind es PC-ähnliche Computer, die für den Einsatz als Musik- und Unterhaltungsanlagen optimiert wurden. «Das Design ist ganz entscheidend», sagt Reycom-CEO Pascal Rey, «denn was Menschen ins Wohnzimmer stellen, soll schön aussehen.» Nur so ist es möglich, auch Frauen als Kunden zu gewinnen. «Design ist aber nicht alles, es kommt noch viel mehr hinzu», sagt Rey zu seiner Strategie. «Solche Produkte dürfen nicht technologiegetrieben sein, sondern müssen sehr bedienerfreundlich ausgelegt sein.»

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Dabei muss Rey Menüführungen vereinfachen und logischer gestalten sowie die Funktionalitäten der Hardware auf die Elemente reduzieren, die den Anwendern im Wohnzimmer wirklich nützen. «Die meisten Kunden schauen mit den Media Centern vor allem fern. Deshalb ist die Stabilität der Hardware- und Softwareplattform sehr entscheidend - denn wer möchte schon zu Hause sein eigener Computer-Supporter sein?» Bequem vom Sofa aus ferngesteuert, gibt das Media Center ergonomischen Zugriff auf Bild und Ton.

Bei Reycom modifiziert man aber nicht nur, man entwickelt auch die Technologie weiter. «Gerade im Tunerbereich haben wir einige wichtige Elemente selber hergestellt», sagt Rey. Auch das Geschäftsmodell wird laufend weiterentwickelt. Bisher hat sich Reycom mit den Media Centern vor allem im oberen Segment positioniert. «Im kommenden Jahr wird man von uns einen Vorstoss ins mittlere Segment sehen, weil da auch die Volumen höher sind», sagt Rey weiter. «Hinzu kommt noch eine Erweiterung des Geschäftsmodells vom Systemhersteller zum Lösungsanbieter.»

Neuartige Abos

Hier beschreitet Rey Neuland. In enger Zusammenarbeit mit Medienfirmen, Technologieunternehmen, Server-Hosting-Dienstleistern und Kabelnetzbetreibern entwickelt Reycom eine Gesamtlösung zur nahtlosen Integration von TV, Musik, Fotos und Onlinezu-griff auf ein reichhaltiges Filmangebot. In Verbindung mit einschlägigen Abonnements werden vielfältige Unterhaltungsangebote und die notwendige Hardware zu attraktiven Produktebündeln kombiniert, wie das heute Mobiltelefonnetzbetreiber mit Handys vormachen.

Das ist aber nicht der einzige Faktor, der für die kommenden zwei Jahre trotz der Finanz- und Wirtschaftskrise einen Wachstumsschub bringen soll. Auch die Umstellung der Fernsehsender auf hoch auflösendes Digitalfernsehen trägt ihren Teil dazu bei. Das Kernteam soll im nächsten Jahr auf 16 Personen aufgestockt werden, und mit der Ausweitung der Produktionsvolumen soll auch die Fertigung von Europa nach Asien verlegt werden.

«In diesem Zusammenhang ist auch die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft zu sehen», sagt Rey. Vor zehn Jahren begann er, mit Flachbildschirmen der US-Firma Cybercom zu handeln. Zwei Jahre später wurde die Firma in eine GmbH umgewandelt. Heute liegt der Umsatz - Rey gibt keine Zahlen bekannt - in einstelliger Millionenhöhe. Die Chancen stehen sehr gut, dass Rey den Umsatz bis 2010 auf von der «Handelszeitung» geschätzte 15 bis 20 Mio Fr. ausweiten kann.