Die Credit Suisse ist gut ins Jahr gestartet. Der Konzerngewinn stieg im ersten Quartal auf über eine Milliarde Franken – ein Plus von 23 Prozent im Vorjahresvergleich. Treiber des Ergebnisses war die ungeliebte Investmentsparte. Der Nettoertrag fiel deutlich höher aus als im Vorjahr, der Geschäftsaufwand stieg nur marginal. Als Ergebnis erhöhte sich nicht nur der Gewinn, sondern auch die Effizienz: Das Aufwand-Kosten-Verhältnis sank von 76 Prozent auf knapp 74 Prozent.

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Anders sieht es aus bei der Vermögensverwaltung, der eigentlichen Kernsparte der Bank: Die Erträge sanken stärker als der Aufwand, die Effizienz nahm also ab, unterm Strich blieb weniger übrig als im Vorjahr, Wachstum generierte zwischen Januar und März fast nur noch das Geschäft in Asien.

Thiam im Dilemma

Das stellt den neuen Konzernchef Tidjane Thiam vor ein Dilemma: Die Credit Suisse will weniger Investmentbank sein, denn die Sparte ist immer wieder für Verluste verantwortlich. Das Investmentbanking ist viel volatiler und risikoreicher, deshalb wird diese gewinnbringende Sparte immer stärker beschnitten. Damit sägt die Bank aber an der Wurzel ihres Profits.

«Es ist ziemlich sicher, dass es zu weiteren Einschnitten im Investmentbanking kommen wird», sagt Roger Degen, Analyst bei der Bank Julius Bär. Auch Andreas Brun, Experte der Zürcher Kantonalbank (ZKB), ist sich sicher, dass die Credit Suisse Stellen abbauen wird. Die neuesten Quartalsergebnisse änderten nichts daran.

Schwieriges Zinsumfeld

«Thiam steckt tatsächlich in einer schwierigen Situation», erklärt Brun. Das international niedrige Zinsumfeld bereitet der Bank Kopfschmerzen. Die Credit Suisse schreibt in der Medienmitteilung zwar, dass sie den Erfolg im Geschäft mit den vermögenden Privatkunden dank «Massnahmen zur Entschärfung der veränderten Währungs- und Zinssituation sowie der Initiative zur Steigerung der Kreditvergabe» im ersten Quartal erhöhen konnte. «Die Tendenz ist aber klar», sagt Brun. «Im momentanen Niedrigzinsumfeld ist es nicht möglich, mit dem klassischen Zinsdifferenzgeschäft die Gewinne zu steigern.»

Gleichzeitig bietet das Niedrigzinsumfeld grosse Chancen im Investmentbereich. Auf der Suche nach höheren Renditen steigt der Risikoappetit von Investoren, die Mittel fliessen in risikoreichere Anlagen. «Das belebt das Handelsgeschäft», erklärt der ZKB-Experte. Der Quartalserfolg der Credit Suisse zeigt das deutlich: Die Erträge stiegen im Vorjahresvergleich um zehn Prozent.

Schwache Kapitalisierung

Dass die Credit Suisse an ihrer Strategie festhält, sich stärker auf das Kundengeschäft zu fokussieren, mag kurzfristig auf Kosten der Profitabilität gehen. Die Analysten sind trotzdem nicht aufgeschreckt. «Das Investmentbanking ist schwankungsanfälliger und eigenkapitalintensiver – und das ist entscheidend», erklärt Brun. Denn die Grossbank sei nach wie vor schwächer kapitalisiert als die Konkurrenz.

Die CS kämpft auch weiterhin mit einem zu dünnen Kapitalpolster: Im ersten Quartal konnte sie ihr Eigenkapital nicht weiter erhöhen. Die Kernkapitalquote sank sogar leicht, was das Geldinstitut mit Währungseffekten und neuen Vorschriften begründet. «Die Credit Suisse muss die Bilanz weiter zurückfahren», ist Brun überzeugt. In der Investmentbank sei zu viel Kapital gebunden.

Investmentbank wird filetiert

Daher sei ein Rückbau dieser Aktivitäten durchaus sinnvoll, auch wenn die Gewinne der Investmentsparte gerade die Bankprofite in die Höhe schnellen lassen. Brun: «Thiam steht vor der schmerzhaften Aufgabe, gewinnschreibende Sparten abzubauen, um den Eigenkapitalvorschriften gerecht zu werden.»

Ähnlich sieht es auch Julius-Bär-Analyst Degen: Beim Handel mit strukturierten Produkten und im Festverzinslichen gäbe es durchaus Teile, wo die Credit Suisse über die Bücher gehen müsse. Da die Kapitalanforderungen aufgrund höherer Riskiogewichtungen steigen, sinkt die Profitabilität. Diverse Banken, darunter auch die UBS, haben sich in diesem Bereich deshalb schon stärker zurückgezogen. Diesem Weg werde auch die zweitgrösste Schweizer Bank folgen, ist Degen überzeugt. «Die Credit Suisse wird jene Teile des Investmentbankings aufgeben, welche die Eigenkapitalrendite verwässern», sagt er.