Gleich knüppeldick kam es in den letzten Monaten des vergangenen Jahres für die Operateure im Kombinierten Verkehr sowie die Betreiber der Rollenden Autobahn durch die Alpen. Einbrüche bei den Transporten von 20% und mehr waren die Regel. Auch die Hupac AG mit Hauptsitz in Chiasso, als führende Anbieterin von Transportleistungen im europäischen Schienenverkehr, wurde vom Konjunktureinbruch getroffen. «Wir bekommen die rückläufige Wirtschaftsentwicklung in Deutschland und Italien voll zu spüren. Vor allem betroffen vom Konjunkturrückgang sind aus unserem Kundenkreis die chemische Industrie, die Automobilhersteller und die Automobilzulieferer. Dies führte dazu, dass die Transportleistungen im November und Dezember 2008 um rund 20% einbrachen, und seit Januar hat sich die Krise auf alle Kunden ausgeweitet», stellt Bernhard Kunz, Direktor der Hupac-Gruppe, fest.

Einige Verbindungen eingestellt

Bezüglich der Aussichten im laufenden Jahr ist Kunz eher zurückhaltend. «Wir gehen für dieses Jahr von einem Rückgang des Transportvolumens von 15 bis 20% gegenüber dem Vorjahr aus. Zudem müssen wir uns durch die Konsolidierung unseres Verkehrsnetzes sowie durch Kostenreduktionen auf die rückläufige Nachfrage einstellen», betont er. Die Hupac hat bereits im Jahr 2008 verschiedene Verbindungen eingestellt, wie beispielsweise Basel-Perpignan, Frankfurt-Busto und Rotterdam-Frankfurt. Bei anderen Strecken wurden die Abfahrten reduziert.

Allerdings, ein abnehmendes Interesse der Kundschaft am Kombinierten Verkehr kann Hupac noch nicht feststellen. «Bis jetzt war dies nicht der Fall, werden doch die bestehenden Volumen, wenn auch reduziert, weiterhin von uns gefahren, denn wir können unseren Kunden dank unseres dichten Netzes optimale Transportmöglichkeiten anbieten», unterstreicht Kunz. Verstärkt wird bei der Hupac derzeit auch die Präsenz an der Verkaufsfront, um die Kundschaft weiterhin von den Vorteilen des Kombinierten Verkehrs zu überzeugen. «Die Gefahr besteht jedoch», ergänzt Kunz, «dass der Kombiverkehr gegenüber der Strasse ins Hintertreffen gerät.» In der Tat bekam die Hupac die Konkurrenz der Strasse stärker zu spüren, haben doch die bestehenden Überkapazitäten von Laderaum kontinuierliche Preisabsenkungen ausgelöst. «Der Druck der Strasse nimmt täglich zu. Die Verlader fordern bei Neuausschreibungen Reduktionen im zweistelligen Bereich. Uns fehlen hier die Instrumente, um kurzfristig zu kontern, da verschiedene Bahnen in dieser Zeit die Tarife angehoben haben. Dies wird negative Folgen auf die Verlagerung in ganz Europa haben», fügt Kunz bei.

Anzeige

Eine gewisse Kompensation für die rückläufigen Volumina auf der Nord-Süd-Achse war der nicht-transalpine Verkehr der Hupac AG, welcher im vergangenen Jahr einen Zuwachs von 14% erzielte. Die Diversifizierung der Produkte half der Hupac auch, Rückgänge auf einzelnen Destinationen zu kompensieren; dazu gehört der neu aufgenommene transalpine Verkehr über den Brenner, der sich im vergangenen Jahr erfreulich entwickelte. Nicht zuletzt deshalb, weil sich die Wirtschaft im Nordosten Italiens, beispielweise im Raum Veneto, stärker entwickelt hat als jene im Raum Mailand. In der Region Osteuropa, wo Hupac bisher nicht vertreten war, entwickelte sich das Verkehrsvolumen seit dem Einstieg auf diesen Strecken sehr erfreulich. Für die kommenden Monate sind denn auch weitere Verbindungen nach Südost- und Südwesteuropa geplant, dies trotz der Krise, die sich jetzt auch zunehmend auf Osteuropa ausdehnt.

Im Weiteren hat die Hupac AG neue Transportlösungen via Lötschberg für Sattelauflieger in Vorbereitung. Konkret heisst dies: Man will auf dieser Strecke die Kapazität für 4-m-Auflieger stärker nutzen als bisher, da ja auf der Gotthardachse nur Auflieger bis maximal 3,9 m transportiert werden können. Für Bernhard Kunz ist dies ein Handicap, da die Kunden von Hupac nur noch in 4-m-Sattelauflieger investieren (siehe auch Artikel links).

Zukunft von SBB Cargo

Offen ist auch die Frage, wie es mit SBB Cargo weitergehen soll. Das Unternehmen ist der Haupttraktionär von Hupac, sodass man sich in Chiasso Gedanken darüber macht, in welche Richtung die industrielle Neuausrichtung von SBB Cargo gehen soll. «Wir gehen davon aus, dass SBB Cargo auch in Zukunft - mit welchem Partner auch immer - auf der Nord-Süd-Achse präsent sein wird. Was uns Sorgen bereiten würde, wäre ein Szenario, bei dem ein Traktionär auf dem Nord-Süd-Korridor durch die Schweiz eine marktdominante Position erlangen könnte», stellt Kunz mit Nachdruck fest und ergänzt: «Wichtig ist, dass der Wettbewerb im Alpentransit erhalten bleibt. Dies ist der wichtigste Garant für die Verlagerungspolitik des Bundes.»