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Soziales Netzwerk
Das fünffache Versagen von Facebook

Mark Zuckerberg
Mark Zuckerberg: Der Facebook-Gründer gerät immer wieder in Negativschlagzeilen.Quelle: 2018 Getty Images

Immer neue Skandale überschatten das weltgrösste Soziale Netzwerk Facebook. Fünf Problemfelder, in denen Chef Mark Zuckerberg versagt.

Von Stefan Barmettler und Bastian Heiniger
am 07.12.2018

1. Dubiose Datendeals

Und wieder gerät Facebook in Negativschlagzeilen. Das soziale Netwerk gewährte ausgewählten Firmen Daten, zu denen andere keinen Zugriff hatten. Das zeigen interne Dokumente, die nun vom britischen Parlamentsausschuss veröffentlicht wurden. Offenbar konnten der Streamingdienst Netflix, die Wohnungsvermittlungsplattform Airbnb, die Dating-App Badoo sowie der Fahrdienst Lyft auf Nutzerdaten wie etwa Kontakten zu Freunden zugreifen. Geschehen sei das 2015. Facebook beteuert, «niemals die Informationen von Menschen verkauft» zu haben. Die Dokumente geben jedoch Einblick ins Geschäftsmodel, wonach Nutzerdaten etwa gegen Werbung oder stärkerem Engagement auf der Plattform getauscht würden.

Seit Monaten steht das Unternehmen in der Kritik: Über einen Psychologprofessor der Universität Cambridge, der Zugriff auf Daten von 87 Millionen Facebook-Nutzer hatte, gelangten die Daten zur Polit-PR-Firma Cambridge Analytica. Diese missbrauchte sie für Polit-Kampagnen, unter anderem für Donald Trump im Wahlkampf 2016. Mittlerweile untersucht die US-Justiz, ob Cambridge Analytica Wahlgesetze verletzt haben. Aufgebraucht hatten den Datenskandal der Cambrigde Analytica-Whistleblower Christopher Wylie. Die britische PR-Firma wurde nach einem verdeckten Video geschlossen. Facebook stellte sich auf den Standpunkt, ihre User-Daten seien missbräuchlich von der Universität Cambridge an Unbefugte weitergegeben worden.

2. Fehlende Kontrolle

Seit Jahren verkündet Facebook-Chef Mark Zuckerberg grossspurig, man würde Fake News und Politpropaganda konsequent ausschliessen. Im März dieses Jahres wurde bekannt, dass die muslimische Minderheit Rohingya in Myanmar via Facebook seit Jahren systematisch verunglimpft wird. Die Minderheit würde Polizeistationen angreifen, unschuldige Beamte umbringen und die Ehre Myanmars beschmutzen.

Die Hass-Kampagne, stellte sich nun heraus, war vom Militär orchestriert und sollte ihre ethnische Säuberung rechtfertigen, die sie 2013 lancierte. Gegen eine Million Rohingya mussten ins Nachbarland Bangladesch fliehen. Facebook, stellte sich heraus, war völlig überfordert beim Säubern des Netzwerkes vor Falsch- und Hassmeldungen. 2015 waren gerade mal zwei Personen mit burmesischer Muttersprache angestellt, die Hate Posts überhaupt verstanden.

Im Frühling 2018 musste sich Zuckerberg dem US-Senat stellen, wo er mit dem Missbrauchsfall Myanmar konfrontiert wurde und er Verbesserung gelobte. 11 Tage nach seinem Auftritt in Washington war auf Facebook zu lesen: «Übergiesst sie mit Öl und zündet sie an, damit sie schneller bei Allah sind.» Später sperrte Facebook dutzende Accounts, die dem burmesischen Militär zugeordnet wurden und über 1,3 Millionen Followers hatten. In einer Stellungnahme schrieb Facebook kürzlich: «Wir fanden heraus, dass diese scheinbar unabhängigen Unterhaltungs-, Schönheits- und Informations-Sites mit dem Militär verbunden waren.» Eine Untersuchung der Uno stellte fest, Facebook habe eine «bestimmende Rolle» gespielt beim Schüren von Hass.

3. Faule Ausreden – langsame Reaktion

Früher schon tauchten Berichte auf, wonach soziale Netzwerke wie Twitter, Instagram und vor allem Facebook durch russische Behörden missbraucht würden, um die Politik in den USA zu Gunsten von Donald Trump zu beeinflussen. Diese Informationen tat Zuckerberg zuerst als lächerlich ab. Dies sei eine «pretty crazy idea». Die Wähler würden ihre Stimmen aufgrund ihrer Lebensumstände abgeben. Später stellte sich heraus, dass Firmen im Dunst des russischen Geheimdienstes und des Militärs jahrelang und im grossen Stil Falschinformationen aller Art ins US-Politsystem (und anderwswo) eingespeist hatten und bis heute tun.

Vor dem US-Senat gab sich Zuckerberg reuig. «Es tut mir leid. Ich leite die Firma und bin verantwortlich, was hier passiert ist.» Bekannt wurde, dass zwischen 2015 und 2017 russische Quellen bis zu 125 Millionen Facebook-Nutzer mit fehlerhaften Informationen bedient hatten. Via die Facebook-Tochter Instagram sollen es 20 Millionen Nutzer gewesen sein. Zuckerberg kündigte nach den Enthüllungen an, die Investitionen in Sicherheit und Kontrolle massiv auszubauen. Auch versprach er das Installieren einer Propaganda-Kontroll-Software an.

Es gibt noch ganz viel zu tun. Ende Oktober wurde im Südsudan via Facebook ein 16-jähriges Mädchen an den höchsten Bieter versteigert. Laut der Kinderrechtsorganisation Plan International beteiligten sich fünf Männer an der Auktion. Der Vater erhielt letztlich von einem Geschäftsmann 500 Kühe, drei Autos und 10’000 US-Dollar für seine Tochter. Nachdem der Verkauf des Mädchens publik wurde, räumte Facebook ein, dass eine Versteigerung stattgefunden habe. Der Eintrag sei am 9. November entfernt worden. Die Auktion war dann jedoch bereits abgewickelt.

4. Aggressives Lobbying

George Soros, Philanthrop und Holocaust-Überlebender kritisierte Facebook wegen dem chronischen Verbreiten von Falschinformationen. Daraufhin engagierte Facebook die PR-Firma Definers Public Affairs. Die Firma steht der Republikanischen Partei nahe und ist spezialisiert auf Background-Recherche und aggressive Gegenkampagnen. Die Firma löste eine Schmierenkampagne gegen Soros aus.

Der linke Investor zog auch die Wut von Facebook-COO Sheryl Sandberg auf sich, weil er am WEF in Davos 2018 Facebook als «Bedrohung» titulierte. In einem internen Mail fragte Sandberg nach, ob Soros auf fallende Facebook-Aktienkurse gesetzt habe - was nicht zutraf. Offenbar sollten Informationen zusammengetragen werden, um Soros als üblen Börsenspekulanten zu verunglimpfen. Auch über die Facebook-Konkurrenten Apple und Google verbreitete die Agentur Negativmeldungen.

Als erste Medienstories über Sandbergs Mitwissen über die Aktivitäten der umstrittene PR-Firma auftauchten, behauptete sie kühl, das Engagement sei ihr unbekannt. Nach weiteren Recherchen der «New York Times» musste sie zugeben, dass sie sehr wohl informiert war. Sie hätte, krebste sie zurück, «eine kleine Zahl von Mails gekriegt, die einen Bezug zu Definers hatten.» Schliesslich beendete Zuckerberg die Kooperation mit Definers Public Affairs und der Chef der Abteilung Politik und Kommunikation verliess Facebook.

5. Faule Steuertricks

Digitalkonzerne wie Facebook, Google, Amazon und Apple erzielen in Europa hohe Gewinne, zahlen jedoch kaum Steuern. Die EU diskutiert deshalb die Einführung einer Digitalsteuer. Erst kürzlich führte Italien einen Steuerstreit mit Facebook. Der US-Konzern akzeptierte diesen November eine Nachzahlung von 100 Millionen Euro für den Zeitraum zwischen 2010 und 2016. 

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