Nur wenige Wochen nachdem Pizza Hut sein Bestellprogramm für das iPhone gestartet hat, meldet das Unternehmen bereits die erste Umsatzmillion in der neuen Nische. Mit einem Fingerwisch belegen die Kunden ihren Teig und bestellen anschliessend ihre Pizza.

Mit den kuriosen und den sinnvollen Anwendungen, die kurz Apps genannt werden, hat Apple die Spielregeln für eine ganze Branche geändert. Bereits mit seinem Musikspieler iPod und dem digitalen Vertrieb über iTunes hat der Konzern die Musikindustrie zum Umdenken gezwungen. Nun steckt dank Apple auch die Mobilfunkbranche mitten in einer Revolution. Mehr als 50 Mio iPhones und iPod touch hat der Konzern verkauft. Die Nutzer der Geräte lieben die Möglichkeit, ihr Mobiltelefon täglich zu erneuern. Denn mit kleinen Programmen, die entweder kostenlos sind oder nur wenige Franken kosten, bringen sie ihrem Handy ständig neue Funktionen bei. Inzwischen können sie unter mehr als 100 000 Anwendungen wählen.

Apps als lukratives Geschäft

Bislang mussten Mobiltelefonierer sich ein neues Gerät zulegen, wenn sie zusätzliche Funktio-nen wünschten. Künftig genügt es, über das Mobilfunknetz einfach neue Anwendungen zu laden. Für die Handyhersteller ist das ein lohnendes Geschäft. Denn der durchschnittliche Verkaufspreis ihrer Telefone sinkt seit Jahren stetig. Für Smartphones geben Käufer aber mehr als doppelt so viel Geld aus wie für normale Handys.

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Derzeit stürzen sich daher die Hersteller auf den Markt. «Die Handyhersteller müssen in ihr Smartphone-Angebot investieren, um vom schnellen Marktwachstum in diesem Segment profitieren zu können», sagt Carolina Milanesi vom Marktforschungsinstitut Gartner. Den Unternehmen ist klar, dass der Schlüssel für ihr Wachstum in der Auswahl der Programme liegt. Inzwischen gibt es etwa ein Dutzend Appstores. Darunter sind Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM), Nokia, Samsung, Palm und auch Google Android. Die Hersteller mühen sich, eine Entwicklergemeinde um sich zu scharen. RIM hat bereits im vergangenen Jahr mit Thomson Reuters und RBC Venture Partners sowie Risikokapital-Funds im Umfang von 150 Mio Dollar ausgestattet, um die Entwicklung von Programmen zu fördern.

Vielversprechender Markt

Beim iPhone scheint die Zahlungsbereitschaft der Nutzer am grössten zu sein. Pangea Software hat mit seinem Spiel Enigmo 2,5 Mio Dollar verdient, Smule mit seiner Flöten-Anwendung Ocarina 1,3 Mio Dollar und Freeverse mit der Angler-Simulation Flick Fishing immerhin noch rund eine Mio Dollar. Der Goldman-Sachs-Analyst James Mitchell geht davon aus, dass Apple mit den Apps im nächsten Jahr mehr Umsatz machen wird als YouTube.

Trotz der Erfolgsgeschichten sollten sich Entwickler nicht allzu grosse Hoffnungen auf das schnelle Geld machen. Schätzungen gehen davon aus, dass 90% der Anwendungen zumindest nicht profitabel sind. Wer in den Apple- Listen nicht zu den Top 100 zählt, gerät schnell in Vergessenheit. Laut AppsFire, einem iPhone-Service, werden nur 20% der Programme auch genutzt, 80% nicht.